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Cargo-City-Prozess: Tränen und Flüche vorm Landgericht

Von Am ersten Verhandlungstag nach dem Unfalltod des Hauptangeklagten Volker A. kam es im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd zu emotionalen Szenen: Erst verlas der sichtlich gerührte Investor Ardi Goldman eine Erklärung zum Tod des Ex-Fraport-Mitarbeiters. Dann wurde er vom Vorsitzenden Richter wegen einer bösen Kurznachricht an den Makler Uwe S. zurechtgewiesen.
Ardi Goldman (l.) betritt mit seinem Strafverteidiger Marcus Steffel den Gerichtssaal. Foto: Bernd Kammerer Ardi Goldman (l.) betritt mit seinem Strafverteidiger Marcus Steffel den Gerichtssaal.
Frankfurt. 

Knapp zwei Wochen nach dem Unfalltod des Hauptangeklagten Volker A. auf der A 7 bei Hannoversch Münden ist der Korruptionsprozess um die Cargo City Süd vor dem Frankfurter Landgericht gestern mit den vier verbliebenen Angeklagten fortgesetzt worden. Der Vorsitzende Richter Christopher Erhard sprach zu Beginn der Sitzung von einem „schrecklichen Verkehrsunfall“. Die Strafkammer habe die Nachricht von Volker A.’ s Tod „mit Erschrecken und Trauer“ zur Kenntnis genommen. „Unsere Anteilnahme gilt der Familie“, sagte der Richter. Dann bat er um Verständnis dafür, dass er die Verhandlung fortsetzen müsse und „gleich wieder zum Alltag des Prozessgeschehens“ komme.

Mit einer so raschen Überleitung zeigte sich der Angeklagte Ardi Goldman allerdings nicht einverstanden: Sichtlich bewegt verlas der Investor eine Erklärung, in der er seine „Erschütterung“ über den tödlichen Unfall Volker A.’ s zum Ausdruck brachte. Über Jahre habe er A. kennen und schätzen gelernt, sagte Goldman. Er lobte die Fachkompetenz des früheren Fraport-Mitarbeiters, dessen Verdienste um die Cargo City Süd, aber auch dessen lebenslustige Art. A. sei „ein guter Mensch“ gewesen, aber „auf Abwege geraten“. Das Schicksal, das ihn ereilte, habe er nicht verdient, sagte Goldman – und bekundete mit Tränen in den Augen, dass er auf „eine höhere Gerechtigkeit“ für den Verunglückten hoffe.

„Dass der Platz frei bleibt, ist für alle Beteiligten nicht ganz einfach“, zeigte sich Richter Erhard verständnisvoll. Er informierte darüber, dass der Beschluss zur Einstellung des Strafverfahrens gegen Volker A. „noch nicht gefasst“ sei. Unter anderem sei noch zu klären, wie hinsichtlich der arrestierten Gelder zu verfahren ist. Der Richter sagte, dass das Verfahren gegen A. vom laufenden Prozess abgetrennt werde – „so makaber das klingt“. Die Einstellung wird erst erfolgen, wenn ein Urteil gegen die übrigen Angeklagten ergangen ist.

Bitterböse SMS

Als die Sprache auf eine Kurznachricht Ardi Goldmans an den ebenfalls angeklagten Makler Uwe S. kam, wich die Trauerstimmung im Gerichtssaal schnell gespannter Aufmerksamkeit: Uwe Lenhart, der Strafverteidiger des Maklers, hatte die SMS an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und angegeben, dass sich sein Mandant bedroht fühle. Der Richter verlas den Inhalt der Nachricht wie folgt: „Du Schwein, du hast ein Menschenleben auf dem Gewissen. Deine Gier hat kein Ende gehabt. Deine Lügen werden dir nicht helfen. Gott wird dich bestrafen, und der Teufel auch. Fahr zur Hölle, du Denunziant.“

Goldman gab auf Nachfrage des Richters zu, die SMS „unmittelbar“ nach Erhalt der Nachricht von Volker A. s Tod geschrieben zu haben. Der Investor räumte ein, dass es „eine sehr emotionale Reaktion“ gewesen sei. „Ich bin ein emotionaler Mensch.“ Die Kurznachricht sei aber „auf keinen Fall als Bedrohung zu sehen – wer so etwas als Bedrohung versteht, muss sich selbst schuldig fühlen“. Richter Erhard wies Goldman zurecht: „Sie tun sich mit solchen Äußerungen keinen Gefallen“, betonte er im Hinblick auf die SMS. Und ergänzte streng: „Mir ist daran gelegen, dass es keine weiteren missverständlichen Äußerungen gibt.“

Zahlung an die Fraport

In der gestrigen Sitzung wurde ferner verkündet, dass sich die Gesellschaft der angeklagten Projektentwickler Jürgen Harder und Kai B., die Harder Lambda GmbH, mit dem Flughafenbetreiber Fraport auf eine Zahlung von 968 000 Euro geeinigt hat. Fraport verzichtet im Gegenzug auf weitere Forderungen gegen die Harder Lambda im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre. Die Harder Lambda soll sich wie Goldmans Gesellschaft Cargoport auf eine Schmiergeldabrede eingelassen haben, um an ein Grundstück auf dem Gelände der früheren US Air Base zu kommen. Dreh- und Angelpunkt bei Fraport soll der nun verunglückte Volker A. gewesen sein, der mit dem Makler Uwe S. zusammenarbeitete.

Nach einem kurzen Verhandlungstag am 6. Oktober sollen am 13. Oktober die Plädoyers beginnen. Das Urteil im Korruptionsprozess könnte, falls alles plangemäß läuft, am 11. November folgen.

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