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Mordfall Brübach: Tristans Vater starb als gebrochener Mann

Von Bernd Brübach, der Vater von Tristan, ist tot. Sein größter Wunsch hat sich nicht erfüllt: zu erfahren, wer vor 16 Jahren seinen Sohn getötet hat.
Bernd

Brübach ( Bilder > Bernd Brübach (
Frankfurt. 

Die unvorstellbar grausame Tat ist seit 16 Jahren ein Trauma der Menschen im Frankfurter Westen und darüber hinaus: der Mordfall Tristan Brübach. Jetzt wurde bekannt – auch Tristans Vater lebt nicht mehr. Bernd Brübach, der seinen Sohn Tristan nach dem Selbstmord der Mutter seit 1995 allein erzogen hatte und zum Zeitpunkt der Tat im Einzelhandel im Frankfurter Hauptbahnhof arbeitete, ist bereits im Dezember im Alter von 59 Jahren gestorben. Sein Leichnam wurde verbrannt, die Asche auf einem Urnenfeld auf dem Friedhof Westhausen bestattet. Bernd Brübachs Name steht auf einem Messingtäfelchen auf einer Stele; es ist der einzige Hinweis, dass hier ein Vater liegt, der nie erfahren hat, wer seinen Sohn so bestialisch umgebracht hat.

Tristan Brübach, zum Zeitpunkt seiner Ermordung am 26. März 1998 erst 13 Jahre alt, wäre in diesem Jahr am 3. Oktober 30 Jahre geworden. Nach wie vor haben Polizei und Staatsanwaltschaft die Suche nach dem Täter nicht aufgegeben, auch wenn nur noch ein Mann mit dem Fall betraut ist.

Im Zentrum der Ermittlungen steht nach wie vor der Mann mit Pferdeschwanz und Kappe, den eine 14-Jährige an jenem 26. März 1998 aus einem Gebüsch am Höchster Bahnhof herauskommen sah. In der Unterführung des Liederbachs unter den Gleisen des Höchster Bahnhofs wurde die Leiche des 13 Jahre alten Schülers gefunden. Der Täter hatte ihn erwürgt und ihm den Hals bis zum Rückgrat aufgeschnitten. Fleischteile und die Hoden waren aus der Leiche herausgetrennt und verschwunden. Die Ermittlungen gingen in viele Richtungen; ermittelt wurde gegen Metzger wie gegen Veteranen des jugoslawischen Bürgerkriegs. Ein neues Täterprofil war zuletzt 2013 von Polizei und Staatsanwaltschaft präsentiert worden: Die Tat habe weder, wie ganz zu Anfang vermutet, einen Drogenhintergrund, noch sei sie im Strichermilieu angesiedelt. Es sei vielmehr „ein Tötungsdelikt mit eindeutig sexueller Komponente“, dem eine „Störung der sexuellen Präferenz“ beim Täter zugrunde liege. Dafür sprächen die Schnitte an der Leiche und die Entnahme der Hoden, ein Vorgehen, für das es zuvor in ganz Deutschland keine vergleichbare Tat gegeben habe.

Tristan Brübachs Leben war nicht einfach, und auch nach seinem Tod wurde dem Jungen viel angedichtet. Tristan lebte bei seinem Vater, der Vollzeit arbeitete, und bei der Großmutter. Es war der letzte Schultag vor den Osterferien, Tristan Brübach hatte die Meisterschule in Sindlingen frühzeitig verlassen – angeblich wegen Rückenschmerzen. Gegen 14 Uhr wird der Junge mit dem blonden Pagenschnitt am Höchster Bahnhof das letzte Mal lebendig in der Peter-Bied-Anlage gesehen. Gut anderthalb Stunden später finden spielende Kinder den grausam zugerichteten Körper des Jungen im Liederbach-Tunnel. Der Mörder hat den Leichnam im Liederbach ausbluten lassen. Die Tat ist ein Werk von solcher Brutalität, dass selbst Experten davon sprechen, es gäbe weltweit keinen vergleichbaren Fall.

Der Frankfurter Polizei ist es in der größten Ermittlungsaktion ihrer Geschichte nicht gelungen, den Täter zu finden. Mehr als 21 000 Spuren wurden bearbeitet, 70 000 Fingerabdrücke von 7000 Personen genommen, von allen Männern in Höchst und Unterliederbach, die zur Tatzeit zwischen 15 und 45 Jahren alt waren. Es war die größte Aktion dieser Art in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte.

Der „Fall Tristan“ ist auch mit zwei ungewöhnlichen Vorfällen verbunden. Bereits kurz nach der Beerdigung hatte sich ein Mann telefonisch bei der Polizei gemeldet und behauptet, er habe Tristan umgebracht und stehe nun am Höchster Bahnhof; er wolle abgeholt werden. Als die Polizisten dort eintreffen, ist er verschwunden. Im Oktober 1999 schließlich schleicht sich ein Unbekannter nachts an das Grab des Jungen auf dem Höchster Friedhof, buddelt 1,20 Meter tief nach dem Sarg – dann verschwindet er. Die Polizei vermutet, dass er gestört wurde. Auf Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, sind nach wie vor 100 000 Euro ausgesetzt: Die ursprüngliche Summe in Höhe von 15 000 Euro wurde von einem Privatmann aufgestockt.

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