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"Parking Day": Umweltschützer fordern: Parkplätze in Grünflächen umwandeln

Ein Bündnis aus Umweltschutzvereinen und Verkehrsclubs ruft in der Frankfurter Innenstadt den „Parking Day“ aus. Es fordert mit mehreren Aktionen die Stadt dazu auf, Parkflächen zum Allgemeinwohl und zum Schutz des Klimas umzuwidmen.
Karl-Heinz Peil vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigt mit einem Holzgestell, wie viel Platz ein durchschnittlich großes Auto beansprucht. Karl-Heinz Peil vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigt mit einem Holzgestell, wie viel Platz ein durchschnittlich großes Auto beansprucht.
Innenstadt. 

Manchmal entsteht der Eindruck, dass Menschen sich eher eine Ein-Kind-Politik vorschreiben lassen würden, als auf ihr Auto zu verzichten. Das finden auch Matthias Biemann, Stefan Schenkel und Ingrun Führlich, die ihr Lager in der Töngesgasse aufgeschlagen haben und dafür am Samstag einen der raren Parkplätze in der Frankfurter Innenstadt besetzt halten.

Die drei Mitarbeiter vom Verkehrsclub Deutschland mussten dafür einiges mit dem Straßenverkehrsamt abklären, um die Fläche nutzen zu dürfen. „Wir alle bezahlen mit Steuern für den Bau, Entwässerung und Reinigung. Aber genutzt werden darf die Fläche sonst nur von Autos und wird der Öffentlichkeit vorenthalten“, kritisiert Biemann.

Daher möchten er und seine Mitstreiter am sogenannten „Parking Day“ zeigen, was sich mit den Flächen anstellen lässt, wenn keine Autos darauf parken. Neben dem ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) haben der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), der Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund), Greenpeace sowie die Vereine Klimattac Matemobil und Transition Town zu Aktionen eingeladen. Sie steigen gleichzeitig in der Innenstadt, der Leipziger Straße in Bockenheim und auf dem Merianplatz im Nordend.

Biemann schlägt vor, was sich mit Parkflächen machen lässt, wenn keine Autos mehr darauf parken: „Sie könnten bepflanzt werden, um der Luftverschmutzung, der Überhitzung und den häufiger werdenden Sturzregenfällen vorzubeugen. Auch Bänke ließen sich dort hinstellen, die zum Verschnaufen und Begegnen einladen. Fahrradstellplätze wären auch möglich.“ Doch es helfen nicht nur Worte, um Menschen aufzuzeigen, wie viel Platz sich böte, würde nur ein Parkplatz umgewidmet. Der VCD baute daher ein etwa zwölf Quadratmeter großes Holzgestell, das die Durchschnittsform eines Autos hat. Mit Hilfe von Gurten schnallt sich Karl-Heinz Peil das Gestell auf die Schultern und zieht mit Biemann, Schenkel und Führlich zum Liebfrauenberg. Eine Radfahrerin schimpft „was für ein Unsinn“, einige Autofahrer schauen genervt. Aber es bleiben auch zahlreiche Passanten stehen und loben die Aktion.

Keine Kostendeckung

Und viele sind überrascht über die Fakten, mit denen beim „Parking Day“ für weniger Platz für Autos im Stadtbild geworben wird: Denn laut einer Studie des internationalen Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsverbandes ICLEI decken die Einnahmen aus Parkgebühren und Finanzmitteln von Bund und Ländern nur zwischen 15 und 45 Prozent der Kosten für Parkflächen.

Biemann und seine Mitstreiter kritisieren aber nicht nur, sondern liefern auch Lösungsvorschläge. Sie fordern, dass Parkgebühren und Steuern, die den Autoverkehr betreffen, steigen müssen, um die Bürger zu motivieren, öfter das Rad oder den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu benutzen. Andererseits müssen aus Sicht von Biemann aber auch die ÖPNV-Preise sinken und der Fuß- und Radverkehr besser ausgebaut werden, um Menschen zu motivieren, auf das Auto zu verzichten. „Doch da backen Verkehrsdezernate und einzelne ÖPNV-Unternehmen oft zu sehr ihre eigenen Brötchen, anstatt gemeinsam an einem Strang zu ziehen“, kritisiert er.

Er plädiert unter anderem für Ringbus- und Ringstraßenbahnlinien, die mehr Menschen zur Arbeit oder zum Einkaufen befördern könnten. Auch eine Art ÖPNV-Zuschuss von Gewerbetreibenden in Innenstädten hält er für sinnvoll, schließlich kämen nachweislich 66 Prozent der Kunden auf der Frankfurter Zeil per Bus und Bahn.

Ausstoß kaum gesenkt

Dass der Autoverkehr im Vergleich zu öffentlichen Verkehrsmitteln noch immer bevorteilt wird, zeigt sich für Biemann besonders erschreckend anhand einer Tatsache: „Während viele Wirtschaftszweige ihren Ausstoß von Treibhausgasen in den letzten Jahrzehnten um 40 Prozent oder mehr reduziert haben, wurde der Ausstoß im Verkehrssektor seit 1990 kaum gesenkt.“

(bki)
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