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Und dann kam die Erleuchtung

In der Galgenstraße18 hat die buddhistische Nonne Regina Oberndorfer ihr eigenes kleines Zen-Zentrum. Eine Ausstellung zeigt erstmals ihre Werke japanischer Kalligraphie.
Regina Oberndorfer trägt beim Meditieren das Gewand einer Nonne. Foto: Hamerski Bilder > Regina Oberndorfer trägt beim Meditieren das Gewand einer Nonne. Foto: Hamerski
Bonames. 

18. Ein Blick nach links zeigt, halb hinter Schiebetüren aus Papier verborgen, den buddhistischen Gebetsraum. Der Boden ist mit dünnen Matten aus Reisstroh bedeckt. Mit den Matten und den wenigen Bildern und Ausstattungsgegenständen hat der Raum ein ruhiges, asiatisches Flair. Eingerichtet hat das Dogen Zendo, das kleine Zentrum des japanischen Zen-Buddhismus, Regina Oberndorfer.

Stille Meditation

Die 56-Jährige ist die Eigentümerin des Hauses und seit August 2011 ordinierte buddhistische Nonne. "Im Frankfurter Norden gab es keinen solchen Ort, und die Wohnzimmer-Sitzgruppen fand ich nicht attraktiv. Also richtete ich 2006 mein eigenes Zendo ein." Seitdem finden hier Kurse statt, und Freitag abends trifft sich Oberndorfer mit Gleichgesinnten zur stillen Meditation.

Früher war im Erdgeschoss ein kleiner Supermarkt, aber der steht längst leer. "Was lag da näher, als dieses kleine Zentrum zu eröffnen." Im großen Keller, der mit leichten Schiebewänden fasst beliebig aufgeteilt werden kann. Bei größeren Kursen verschwinden die Wände auch mal ganz.

"Hier treffen sich die unterschiedlichsten Personen. Der Raum steht jedem offen. Egal welcher Konfession", erklärt Oberndorfer. Zen-Buddhismus sei keine Religion, eher eine Philosophie. "Auch Christen können sich hier wiederfinden." Und das, ohne eigene Glaubensgrundsätze zu verraten.

Ihr Weg zum Zen begann in den 1980er-Jahren durch das Büchlein "Der Zen Weg" von Eugen Herrigel, erzählt Oberndorfer. "Ich war Börsenhändlerin bei der Bundesbank. Bei einem Seminar lag das Buch im Appartement. Es sprach mich auf einer tieferen Ebene an. Ich wollte Zen verstehen." Erste Kurse besuchte sie in Würzburg, zunächst zu christlich beeinflusstem Zen. Viele Kurse später führte ihr Weg sie für vier Jahre nach Japan, zur Sanbo-Kyodan-Schule. "Irgendwann stieß ich auf Dogen Zengi, Meister Dogen, einen großen Philosophen des 13.Jahrhunderts." Von ihm ging eine der großen Richtungen aus, das Soto-Zen- und nach ihm benannte sie 2006 ihr eigenes Zendo.

"Zen hat mein Leben tiefgreifend verändert. Ich war Börsenhändlerin, verdiente gut- aber war es das, was ich für mein Leben wollte?", erinnert sich Regina Oberndorfer. In der Meditation, in der Stille, beim In-sich-Gehen suchte sie Antworten.

Der Zen-Buddhist wolle das Sein in all seinen Facetten verstehen, erklärt Oberndorfer. "Das schafft man nie, dazu ist das Sein viel zu groß. Das Größte und das Kleinste lassen sich nicht erforschen- wohl aber der ganze Erfahrungsbereich dazwischen." Bei der Meditation herrsche absolute Stille. "Man konzentriert sich auf das Nichts, auf die Leere. Dabei passiert ganz viel im Geist." Das wirke wie eine Reset-Taste beim Computer: Das eigene Schubladendenken und verkrustete Wahrheiten würden aufgebrochen. "Man wird wieder unvoreingenommen."

"Oft hieß es früher: Buddhisten meditieren nur, statt bei Problemen zu handeln. Aber der Buddhismus verändert sich. Heute gibt es eine Strömung des engagierten Buddhismus", sagt Regina Oberndorfer. Es gebe zwei Richtungen: Das klassische Theravada ziele auf die persönliche Befreiung ab. Mahayana hingegen richte sich nach außen. "Ziel des Mahayana ist es, Erleuchtung zu erlangen und daraus zum Wohle aller fühlenden Wesen zu handeln."

Im August 2011 ordinierte Regina Oberndorfer, ist seitdem Buddhistische Nonne, wählte den buddhisten Namen Myoren- übersetzt etwa: "wunderbare Lotusblüte, lebenserleuchtend" - zum zweiten Vornamen. Immer wieder sind buddhistische Meister unterschiedlichster Richtungen in Bonames zu Gast, halten Vorträge und meditieren hier gemeinsam mit den Besuchern. Aber auch künstlerische Kurse gibt es, etwa in Ikebana, der japanischen Kunst des Blumenarrangements.

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(Andreas Haupt)
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