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Kunstprojekt: Türen zeichnen Lebensgeschichten nach

Von Mit der Tür als Symbol für das Leben haben sich 37 Kreative beschäftigt. „24 Türen“ heißt das Kunstprojekt, mit dem für das Thema „Seelische Gesundheit“ sensibilisiert werden soll. Die Ergebnisse werden derzeit in Frankfurt und Umgebung ausgestellt.
Katrin Paul hat die Tür aus dem Rahmen befreit. Foto: Leonhard Hamerski Katrin Paul hat die Tür aus dem Rahmen befreit.
Frankfurt. 

Ein zweiter Blick ist notwendig, um die optische Täuschung auf der Tür zu enttarnen. Andreas Blohm hat die Fläche genutzt und eine Art räumliche Illusion gestaltet. Mit den Augen geht der Betrachter einen Flur entlang, vorbei an fünf verschlossenen Türen. Auf jeder ist ein großes Fragezeichen abgebildet.

Das Werk ist eines von 37 Arbeiten, mit denen für das Thema „Seelische Gesundheit“ sensibilisiert werden soll. Jedes Jahr am 10. Oktober wird es mit dem „Tag der seelischen Gesundheit“ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getragen. Freischaffende Künstler, Betroffene und Mitglieder von Tagesgruppen für psychisch kranke Menschen, aber auch Stadtteilinitiativen sowie Projekte der Suchthilfe haben sich an dem Projekt „24 Türen“ beteiligt. Es wurde von der Frankfurter Werkgemeinschaft (FWG) und dem Bistum Limburg initiiert. Die FWG ist ein gemeinnütziger Verein, der Träger ambulanter, teilstationärer und stationärer Angebote der gemeindepsychiatrischen Arbeit ist. Er hilft Menschen in seelischer Not dabei, ihr Leben zu meistern.

Die Standortkarte zeigt, wo die Türen der Teilnehmer des Kunstprojekts in Frankfurt ausgestellt sind. Bild-Zoom
Die Standortkarte zeigt, wo die Türen der Teilnehmer des Kunstprojekts in Frankfurt ausgestellt sind.

Wie Adventskalender

Die Idee zu dem Kunstprojekt stammt von Klaus Joisten, der die Verbundleitung für Wohn- und Beratungsangebote bei der FWG hat, sowie Angela Ruhr. Sie ist Seelsorgerin für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen beim Bistum Limburg. Der Name entstand in Anlehnung an die 24 Türen eines klassischen Adventskalenders.

Das Projekt startete am 10. Juni mit der Schlüsselübergabe für die Türen an die Projektteilnehmer. „Die Resonanz auf die Projektidee war so groß, dass es jetzt 37 Türen statt wie ursprünglich angedacht 24 gibt“, schildert Claudia Fischer von der FWG. Die Ergebnisse sind an 37 verschiedenen Orten in Frankfurt und Umgebung zu sehen.

Chance geben

Die Tür von Andreas Blohm steht in der Zentralen Kinder- und Jugendbibliothek Bornheim in der Arnsburger Straße 24 (Nr. 1). Im Gespräch erzählt er, dass das Projekt für ihn sehr wichtig gewesen sei, weil es etwas anspreche, das sich auf seine eigene Situation beziehe. Als Betroffener blickt Blohm auf sein Leben, das er täglich meistert, aber auch auf die Wahrnehmung von außen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass es viele gebe, die sich ein negatives Bild von Menschen mit seelischer Erkrankung machten. „Damit geben sie mir keine Chance, zu zeigen, wer ich wirklich bin.“ Er sei dabei, sein Leben aufzubauen, und dies sei nicht immer einfach. „Man muss sich grundlegend ändern, macht täglich neue Erfahrungen, muss lernen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen“, beschreibt Blohm die Situation.

Er bereite sich aktuell im Berufsbildungsbereich der FWG darauf vor, und da fielen viele Entscheidungen an, die schwierig seien. Doch wenn man den eingeschlagenen Weg nicht weitergehe, verschlimmere es die Situation erst recht. Diese inneren Konflikte habe er auf der Tür darstellen wollen.

Die blaue menschliche Gestalt, die im Türrahmen steht, sei für die Kreativgruppe „Atelier 7“ des psychosozialen Zentrums aus Schlüchtern „so etwas wie ein Schutzengel“, erklären Katinka Reusswig und Charlotte Richard. „Es ist eine Figur, die stellvertretend für jeden stehen kann“, fügen die beiden hinzu. Die vom „Atelier 7“ gestaltete Tür ist in der Lobby des „mainhaus Stadthotels“ in der Lange Straße 26 (Nr. 4) aufgestellt. Themen wie Liebe, Gemeinschaft, Freiheit, Offenheit und Hoffnung seien in der Gestaltung der Tür mit aufgegriffen worden, ist von den beiden Teilnehmerinnen zu erfahren.

Als Künstlerin blickt Katrin Paul aus einer ganz anderen Perspektive auf das Thema. Sie hat ihre Tür aus dem Rahmen befreit und ihr so Raum verschafft, den sie mit gefundenen Objekten erweitert. Ihre Arbeit wird in der Frauenfriedenskirche in der Zeppelinallee 101 (Nr. 3) gezeigt. An einem ungewöhnlichen Ort steht die Tür von Annette Wagner-Netthorn, nämlich in der „Kirche im Grünen“ am Höchster Stadtpark (Nr. 2). Auf der Vorderseite ihrer Tür ist das Gemälde einer jungen Frau dargestellt, die neugierig, mit offenem Blick hinter einem blauen Vorhang hervorschaut. Ursula Doll arbeitet stattdessen mit einer Kombination aus bildlicher Darstellung und Worten. Menschliche Figuren, die in Zahnrädern laufen und sich dadurch gegenseitig in Bewegung setzen. Zu sehen ist diese Tür in der evangelischen Kreuzkirche in der Weinstraße 25 (Nr. 5).

Orte der Ausstellung

Die Türen sind noch bis zum 10. November ausgestellt. Weitere Informationen auf der Webseite unter www.24türen.de

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