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Ehrenbürgerwürde: Trude Simonsohn ist erste Ehrenbürgerin der Stadt

Von Die Auschwitz-Überlebende Trude Simonsohn ist eine kleine Person, aber eine große Persönlichkeit. Für ihre Verdienste als Zeitzeugin dankte die Stadt nun auf besondere Art und Weise.
Sie schlugen Trude Simonsohn als Ehrenbürgerin vor: Stiftungsgründerin Helga Dierichs (links) und Bürgermeisterin a.D. Jutta Ebeling. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Sie schlugen Trude Simonsohn als Ehrenbürgerin vor: Stiftungsgründerin Helga Dierichs (links) und Bürgermeisterin a.D. Jutta Ebeling.
Frankfurt. 

„Hört man mich denn auch?“ Als Trude Simonsohn, die erste Ehrenbürgerin Frankfurts, diese Frage in der Paulskirche stellt, bezieht sie sich allein auf die Technik. Aber sie passt gut, diese Frage, denn die dazugehörige Antwort ist es, die sie an diesen Ort geführt hat: Trude Simonsohn hört man, ihre leise Stimme, ihre Worte im leicht böhmischen Singsang lassen jeden aufmerken. Weil sie etwas zu erzählen hat, das man hören muss.

Sie berichtet von der glücklichen Kindheit im tschechischen Ölmütz, von deren jähem Ende nach der Annektion durch Nazi-Deutschland. Vom Traum, nach Palästina auszuwandern und von dem Horror, ins Gefängnis geworfen zu werden, Einzelhaft, Demütigungen und völlige Ungewissheit erdulden zu müssen. Sie erzählt von den Kindern, um die sich Simonsohn im Konzentrationslager Theresienstadt gekümmert hat, bis die Deutschen sie beinahe ausnahmslos umbrachten. Und von der Liebe zu ihrem Mann Berthold, den sie ausgerechnet an jenem Schreckensort fand. Von dem Moment, als sie ihre Mutter dort zurücklassen musste. Sie schildert das Wunder, Auschwitz überlebt zu haben, und den Neuanfang nach 1945, der sie zehn Jahre später nach Frankfurt führte.

Immer muss man auch lachen, wenn Trude Simonsohn erzählt, und ihre Sätze können herzerwärmend sein: „Heute kann ich sagen, dass ich vielleicht nicht in Deutschland, ganz sicher aber in Frankfurt zu Hause bin.“ Andere treffen bis ins Mark: „Bis heute habe ich das Gefühl, dass meine Mutter ihr Leben für mich gegeben hat.“ „Und zu allem spielte in Auschwitz die Musik.“

Dafür, dass Trude Simonsohn all das erzählt, dass sie als Zeitzeugin vor allem in Schulklassen auftritt, über die Verbrechen der Nazis und den Holocaust kein Schweigen zulässt, damit gegen Rechtsextremismus, Fremdenhass und Antisemitismus kämpft und für Humanität und Demokratie wirbt, dafür wurde der 95-Jährigen gestern die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Es ist die höchste Ehre, die Frankfurt zu vergeben hat. Man geht sparsam damit um: In 220 Jahren wurden nur 26 Männer, darunter der Nobelpreisträger Otto Hahn, der Arzt Albert Schweitzer sowie Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl damit ausgezeichnet. Zuletzt, im Jahr 2009, wurde der frühere Oberbürgermeister Walter Wallmann so geehrt. Trude Simonsohn ist in dieser Reihe die erste Frau.

Musikalische Wünsche

Auch das machte die gestrige Feier zu einer Besonderen. Der Plenarsaal der Paulskirche war voll besetzt. Ein Großteil des Stadtparlaments (aber niemand aus den Fraktionen von BFF und AfD), Landtagsabgeordnete, Dezernenten, Museumschefs, Vertreter der Religionen, von Gewerkschaften, Schriftsteller, Künstler und Professoren waren als Gratulanten gekommen. Einer tönte seinen Glückwunsch besonders laut: Emil Mangelsdorff rahmte den Festakt mit seinem Saxophon musikalisch ein. Ihn und die neue Ehrenbürgerin verbindet eine langjährige Freundschaft. Der Auftritt war sein Geschenk an sie. Freunde, das sagte Simonsohn in ihrer Dankesrede, habe sie in Frankfurt viele gefunden. Für sie sind Auszeichnungen nicht einfach hehre Worte: „Die Ehrenplakette der Stadt trage ich zu jedem feierlichen Anlass. Ich bin stolz darauf.“ Was nun die Ehrenbürgerwürde für sie bedeuten wird, das habe sie bislang nur mit dem Verstand, noch nicht mit dem Herzen begreifen können.

Verdienste der Frauen

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Simonsohn seit langem kennt und sie deshalb in seiner Laudatio duzte, äußerte dazu zwei Hoffnungen: Trude Simonsohn möge die Ehrenbürgerwürde als einen Mosaikstein des Glücks in ihrem Leben annehmen. Und für die Stadt solle eine Ära beginnen, „die den Verdiensten von Frauen endlich angemessen gerecht wird.“

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