Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Berger Markt: Um als Betrieb zu überleben, vermarkten viele heimische Landwirte ihre Produkte selbst

Von Bei der "Tierschau" am letzten Tag des Berger Marktes präsentieren sich Frankfurts Landwirte mit ihren Tieren. Und sie zeigen, wie flexibel sie sein müssen, um als kleine Betriebe gegen die Großen der Branche bestehen zu können.
Aug’ in Aug’ mit dem großen Simmerthaler Bullen auf der anderen Seite des Zauns zeigt Lily Mebs (2) keinerlei Angst beim Besuch der Berger Tierschau. Foto: Leonhard Hamerski Aug’ in Aug’ mit dem großen Simmerthaler Bullen auf der anderen Seite des Zauns zeigt Lily Mebs (2) keinerlei Angst beim Besuch der Berger Tierschau.
Bergen-Enkheim. 

Wuchtig wirkt der Kopf des Bullen neben dem kleinen Kind, das auf der anderen Seite des schweren Eisenzauns kniet. Viele Kinder bestaunen an diesem Tag die großen Simmenthaler Rinder, eine besonders robuste Hausrinderrasse aus dem Berner Oberland in der Schweiz, die der Nieder-Erlenbacher Landwirt mitgebracht hat: Für die Bergen-Enkheimer Grundschulen und Kindertagesstätten gehört ein Ausflug zur Berger Tierschau fest ins Programm.

Seit rund 14 Jahren züchten Mario Walther (44) und seine Familie, die den Erlenhof in Nieder-Erlenbach bewirtschaftet, wieder Rinder. Was anfangs als zweites Standbein des auf Feldfrüchte wie Salat, Getreide oder Kartoffeln spezialisierten Hofes gedacht war, ist inzwischen die Haupteinkunftsquelle. „Die große Supermarktkette, die unsere gesamten Erträge aufkaufte, kündigte die Verträge.“ Also baute die Familie einen neuen, großen Stall und setzt seitdem auf die Viehzucht.

„Wir züchten die Simmenthaler selbst. Zurzeit haben wir 75 Rinder“, sagt Walther. Hinzu kommen 40 Schweine. Das Fleisch vermarktet die Familie ausschließlich über den eigenen Hofladen. „Rumpsteaks gibt es auf Bestellung. Gängige Produkte haben wir ständig vorrätig.“ Selbst Rinderhoden habe er schon verkauft. „Ein Amerikaner wollte sie auf den Grill legen.“ Zwar baue der Betrieb weiterhin Kartoffeln, Getreide, Mais und Zuckerrüben an – aber vor allem als Viehfutter oder für den Hofladen.

Alles selbst vermarkten

„Heute kann man eigentlich nur noch überleben, wenn man seine Produkte selbst vermarktet“, sagt Alfred Quirin, Metzger und Schweinezüchter aus Harheim. Das Fleisch seiner Tiere vermarktet er selbst, ist an vier Tagen der Woche auf Märkten unterwegs, unter anderem auf den Märkten in der Schillerstraße und an der Konstablerwache.

Mit den großen Betrieben etwa in Norddeutschland könnten die Frankfurter Landwirte ohne Selbstvermarktung gar nicht mithalten, sagt Quirin. „Da stehen bis zu 500 Tiere in einem Stall.“ Er und viele Kollegen setzten der Massenware Qualität entgegen. „Bei mir weiß jeder genau, wo das Fleisch herkommt.“ So kaufe er auch sein Rindfleisch stets beim selben Züchter.

„Als Landwirt muss man sich heute etwas einfallen lassen“, sagt auch Andreas Kaiser (53), Metzger aus Kalbach. Er und sein Bruder züchten Galloway-Rinder, deren Fleisch sie im eigenen Geschäft anbieten. Vor anderthalb Jahren stellte Kaiser am Riedberg den ersten Automaten für Grillwürstchen und andere Produkte auf, um seine Kundschaft auch sonntags erreichen zu können. Wegen des Erfolgs installierte er in Kalbach vor einigen Monaten einen zweiten Automaten.

Neues Zuhause für Tiere

Vor allem zeigen die Landwirte aber ihre Tiere beim Berger Markt: Mit zwei Ziegen ist erstmals auch Isabell Müller-Germann (34) aus Sindlingen, also vom anderen Ende der Mainmetropole angereist. Ihre Tiere werden nicht geschlachtet, im Gegenteil: „Die Sindlinger Glückswiese“ ist ein Gnadenhof, auf dem Kühe, Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde ein neues Zuhause finden.

„Wir geben aber auch Reitunterricht. Und wir beteiligen uns beim ,Bauernhof als Klassenzimmer’ “, sagt Müller-Germann. Regelmäßig kommen Schulklassen auf die Glückswiese, um etwas über Tiere und Bauernhöfe zu erfahren. „Bei uns können Kinder ganz unbefangen den Umgang mit Tieren lernen.“ Schon für Zweijährige bietet sie an, dass die Kinder lernen, was ein Tier für sein Wohl braucht, etwa es zu striegeln und zu füttern, und es vorsichtig spazieren zu führen.

Einst war der Dienstag beim Berger Markt der wichtigste Tag des Festes. Die Tiere der Landwirte aus der Umgebung wurden prämiert und gehandelt. Weil aber immer weniger Teilnehmer kamen, stellten die Veranstalter das Konzept 2011 um. Seitdem organisiert die Wirtschaftsförderung die „Berger Tierschau“, zusammen mit Frankfurter Landwirten.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse