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Immer mehr Überlastungsanzeigen: Über die Schmerzgrenze: So überfordert ist das Personal am Höchster Klinikum

Von Zuletzt sind die Patientenzahlen am Höchster Klinikum stark gestiegen. Parallel ist die Zahl der Mitarbeiter gestiegen, die sich an den Betriebsrat gewandt haben, weil sie überlastet sind. Allein im letzten Quartal 2016 gingen 218 Überlastungsanzeigen ein. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2015.
Am Limit: Pflege ist ein Knochenjob. Seit Jahren wächst die Belastung für die Beschäftigten, nicht nur im Höchster Klinikum. Foto: Peter Steffen (dpa) Am Limit: Pflege ist ein Knochenjob. Seit Jahren wächst die Belastung für die Beschäftigten, nicht nur im Höchster Klinikum.
Frankfurt. 

Seit 32 Jahren engagiert sich Margarete Wiemer als Betriebsrätin am Höchster Klinikum, aber das hat sie noch nicht erlebt: Allein im letzten Quartal 2016 haben Mitarbeiter des Krankenhauses 218 Überlastungsanzeigen eingereicht. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2015 (208) und mehr als doppelt so viele wie 2014 (107). „Es gab immer mal Phasen, in denen mehr Anzeigen eingegangen sind, aber das hat nie solche Ausmaße angenommen“, berichtet Wiemer. Auch der Krankenstand sei 2016 „deutlich höher“ gewesen als noch im Vorjahr.

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Während früher fast ausschließlich Mitarbeiter aus der Pflege betroffen waren, kämen die Beschwerden diesmal aus dem ganzen Haus: „Ärzte, Therapeuten, Verwaltungsmitarbeiter, Pflegepersonal“, schildert Wiemer. Besonders hoch sei die Arbeitsbelastung auf den Intensivstationen und im OP.

Eine Überlastungsanzeige können Mitarbeiter stellen, wenn sie ihre Aufgaben nicht mehr ordnungsgemäß erfüllen können und dadurch ein Risiko für den Betrieb entstehen könnte. Wiemer nennt Beispiele: Eine Krankenschwester etwa, die Medikamente nur verspätet an die Patienten auf ihrer Station ausgeben kann oder eine Pflegekraft, die nicht mehr genug Zeit hat, die Vitalzeichen eines Patienten so oft zu überprüfen, wie sie es für nötig hält. Zeigen Beschäftigte derartige Risiken nicht an, kann das im Schadenfall für sie Konsequenzen haben. Andernfalls trägt die Geschäftsführung die Verantwortung.

Um welchen Preis?

Insgesamt betrug die Zahl der Überlastungsanzeigen im vergangenen Jahr 553. Auch in diesem Jahr hält der Trend an: Seit Jahresbeginn verzeichnete der Betriebsrat 165 Anzeigen. Zwar ist die Zahl dieser Überlastungsanzeigen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, seit Sommer vergangenen Jahres aber beobachtet Wiemer einen sprunghaften Anstieg – also just seit dem Zeitpunkt, als die Patientenzahlen aufgrund organisatorischer Veränderungen in die Höhe geschnellt sind: Wie berichtet behandelte das Klinikum 2016 nach einem durchwachsenen Jahresbeginn im zweiten Halbjahr deutlich mehr Patienten, insgesamt 6 Prozent mehr als im Vorjahr. „Um welchen Preis?“, fragt Wiemer.

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Dass Geschäftsführerin Dr. Dorothea Dreizehnter unter anderem die Patientenaufnahme und die Entlassung „ökonomischer“ organisiert habe, stört die Betriebsrätin gar nicht. „Es gab wirklich Organisationsdefizite im Haus. Das ist verbessert worden“, erklärt sie. Aber: Um die gestiegene Patientenzahl bewältigen zu können, müsse „ausreichend Personal vorhanden sein“. Tatsächlich sei nach wie vor geplant, 110 Stellen abzubauen, so wie es der Vertrag mit den Main-Taunus-Kliniken vorsieht, kritisiert sie.

„Außergewöhnlich“

Von einer „absolut außergewöhnlichen Situation“ im letzten Quartal 2016 spricht Geschäftsführerin Dreizehnter. Einerseits habe die Klinik ihr „bestes Quartal überhaupt“ erlebt, andererseits „hatten wir reihenweise Ausfälle beim Personal“. Immer neue Mitarbeiter seien wegen Grippewelle und Norovirus ausgefallen, zudem habe man einige Stellen in der Pflege nicht besetzen können. „Darauf mussten wir reagieren“, verweist Dreizehnter darauf, dass man vorübergehend Stationen geschlossen habe, um das verbliebene Personal bündeln zu können. „Das war für uns alle eine Riesenherausforderung und lässt einen natürlich nicht kalt“, betont Dreizehnter. Dennoch sei sie zuversichtlich, dass sich die Situation bald entspannen werde. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die offenen Stellen in der Pflege zu besetzen.“

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