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Treffen am Niederräder Mainufer: Umweltfreundliche Frankfurter Vereine: Bohnen, Toiletten ohne Wasser und mehr

Von Initiativen mit guten Ideen für eine umweltfreundlichere Zukunft präsentierten sich gestern am Niederräder Mainufer – zum nunmehr dritten Wandeltag. MIt dabei: Ideen für Toiletten ohne Wasser, politische Aktivisten und Kartoffeln.
Einmal in der Woche wird die frische Ernte nach Frankfurt geliefert – wo Bärbel Pretorius, Bernhard Kempkes und andere Mitglieder der „Solidarischen Landwirtschaft“ sie aus den Depots abholen. Pretorius und Kempkes warben für die frischen Produkte beim Frankfurter Wandeltag. Bilder > Foto: Holger Menzel Einmal in der Woche wird die frische Ernte nach Frankfurt geliefert – wo Bärbel Pretorius, Bernhard Kempkes und andere Mitglieder der „Solidarischen Landwirtschaft“ sie aus den Depots abholen. Pretorius und Kempkes warben für die frischen Produkte beim Frankfurter Wandeltag.
Niederrad. 

Ein bisschen wie in der Zeitmaschine, wie vor 35 Jahren bei den frühen Grünen, konnten sich Besucher gestern beim dritten Wandeltag fühlen. Weltverbesserer und Idealisten, Leute mit guten Ideen trafen sich am Mainufer vor dem Blauen Haus und stellten ihre Initiativen vor. Die Wohngenossenschaft Triftstraße, der Tauschring Bockenheim, verschiedene Reparaturwerkstätten, die Kochinitiative Klimagourmet, Tongärtner, dazu politische Aktivisten von Attac und den Initiativen „Bedingungsloses Grundeinkommen“ und „Transition Town“ (neben dem Blauen Haus Veranstalter des Wandeltags) kamen zusammen. Sogar eine Schule präsentierte sich, erstmals: Die Freie Schule Frankfurt.

Matthias Emde von „Transition Town“ erläutert: „Beim ersten Wandeltag hatten wir vier Initiativen, beim zweiten 15 und jetzt 20. Wir mussten es begrenzen, sonst hätte es unseren Rahmen gesprengt.“ Die Zahl der Besucher schätzt Emde auf 600 bis 800.

Rund um die Nahrung

Anbauen, zubereiten, entsorgen: Der Dreiklang der menschlichen Ernährung findet sich an drei Ständen des Wandeltags wieder. Bernhard Kempkes aus dem Nordend, Strohhut auf dem Kopf, ein paar Bohnen in der Hand, erklärt „Solawi“. Darunter versteht sich solidarische Landwirtschaft. Der Optiker Kempkes und seine Familie haben einen von 45 Anteilscheinen. Aus Egelsbach kommen vom ökologischen Birkenhof jede Woche frisch geerntete Lebensmittel. „Sie werden in zwei Depots abgelegt“, sagt Kempkes, Garagen in Eschersheim und im Gutleutviertel. Die Adressen sind nur Mitgliedern bekannt. „Wir Mitglieder können an vier Tagen zum Depot gehen und unseren Wochenbedarf abholen. Der Vorteil: Wir sind nicht auf Öffnungszeiten angewiesen, sondern jeder hat einen Schlüssel.“ Der Vorteil für den Ökolandwirt aus: Er hat einen Vertrag mit Solawi, erhält für jeden Anteil 65 Euro pro Monat, hat also einen Teil seiner Ernte ganz sicher schon verkauft. Die Mitglieder des Vereins erhalten Obst und Gemüse erntefrisch aus der Region, darauf können sie sich verlassen.

Der nächste Schritt ist die Zubereitung der Nahrung. Wenn die Sonne scheint, kocht der Rentner Ulrich Zimmermann aus Oberrad seine Speisen im Garten eines Bekannten. „Seit 24 Jahren nutze ich Solaröfen“, sagt der Rentner. An seinem Stand hat er drei der genialen Geräte aufgebaut: Ein Solarherd aus Aluminium, ein sehr viel günstigerer aus aluminiumbeschichteter Pappe und drittens ein Ofen mit Glasdeckel, großem Reflektor und Silberpappe, die das Licht ins Innere reflektiert. Gerade regnet es wieder, die Sonne ist schon geraume Zeit verschwunden, Plastikfolien schützen Zimmermanns Öfen vor dem Regen. Doch die Topfdeckel sind noch heiß, und im Ofen kochen Kartoffeln ohne Wasser gar. Die Zubereitung einer Mahlzeit braucht bei Zimmermann mindestens zwei Stunden, denn es dauert, bis so ein Solarherd auf Temperatur ist. Dann allerdings geht es ebenso schnell wie zu Hause. „130 Grad sind im Ofen machbar.“ Bei Regen und im Winter nutzt der Rentner die bewährte Herdplatte.

Pipi zu Kompost

Energie sparen und nutzen, was die Natur bietet, das tun auch Besucher, die eine der beiden Holztoiletten am Rand des Geländes am Niederräder Ufer benutzen. Womit wir beim Entsorgen wären. Elisabeth Felt vertreibt die Toiletten unter dem Markennamen „Nowato“, was „No Water Toilet“ bedeutet. Sie kommen ganz ohne Spülung aus. Fäkalien und Papier werden mit Sägespänen bedeckt, die den Geruch dämmen. Nach 200 Nutzungen ist der Vorratsbehälter voll, der Inhalt kann kompostiert werden und gibt Dünger. Nowato vertreibt die Toiletten und vermietet sie – das grüne Dixihäuschen, sozusagen.

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