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Tucholsky zum Mitnehmen

Die Werke von Kurt Tucholsky sind für Sylvia Gerlich-Raabe und Ursula Stampfli bis heute aktuell. Deswegen haben sie seine Gedichte, Liebesbriefe und Kritiken an der Gesellschaft auf besondere Art in ihr Stück „Tucholsky to go“ aufgenommen. Damit sollen besonders Jugendliche angesprochen werden.
Bilder > Foto: Leonhard Hamerski
Sachsenhausen. 

In dem Probenraum, den lediglich ein Tisch und einige Stühle ausfüllen, herrscht Stille. Diese wird allerdings just durch mächtigen Gesang von draußen unterbrochen. „Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht“, schallt es quer über die Flure des Gebäudes.

Viele Requisiten

Wenige Augenblicke später öffnet sich die Tür, und Schauspielerin Ursula Stampfli betritt den Raum. Auf dem Arm trägt sie jede Menge Requisiten wie etwa einen alten Zylinder oder vergilbte Tagebücher. Diese zu Anfang skurril wirkende Szene ist Teil des Theaterstücks „Tucholsky to go“. Diesen Titel haben die Initiatoren der Aufführung ganz bewusst gewählt. „Natürlich ist jeder herzlich zum Stück eingeladen, der sich für Tucholsky interessiert. Gleichzeitig hoffen wir mit diesem Titel auch junge Menschen für das Thema begeistern zu können“, erklärt Regisseurin Sylvia Gerlich-Raabe.

Um „Tucholsky to go“ auch tatsächlich jugendfreundlich zu gestalten hat sich Gerlich-Raabe einige Kniffe einfallen lassen – wie etwa bei der Werbung für das Stück. „Jeder kennt doch die Reklametafeln auf denen zum Beispiel „Coffee to go“ angepriesen wird. Solche Tafeln wollen wir ebenfalls aufstellen – mit dem Unterschied, dass es bei uns Tucholsky zum Mitnehmen gibt“, erzählt Gerlich-Raabe.

Tucholskys Leben

Neben dieser Besonderheit ist auch das Stück an sich abwechslungsreich gestaltet. Ursula Stampfli schlüpft im Verlauf der Handlung, die Tucholskys Leben sowie seine Werke beschreibt in verschiedene Rollen – je nachdem welcher Lebensabschnitt oder welches Werk gerade an der Reihe ist. Kurt Tucholsky kritisierte unter anderem in einem Essay aus dem Jahr 1914 die Aufführungspraxis von Operetten. Diese sah er einer zunehmenden Kommerzialisierung ausgesetzt. Um dieser Kritik Ausdruck verleihen zu können, beginnt Ursula Stampfli unter schmetterndem Gesang quer durch den Raum zu tanzen. Auch wenn die Szene gelingt, strapaziert sie gleichwohl die Stimmbänder, so dass die Probe für eine kurze Trinkpause unterbrochen werden muss.

Auch Auszüge von Tucholskys Gedichten und Liebesbriefen – die einzigen Werke in denen er sich namentlich im Text erwähnte – werden aufgegriffen. Dabei liest Stampfli den Text symbolisch aus den Büchern vor, die sie zu Beginn der Aufführung auf die Bühne gebracht hat. Zu diesen einfachen, jedoch authentischen Methoden hat Sylvia Gerlich-Raabe bewusst gegriffen. „Wenn ich ins Theater gehe und mir Klassiker etwa von Kleist ansehe, erkenne ich die Werke nicht wieder“, erklärt sie. „Wenn wir etwas über Tucholsky und seine Werke spielen, muss man Tucholsky auch im Stück erkennen.“

Mit den Proben ist die Regisseurin bislang zufrieden. „Ursula ist eine gute Textlernerin“, lobt Gerlich-Raabe. Seit etwa drei Jahren arbeitet sie mit Ursula Stampfli zusammen. Für beide stellen Tucholskys Werke etwas besonderes dar. „Die Texte sind noch heute aktuell. Tucholsky hat sehr sensibel auf sein Umfeld reagiert, und nicht geschwiegen, wenn es etwas zu kritisieren gab“, erklärt Stampfli. Somit erhoffen sich Stampfli und Gerlich-Raabe viele Besucher zu den Aufführungen locken zu können. „Im Jahr 2007 hatten wir eine Aufführung, die von über 100 Leuten besucht wurde“, erinnert sich Gerlich-Raabe. „Es wäre natürlich toll, wenn zu dieser genauso viele kämen.“

Die Premiere von „Tucholsky to go“ findet am Freitag, den 20. Nov., um 19 Uhr im Bibliothekszentrum Sachsenhausen, Hedderichstraße 32, statt. Am 30. November um 19 Uhr in der „Klosterpresse“, Paradiesgasse 10. Eintritt 12/8 Euro.

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