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Fluglärmgegner demonstrieren: Turbinenlärm gegen Fraport

Von Dutzende Flughafengegner versammelten sich am Freitag zur Jahreshauptversammlung der Fraport vor der Jahrhunderthalle in Zeilsheim, um den Aktionären ihren Unmut über den Fluglärm kundzutun. Lautstarke Proteste in der Halle selbst blieben allerdings aus.
Fraport-Gegener vor der Aktionärsversammlung in der Jahrhunderthalle. Foto: Maik Reuß Fraport-Gegener vor der Aktionärsversammlung in der Jahrhunderthalle.
Frankfurt. 

Dröhnen von Flugzeugturbinen hallt über den Platz vor der Jahrhunderthalle. Ohrenbetäubend laut. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Doch blickt man zum Himmel auf der Suche nach dem Übeltäter, sieht man bis auf ein paar Wolken nichts. Denn der Lärm kommt aus einem Lautsprecher – abgespielt von einem Tonband der Flughafengegner. Rund 50 von ihnen hatten sich gestern in Zeilsheim versammelt, um den Aktionären, die auf dem Weg zur Fraport-Hauptversammlung (siehe auch Wirtschaft Seite 4) waren, den Lärm aufzuzeigen, der sie Tag für Tag quält.

 

Schlaflose Nächte

 

Die Demonstranten positionierten sich direkt an den Absperrgittern, die weiträumig um die Jahrhunderthalle herum gezogen wurden, hielten Plakate wie „Fluglärm macht krank“ oder „Jedes Wachstum hat Grenzen“ in die Luft und verteilten Flyer. Vier Polizisten überwachten die Szenerie.

„Die Jahreshauptversammlung von Fraport ist immer ein wichtiges Datum für uns Betroffene und die Bürgerinitiativen“, sagt Knut Dörfel (68), der am Mühlberg in Sachsenhausen wohnt. Er fordert ein Nachtflugverbot „ohne Wenn und Aber“ von 22 bis 6 Uhr sowie die Deckelung der Flugbewegungen. „Der Fluglärm ist auch im vierten Jahr nach Eröffnung der neuen Landebahn unerträglich. Wir werden morgens um fünf Uhr geweckt und können im Sommer die Fenster nicht öffnen.“

Auch Ursula Holler (67) kommt zu jeder Hauptversammlung des Flughafenbetreibers. „Ich kann die Entwicklung des Airports nicht billigen. Der Ausbau ist einfach vermessen“, ärgert sich die Sachsenhäuserin. „Der Lärm über unseren Köpfen macht aggressiv.“ Ihr Mann und sie hätten sogar in Erwägung gezogen, wegzuziehen. „Aber ich hänge an unserem Haus.“

Ein Wegzug würde für Ina Gratenau (47) ebenfalls nicht in Frage kommen. „Hier ist meine Heimat, hier leben meine Freunde“, sagt sie. Deshalb habe sie für viel Geld ihr Haus mit Schallschutzfenstern ausgestattet – auf eigene Kosten. „Dafür mussten wir einen Kredit aufnehmen und sind jetzt verschuldet“, sagt Gratenau, die seit Eröffnung der neuen Landebahn an Bluthochdruck leidet. Ihre siebenjährige Tochter könne abends wegen des Lärms nicht einschlafen und sei morgens um fünf Uhr wach. „Und der Hohn des Ganzen ist, dass es den prognostizierten Anstieg der Flugbewegungen gar nicht gegeben hat.“ Deshalb ist sie gegen den Bau des Terminals 3, mit dem Ende des Jahres begonnen werden soll. Als „Größenwahn“ bezeichnet sie das 2,5 Milliarden Euro teure Projekt und fordert den Rückbau der Nordwest-Bahn.

Doch die Mitglieder des Fraport-Aufsichtsrats sowie der Vorstand hörten die Forderungen der Demonstranten gar nicht. Sie nutzten einen Nebeneingang und konnten nur vom Auto aus einen Blick auf die Flughafengegner werfen.

 

Frieden im Saal

 

In der Jahrhunderthalle selbst war von den Protesten ebenfalls nicht viel zu spüren. Zwar saßen zahlreiche Fluglärmgegner im Saal – sie besitzen Aktien oder haben sich eine Aktionärsstimme übertragen lassen – und verfolgten die Rede von Fraport-Chef Stefan Schulte. Aber weder rollten sie Banner aus, noch warfen sie Flyer von der Empore in den Raum, noch quittierten sie Schultes Reden mit Buh-Rufen – so wie das auf den Hauptversammlungen vor Eröffnung der neuen Landebahn der Fall gewesen war.

Vorstandschef Stefan Schulte stellte den Aktionären für die kommenden Jahre »eine mindestens konstante Dividende« in Aussicht.
Frankfurter Flughafen Fraport-Chef verteidigt Terminal 3: Verkehrsprognosen ...

Die Zeiten, in denen die Ausbaugegner auf den Hauptversammlungen der Fraport AG Vorstand und Aufsichtsrat einheizten, sind längst vorbei. Und so hatte die Konzernführung leichtes Spiel.

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Sachlich und in ruhigem Ton konfrontieren sie mittlerweile lieber den Fraport-Vorstand mit ihrer Kritik während der Generaldebatte. Einer, der sich zu Wort meldete, war Wolfgang Heubner von der Bürgerinitiative Sachsenhausen, der der Fraport die hohe Fluktuation von Beschäftigten unter die Nase rieb und auf widersprüchliche Angaben in verschiedenen Gutachten zur künftigen Entwicklung der Passagierzahlen hinwies.

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