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"Großer Hürdenlauf": Umland macht Front gegen neues Frankfurter Stadtviertel

Frankfurt platzt aus allen Nähten. Jetzt soll im Norden auf beiden Seiten der Autobahn 5 ein neues Stadtviertel für bis zu 30 000 Menschen entstehen. Das Umland fürchtet eine neue "Trabantenstadt" - und will sie verhindern.
Auf beiden Seiten der A5 soll ein neues Stadtviertel für bis zu 30 000 Menschen entstehen. Das Umland fürchtet eine neue "Trabantenstadt" - und will sie verhindern. Foto: Arne Dedert (dpa) Auf beiden Seiten der A5 soll ein neues Stadtviertel für bis zu 30 000 Menschen entstehen. Das Umland fürchtet eine neue "Trabantenstadt" - und will sie verhindern.
Frankfurt. 

Derzeit gibt es dort nur Wiesen und Ackerland - und mittendrin eine der meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands. Doch wenn es nach dem Willen der Stadt Frankfurt geht, sollen in einem Jahrzehnt im Nordwesten der Stadt auf beiden Seiten der A5 bis zu 12 000 Wohnungen für rund 30 000 Menschen entstehen.

Das Großprojekt zum Bau eines neuen Stadtteils auf einer Gesamtwohnfläche von rund 200 Hektar hat die im Rathaus Römer regierende schwarz-rot-grüne Koalition im Juni aus dem Hut gezaubert. Frankfurt will damit seiner akuten Wohnungsnot begegnen.

Die jungen Landwirte schauen bange in die Zukunft.
Stadt. Land. Schluss. Wie der neue Stadtteil die letzten Frankfurter Bauern ...

Es wird eng in Frankfurt. Ein neuer Stadtteil zwischen Niederursel und Praunheim soll der Wohnungsnot Abhilfe schaffen. Dort befinden sich aktuell die letzten Äcker und Weiden Frankfurts. Ursprünglich hatte die Stadt Frankfurt das Land übernommen, damit doch nicht gebaut wird. Jetzt bleibt ihr kaum etwas anderes übrig.

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Die Boomtown, die in den vergangenen Jahren jedes Jahr um 15 000 Zugezogene auf nunmehr rund 730 000 angewachsen ist, platzt derzeit aus allen Nähten. Über mögliche Neubauquartiere hat sich SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann jahrelang mit der CDU gestritten. Da jedoch seit Mai 2016 beide Parteien zusammen regieren, ist der Druck zur Kooperation enorm gewachsen.

Während sich Frankfurt also beim neuen Stadtteil plötzlich einig zeigt, wächst der Widerstand der Umlandgemeinden. Denn das neue Viertel würde ziemlich nahe an die Gemarkungen der Taunusstädte Oberursel und Steinbach reichen. Dessen Bürgermeister Stefan Naas mobilisiert schon seit Wochen gegen das Projekt, weil seine 10 000-Einwohner-Gemeinde nicht zum «Hinterhof einer Trabantenstadt» werden soll.

Der FDP-Politiker sieht gleich mehrere Geburtsfehler im Projekt des Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef (SPD): Zu hohe Gebäude-Verdichtung und mit 40 Prozent ein zu hoher Anteil an Sozialwohnungen. Naas erinnert das an die Geschichte der problembeladenen Frankfurter Nordweststadt - eine Retortengründung der späten 1960er Jahre. «Wir wollen nicht nochmals die alten Fehler machen», sagt Naas - auch mit Blick auf seine eigene Stadt. In der «Perle im Vordertaunus» (Naas) sind in den 1970er Jahren ebenfalls viele Sozialwohnungen abseits in Hochhäusern entstanden.

Bilderstrecke Neuer Frankfurter Stadtteil: Landwirte bangen um ihre Felder
Noch bestellen die Bauern Wolfgang Wenzel (von links), Richard Bickert, Florian Bickert und Nikolas Sulzbach die Felder am nördlichen Rand Frankfurts.Die beiden Altbauern sorgen sich um die Zukunft ihrer Nachfolger.Jungbauer Florian Bickert (von Links) mit Hofhund Ronja und Vater Richard Bickert.

Die Frankfurter Stadtoberen haben sich aber vorgenommen, statt einer «Schlafstadt» einen lebendigen Stadtteil zu schaffen. Weiterer Vorteil: Der Stadt gehört bereits die Hälfte des neuen Baulands. «Fakt ist, dass wir auf unserem Stadtgebiet bauen wollen», sagt der Sprecher des Planungsdezernats, Kolja Müller, an die Adresse der Kritiker aus dem Umland.

Diese könnten auch vom Ausbau der Infrastruktur profitieren, etwa den Straßen. Doch das ist zugleich die Achillesferse des Projekts: Das Viertel wird künftig durch eine Autobahn geteilt, die sogar auf acht Spuren ausgebaut werden soll. Auch beim Klimaschutz gibt es Vorbehalte, da das Viertel jenseits der A5 bei Steinbach in einer Schneise entstehen soll, die Frankfurt in den immer heißer werdenden Sommertagen mit kühler Luft aus dem Taunus versorgt. «Eine Bebauung geht dort absolut nicht», sagte der Kasseler Klimatologe Prof. Lutz Katzschner der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Er hat für Frankfurt den Klimaplan-Atlas erstellt.

Dennoch will Frankfurt jetzt Dampf machen. Nach den Sommerferien sollen die ersten vorbereitenden Untersuchungen für das Projekt beginnen, kündigt das Planungsdezernat an. Gefordert ist vor allem jetzt der Regionalverband FrankfurtRhein-Main, der 2011 erstmals für die gesamte Region einen Flächennutzungsplan aufgestellt hat. Darin sind 2300 Hektar Bauland für die Region ausgewiesen, von denen bisher nur elf Prozent bebaut wurden. Der neue Frankfurter Stadtteil ist im Plan noch als Grünland definiert.

Jetzt muss der Verband, in dem 75 Kommunen mit 2,3 Millionen Einwohnern aus der gesamten Region kooperieren, die neuen Frankfurter Wünsche berücksichtigen. Vermutlich wird dafür der alte Plan überarbeitet. Das wird noch ein «großer Hürdenlauf», wie der Erste Beigeordnete des Regionalverbands FrankfurtRheinMain, Thomas Horn (CDU), prophezeit. Einen Durchlauf für Frankfurt will Steinbachs Bürgermeister Naas auf alle Fälle verhindern, wie er betont. Auch Horn glaubt, dass das Großprojekt letztlich nur «konsensual» mit Steinbach und Oberursel realisiert werden kann.

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