E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 17°C

Station in Fechenheim: Trubel im Tierheim

Vor allem nach Weihnachten und auch in den Sommerferien landen viele Tiere im Heim. Doch so voll wie jetzt war das Fechenheimer Tierheim nach Weihnachten lange nicht mehr. Dabei erwarten die Mitarbeiter die große Abgabewelle erst nach dem Ende der Winterferien im Januar.
Alexandra Huse herzt das Frettchen Lotta – nach Weihnachten kam es ins Heim. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Alexandra Huse herzt das Frettchen Lotta – nach Weihnachten kam es ins Heim.
Fechenheim. 

Fast weich wie ein Fell fühlt sich die Haut der beiden kleinen, noch jungen Kornnattern an. Die Köpfe sind nicht größer als die Daumenspitze von Sabine Urbainsky. „Ein Pärchen hat die beiden Schlangen gebracht und gesagt, sie hätten sie an der Hanauer Landstraße gefunden.“ Wer immer sie ausgesetzt habe, hätte die Tiere dabei fast umgebracht, so die Leiterin des Fechenheimer Tierheims des Tierschutzvereins Frankfurt und Umgebung. „Sie sind hier nicht heimisch, finden nichts zu essen. Mal abgesehen davon, dass sie nicht gewohnt sind, zu jagen.“ Und erfrieren würden sie nachts auch, bei den frostigen Temperaturen zurzeit.

Tiere aller Arten

Die beiden kleinen, für Menschen völlig harmlosen Schlangen sind nicht die einzigen Tiere, die jetzt in der Weihnachtszeit im Tierheim landen. „Wir haben Frettchen bekommen, Kaninchen, Hunde und vor allem Katzen. So viele Tiere wie in diesem Jahr waren es schon lange nicht mehr“, sagt Urbainsky. Vor allem Katzen seien viele in den Edelstahl-Käfigen der kleinen Quarantänestation des Tierheims gelandet, „mehr noch als Hunde“. Oskar etwa, ein verschmuster, „Smoke“-farbener, also dunkelgrau-melierter Jungkater und der beige Kater „Mister Boombastic“ seien ausgerechnet an Heiligabend abgegeben beziehungsweise gefunden worden. „Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln“, sagt Katzenpflegerin Alex Huse und schmust mit der jungen Frettchendame Lotta, die es ebenfalls an Weihnachten ins Tierheim verschlagen hat.

Schon kurz vor den Feiertagen seien die ersten Tiere im Tierheim in der Ferdinand-Porsche-Straße 2-4 abgegeben worden, sagt Urbainsky und schüttelt den Kopf. „Wieso die Leute das ausgerechnet an Weihnachten machen, geht mir nicht in den Kopf.“ Bei einem Hund hätten die Halter eine Scheidung, fehlendes Geld und fehlende Zeit angegeben. Ein junger Labrador-Jack-Russell-Mischling landete am zweiten Weihnachtsfeiertag im Tierheim, weil er den Haltern zu unerzogen und wild gewesen sei. „Der sitzt jetzt ganz verängstigt hier in seinem Zwinger und schnappt um sich.“ Einen anderen Halter, der ebenfalls finanzielle Probleme angab, konnte Urbainsky überreden, seinen neun Jahre alten Hund wenigstens noch über Silvester daheim zu behalten. Damit er die Knallerei in seiner gewohnten Umgebung erlebt.“ Denn die meisten Hunde reagierten auf das Feuerwerk rund um sie herum nervös.

Bei Hunden herrsche nun Aufnahmestopp, denn das Tierheim sei voll, sagt Urbainsky. „Wir nehmen nur noch Notfälle an.“ Dabei seien noch mehr Katzen als Hunde neu hinzugekommen, „aber zum Glück konnten wir im Dezember viele Katzen vermitteln.“ Nun sei aber auch hier wieder alles voll.

Gleichwohl weiß Urbainsky aus Erfahrung, dass viele Tiere erst nach den Weihnachtsferien im Tierheim landen, der große Ansturm komme also noch. „Da landen Tiere unter dem Weihnachtsbaum. Und wenn nach den Ferien die Schule wieder beginnt, die Eltern wieder arbeiten müssen und der blöde Hund noch immer nicht stubenrein ist, landet er eben im Tierheim“, ärgert sich Urbainsky. Lieber sollten sich die Menschen vorher Gedanken darüber machen, ob sie ein Tier halten wollten.

Tiere sind keine Sachen

Stattdessen machten sie es sich viel zu einfach, für sie seien Tiere einfach nur „Sachen“, so Urbainsky: „Einmal stand ein Mann hier und sagte: Meine Tochter will keinen Hund mehr, also kommt er ins Heim.“ Ein anderer Mann fragte, ob er sich einen Hund für eine Woche leihen könne, als Weihnachtsgeschenk. „Ihm war klar, dass er den Hund nicht behalten würde. Was geht in so einem Menschen nur vor?“ Oder die mehr als zehn Anrufer kurz vor Weihnachten, die sich für den jungen Dackelmischling interessierten. „Als ich sagte, sie könnten sich ihn gerne anschauen, wir würden ihn aber erst nach Weihnachten abgeben, meldete sich keiner wieder.“ Urbainsky ist sicher: Die Anrufer suchten ein Tier für „unter den Weihnachtsbaum“.

Es gebe aber auch Positives, sagt Urbainski. Etwa die Spendenbereitschaft vieler Menschen. „Es gibt zwei Damen, die jedes Jahr für uns im Bekanntenkreis sammeln. Zwei Einkaufswagen voll mit den unterschiedlichsten Sachen haben sie uns vorbeigebracht. Wir waren gerührt.“ Und der Fressnapf-Markt in Bergen-Enkheim habe einen Baum mit Wunschkugeln zugunsten des Tierheims aufgestellt, „die Resonanz war toll“. Die Mitarbeiter konnten außerdem eine eigene Pinnwand mit Wünschen für bestimmte Tiere einrichten, die bei den Kunden großen Anklang fand, sagt Urbainsky. „Die Bilder der Tiere mit ihren Geschenken haben wir auf unsere Facebook-Seite gestellt, um zu zeigen, dass alles auch wirklich bei den Tieren ankommt, für die es gedacht ist.“ Spenden könne das Tierheim aber immer noch gebrauchen, vor allem alte Handtücher und Bademäntel und Katzen-Nassfutter. „Wer etwas abgeben möchte, kann das wochentags von 9 bis 18 Uhr.“ Wer ein Tier suche, finde die Vermittlungszeiten und die zu vermittelnden Tiere unter www.tsv-frankfurt.de im Internet.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen