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170 000 Passagiere waren betroffen: Trotz Streik herrscht Ruhe

Von Der Warnstreik der Busfahrer ist kaum irgendwo so stark zu spüren wie in Frankfurt. Neun von zehn Bussen standen gestern im Depot, mehrere hundert Fahrer waren im Ausstand. Und heute wird es nicht besser. Der Streik ist nicht befristet.
Bei der ICB, dem größten privaten Busunternehmen der Stadt, begann gestern der unbefristete Warnstreik. Foto: WITTEK/EPA/REX/Shutterstock (Rex Features) Bei der ICB, dem größten privaten Busunternehmen der Stadt, begann gestern der unbefristete Warnstreik.
Frankfurt. 

Der Streik der Busfahrer geht auch heute weiter. Gestern standen rund 280 Busse, nur ein Dutzend ist gefahren. Laut Klaus Linek, Sprecher der Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, waren rund 170 000 Fahrgäste betroffen. Am schlimmsten traf es Nieder-Erlenbach.

Info: Was fährt denn eigentlich noch ?

Der Streik heute wird, wie die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq erwartet, ebenso starke Auswirkungen haben wie der Tag gestern. 56 der 63 Linien der Stadtbusse waren betroffen.

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„Wir haben unsere Kinder am Morgen mit dem Auto zur U-Bahn in Nieder-Eschbach gebracht“, sagte der Erlenbacher Dr. Matthias Mehl aus dem Ortsbeirat. Heiko Schwander, Vorsitzender des Karnevalvereins in Frankfurts nordöstlichstem Ort, beobachtete am frühen Nachmittag Kinder, die zu Fuß nach Nieder-Eschbach unterwegs waren. „Sie besuchen wohl die Anna-Schmidt-Schule und liefen zur Bahnstation“, vermutet er. In Nieder-Erlenbach gibt es weder Anschluss an die U- noch an die S- oder Straßenbahn.

Einen weiten Fußmarsch zur nächsten Bahnstation müssen auch viele Bewohner Nieder-Eschbachs, Seckbachs, Sossenheims und Bergens in Kauf nehmen. Diese Liste ist sicher nicht vollständig.

Normaler Schulstart

In den meisten Schulen lief der Unterricht nach den Ferien trotz des Streiks halbwegs normal an. „Wir hatten keinerlei Probleme“ – so die einhellige Rückmeldung aus dem Sekretariat der Otto-Hahn-Schule in Nieder-Eschbach. Auch die Klassenräume in der Ziehenschule waren am Montagmorgen besucht wie immer. „Für gewöhnlich nehme ich am Morgen den Bus“, erklärt Kiara (12). „Wegen des Streiks musste ich nun umplanen.“ Ihre Mutter habe fürs Taxi-Spielen keine Zeit gehabt, müsse daheim auf das kleine Geschwisterchen aufpassen. „Gut, dass meine Freundin mich mitgenommen hat“, so das junge Mädchen. „Sie wurde heute wegen der Busausfälle ausnahmsweise von ihren Eltern gefahren.“

Auch Schuldirektor Manfred Eichenauer startete nach den Ferien ganz gelassen in den Arbeitsalltag. „Die Ziehenschule liegt direkt an der U-Bahn-Station“, sagt er. „Von Busstreiks sind wir also nicht allzu sehr betroffen.“ Die Streiks seien ja angekündigt worden. Die städtischen Schulbusse fahren zudem unbeeinträchtigt von dem Streik.

Fahrgäste überrascht

Dennoch wurde am Morgen mancher Fahrgast von den Busausfällen überrascht. Erzieherin Seyde Shiraly etwa stand erstaunt an der Bushaltestelle. Von einer anderen Frau auf den Streik hingewiesen, erklärte sie: „Ohhh, und ich dachte, die Busse seien einfach mal wieder verspätet.“ Mit einer vorbildlichen Portion Gelassenheit startete sie in die Arbeitswoche: Irgendwie käme sie wohl auch auf andere Art zur Arbeit, sagte die junge Frau zuversichtlich. „Verspäten aber werde ich mich allemal.“

Die Gewerkschafter denken nicht ans Aufgeben. Die Busse bei der VGF-Tochter In-der-City-Bus (ICB) standen um neun Uhr alle auf dem Betriebsgelände am Rebstock. „124 Busse fahren nicht, wir streiken“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Süleyman Esen (45). Sein Kollege Erden Sari (32) lenkt seit 2008 Busse. „Wir arbeiten 174 Stunden im Monat, und ich habe netto in Steuerklasse drei 1750 bis 1800 Euro“, sagt er. Also etwa zehn Euro netto pro Stunde. „Es ist ein richtiger Beruf mit viel Verantwortung. Der muss auch richtig bezahlt sein.“

Bedri Shala ist einer der Streikleiter bei der ICB. „Wir hoffen auf eine Wiederholung des Streikerfolgs von 2013“, sagte er. Damals war der Stundenlohn von 11,04 auf 12 Euro erhöht worden. Die Forderung der Gewerkschafter in der aktuellen Tarifrunde: Um 12,5 Prozent soll ihr Stundenlohn von 12 auf 13,50 Euro steigen.

Jochen Koppel, Gewerkschaftssekretär bei Verdi Hessen, hatte schon vor dem gestrigen Streiktag angekündigt: „Es kann dauern. Wir werden eher mehr als weniger Unternehmen in den Streik einbeziehen.“ Derzeit richtet die Gewerkschaft den unbefristeten Warnstreik nur gegen 20 der 170 Unternehmen, die beim Landesverband der Omnibusbetreiber organisiert sind. Dieser Landesverband ist Tarifpartner der Gewerkschaft Verdi. Sämtliche Unternehmen, die in Frankfurt fahren, werden bestreikt.

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