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Riederwaldtunnel: Tunnelbau: Beim Erörterungstermin diskutieren Bürger mit Planern

Von Fünf Tage lang geht es im Saalbau Griesheim um Änderungen am Bauprojekt Riederwaldtunnel. Während es bei Infoveranstaltungen oft emotional wird und hoch her geht, wird beim nicht öffentlichen Planänderungsverfahren meist sachlich diskutiert.
Während der eigentliche Tunnelbau noch bevorsteht, wird an seiner Zufahrt, dem Dreieck Erlenbruch, bereits gebaut. Foto: Arne Dedert (dpa) Während der eigentliche Tunnelbau noch bevorsteht, wird an seiner Zufahrt, dem Dreieck Erlenbruch, bereits gebaut.

Nur selten muss Christine von Knebel in die Diskussion eingreifen und nachhaken. Es ist der dritte Tag der Erörterungen im Planänderungsverfahren zum Bau des Riederwaldtunnels, die die Dezernatsleiterin für Straßen- und Schienenverkehr des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt moderiert. Stephan Zilcher, SPD-Politiker aus Fechenheim, hat soeben kritisiert, die Landes-Straßenbaubehörde Hessen Mobil habe die Lärmgrenzwerte für die Siedlung Lauterbacher Straße künstlich hochgerechnet, von 50 auf 55 dB(A). Empörtes Kopfschütteln erntete er dafür von den Hessen-Mobil-Mitarbeitern, die auf dem Podium sitzen. Die Erhöhung sei gerechtfertig, erklärte Markus Schweiger vom Büro Obermeyer. Schließlich sei nebenan ein Gewerbegebiet, dadurch sei es sowie schon laut, der Tunnelbau nur eine von mehreren Lärmquellen.

Christine von Knebel hakt also nach. Das Gutachten gehe also davon aus, dass es in der Nachbarschaft schon laut sei. „Ist das denn so? Haben sie die tatsächlichen Verhältnisse untersucht?“ Nein, hätten sie nicht, sagt Schweiger. Die Ingenieure auf dem Podium stecken kurz die Köpfe zusammen und Daniel Hönig, Leiter des Dezernats Planungsrecht von Hessen Mobil, erklärt: „Wir werden das noch einmal berücksichtigen.“ Zilcher freut das, denn fünf Dezibel mehr können besseren Lärmschutz für die Anwohner bedeuten. Es geht ruhig zu an diesem Tag im Saal des Bürgerhauses Griesheim, an dem zahlreiche „Individual-Einwendungen“ gegen die Planung besprochen werden. Anders als bei vielen öffentlichen Veranstaltungen zum Tunnelbau, bei denen Hessen Mobil oft lautstarke Kritik einstecken muss. Rund eine Dutzend „Einwender“ kämpfen schon lange für besseren Schutz, vor allem vor dem Verkehrslärm. Karl-Heinz-Steiner etwa aus der Siedlung New Atterberry in Bornheim, Hinrich Rottmann, der als Ingenieur die Bürgerinitiative Riederwald (BIR) berät, der BIR-Sprecher Rainer Frey oder Inge Wendel, eine Autobahn-Ausbaugegnerin der ersten Stunde.

Laute Dehnungsfuge

Das ein oder andere verspricht Hessen Mobil noch einmal zu betrachten und gegebenenfalls nachzubessern. Stefan Helmich aus dem Riederwald etwa stört die nahe A 661. Das dumpfe „Dumm-dumm“ komme von Süden, wo die Autobahn über die Zufahrt zum Metro-Markt führt. Dort sei offenbar eine Dehnungsfuge, erklärt Inge Wendel, ein Spalt in der Fahrbahn, und Beton schlage auf Beton. „Wir werden uns das bei der nächsten turnusmäßigen Wartung anschauen, verspricht Hönig.

Trocken, aber spannend

Oft ist die Diskussion trocken, dann geht es um kleine Details. Wo welche Fledermäuse leben, welche Lärmgrenzwerte für Kitas gelten, ob die Wände der Baugrube in den Boden gepresst oder gerammt werden. Und doch hören alle gebannt zu, finden die Details „spannend“, so tief haben sich auch die an diesem Tag anwesenden Bürger in die Materie eingearbeitet. Nicht immer wird kritisiert, oft werden Fragen geklärt. So will der Leiter des Hufeland-Hauses in Seckbach, Markus Förner, wissen, ob für Bornheim geplanter Lärmschutz den Schall zurückwerfe auf sein Altenpflegeheim. Hönig bestätigt das. „Aber es gibt eine zusätzlich Wand in der Mitte der Autobahn, die Lärm von ihnen abhält.“ Inge Wendel will wissen, wie Hessen Mobil darauf komme, dass es trotz ansteigenden Verkehrs künftig weniger Schadstoffe gebe. Hönig und ein Kollege holen weit aus, erklären, dass die Grenzwerte immer niedriger, die Autos immer sauberer würden, dass in Frankfurt die Grenzwerte öfter eingehalten werden als noch vor zehn Jahren. Und wegen der Umweltzone seien immer mehr neuere, saubere Autos unterwegs.

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