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Nachfahrin des berühmten Stifters: Ulrike Senckenberg hält Kontakt nach Frankfurt

Von Es gibt heute noch 17 Senckenbergs, die den Namen des berühmten Stifters aus dem 18. Jahrhundert tragen. Direkte Nachfahren gibt es aber nicht – wovon die Nachwelt noch heute profitieren sollte.
Ulrike Senckenberg steht neben der Büste von Johann Christian Senckenberg im gleichnamigen Museum. Im Ruhestand will die 63-Jährige noch mehr über die Geschichte ihrer Familie herausfinden. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Ulrike Senckenberg steht neben der Büste von Johann Christian Senckenberg im gleichnamigen Museum. Im Ruhestand will die 63-Jährige noch mehr über die Geschichte ihrer Familie herausfinden.
Frankfurt. 

Beim Arzt gerieten ihre Beschwerden immer in den Hintergrund, wenn Ulrike Senckenberg ihren Namen zu Protokoll gab. „Senckenberg? Wie der Senckenberg aus Frankfurt?“ Ganz genau. Es liegen etliche Verwandtschaftsgrade dazwischen, aber die 63-Jährige ist eine Nachfahrin des berühmten Stadtarztes, der von 1707 bis 1772 in Frankfurt lebte und auf dessen Stiftung das Bürgerhospital, Teile der Goethe-Universität und der Universitätsbücherei zurückgehen. Lebendig erhält seinen Namen heutzutage aber vor allem die „Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“, die vor genau 200 Jahren, also nach dem Tod des Namensgebers, gegründet worden ist. Dorthin hält Ulrike Senckenberg auch im Namen ihrer Familie regelmäßig Kontakt.

„Es gibt aktuell noch 15 männliche und zwei weibliche Namensträger“, erzählt die Münchnerin, die auf der Staatsdomäne Rheinfelderhof in Groß-Gerau aufgewachsen ist. „Dort in der Gegend lebt ein Teil der Familie, der andere in Bayern. Viele Senckenbergs sind Landwirte“, erzählt Ulrike Senckenberg. Leibliche Nachfahren sind sie alle nicht. Denn der Tod aller seiner Kinder war die große Tragik in Senckenbergs Lebens, die letztlich in große Wohltätigkeit mündete. Drei Mal hatte der Stadtarzt geheiratet, alle drei Ehefrauen sowie seine beiden Kinder starben lange vor der Zeit. Diese Schicksalsschläge benannte Senckenberg später als Beweggrund, sein zum großen Teil von den Ehefrauen ererbtes Vermögen „zur Hebung des Frankfurter Gesundheitswesens“ zu stiften.

Aus Oberschlesien

Ulrike Senckenbergs Familienzweig geht von einem Onkel des Frankfurter Arztes aus. Der erste bekannte Vorfahr der Familie ist Johannes Senckenberg (1609–1647), der während des Dreißigjährigen Krieges seine Heimat in Oberschlesien verlassen musste und sich in Friedberg eine neue Existenz als Apotheker aufbaute. Er heiratete in Friedberg die Tochter des Stadtpfarrers, Anna Catharina Henrici, und bekam mit ihr zehn Kinder. Sein Sohn Johann Hartmann (1655–1730) begründete den Frankfurter Zweig der Familie, wie später sein Sohn Johann Christian war auch er als Stadtarzt in der Reichsstadt tätig.

Sein erfolgreichster Sohn war übrigens nicht der spätere Stifter, sondern dessen älterer Bruder Heinrich Christian von Senckenberg (1704–1768). Er machte eine beeindruckende Karriere als Jurist, war erst in Göttingen, dann in Gießen als Professor tätig und sammelte jede Menge Titel und Ämter: Er war Hessen-Darmstädtischer Regierungsrat, Geheimer Justizrat sowie Gesandter beim Oberrheinischen Kreis für den Fürsten Nassau-Oranien. 1745, der renommierte Staatswissenschaftler lebte inzwischen wieder in seiner Geburtsstadt, ernannte ihn Kaiser Franz I. gar zum Reichshofrat. Heinrich Christian von Senckenberg war der erste und auch einzige Frankfurter, dem dieses hohe Amt jemals verliehen wurde.

Während dieser Teil der Senckenbergschen Familie also Einfluss auf das Regierungsgeschehen in Frankfurt und darüber hinaus nahm, erbte Johann Heinrich (1647–1707) die väterliche Apotheke in Friedberg und gründete den Familienzweig, zu dem auch Ulrike Senckenberg und ihre Eltern gehören. In gewisser Weise ist sie in die Fußstapfen ihrer Vorfahren getreten, die Mutter von vier mittlerweile erwachsenen Kindern ist Physiotherapeutin. Die Gesundheit anderer ist also auch ihr Streben.

Ring mit Familiensiegel

„Wir wussten natürlich immer, dass wir einen berühmten Namen tragen, aber so richtig bewusst wurde mir das zur Konfirmation, als ich einen Ring mit dem Familiensiegel überreicht bekam“, erzählt Ulrike Senckenberg. Sie selbst könne sich nicht mehr erinnern, wann sie zum ersten Mal im berühmten Museum war, gehört hat sie davon in jedem Falle früh. „Meine Eltern fuhren ab und an nach Frankfurt zu Veranstaltungen der Senckenberg-Gesellschaft“, erinnert sie sich.

Heute ist Ulrike Senckenberg selbst bei festlichen Anlässen dabei. „Ich finde es großartig, was sie leisten, und bemerkenswert, welche internationale Bedeutung die Forschung hat.“ Für Ulrike Senckenberg beginnt gerade der Vorruhestand, Zeit, die sie auch nutzen will, um auf den Spuren des berühmten Vorfahren zu wandeln. Johann Christian Senckenberg ist in der Hasengasse aufgewachsen, das von ihm errichtete Hospital und alle seine übrigen Stiftungen lagen rund um die heutige Stiftstraße. „Diese Orte werde ich mir jetzt noch mal in Ruhe anschauen.“ Innerhalb der Familie, die sich bis heute regelmäßig trifft, sind die Erinnerungen an die großen Frankfurter Bürger im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen. Nur das Familienwappen und einige Aussteuerstücke haben die Zeiten überdauert.

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