E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 29°C
5 Kommentare

Prozess: Unfassbare Vergewaltigungsvorwürfe: Fünf junge Männer vor Gericht

Fünf junge Männer sollen auf dem "Schiffspielplatz" in Schwalbach eine Frau reihenweise sexuell missbraucht haben. Die Schilderungen der Staatsanwaltschaft verschlagen selbst altgedienten Prozessbeobachtern die Sprache. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.
Symbolbild Foto: imago Symbolbild
Schwalbach/Frankfurt. 

Mehr als sechs Jahre nach einer besonders brutalen Gruppenvergewaltigung wurden fünf junge Männer im Alter von heute 21 bis 24 Jahren im vergangenen Jahr von ihrer Vergangenheit eingeholt. Oder aber trifft sie der Vorwurf, eine damals, am 21. September 2011, 38 Jahre alte Frau wechselseitig gepeinigt zu haben, zu Unrecht? Seit gestern verhandelt das Frankfurter Landgericht gegen die Männer, die sich in einer Holzhütte auf dem Schwalbacher „Schiffspielplatz“ an der Frau vergangen haben sollen.

Die Frau lief an jenem Abend des 21. September 2011 von ihrer Wohnung in der Julius-Brecht-Straße zur Sportanlage „Hinter der Röth“, als sie plötzlich von zwei der Angeklagten verfolgt wurde – so heißt es in der Anklage. Ein dritter Mann kam hinzu, der ihr einen spitzen Gegenstand in den Rücken hielt. Nun ging es über einen Zaun zu der Holzhütte, wo sich schließlich auch die beiden übrigen Angeklagten auf telefonische Rücksprache einfanden. Dann soll es reihenweise zu sexuellen Übergriffen aller Art gekommen sein, deren Schilderung durch die Staatsanwaltschaft gestern vor Gericht auch altgedienten Prozessbeobachtern die Sprache verschlagen hat.

Selbst der damals mit nur 15 Jahren jüngste der Männer soll kräftig mitgemacht haben und sich selbst als „so geil“ bezeichnet haben. Als die hilflose Frau ihrem Schicksal überlassen worden war, hatte sie auch noch ihren MP3-Player eingebüßt. Weil der Dieb (oder Räuber) nicht mehr ausfindig gemacht werden konnte, wurde der Anklagepunkt des schweren Raubes vor dem Hintergrund der gemeinschaftlichen Vergewaltigung vom Gericht fallengelassen.

Lange tappten die Ermittler der Polizei im Dunkeln, weil sich das Opfer offenbar nicht genau an die Gesichter ihrer Peiniger erinnern konnte. Erst im vergangenen Jahr half ihnen „Kommissar Zufall“ auf die Sprünge. Wieder war es die moderne Gentechnik, die dem bereits unlösbar erscheinendem Fall neues Leben einflößte. Bei einem anderweitigen Strafverfahren gegen einen der mutmaßlichen Täter wurde dessen gentechnisches Material abgeglichen und brachte in puncto Gruppenvergewaltigung einen Treffer. Rasch war die Anklage zusammengestellt, im Februar 2018 eröffnete die Jugendstrafkammer – alle Beschuldigte waren zum Tatzeitpunkt entweder Jugendliche oder junge Erwachsene – das Hauptverfahren.

Opfer soll aussagen

Gestern bei Prozesseröffnung aber lief vieles offenbar nicht so, wie es sich die Richter, der Staatsanwalt und der Rechtsanwalt des als Nebenklägerin vor Gericht vertretenen Opfers vorgestellt hatten. Die Angeklagten dachten gar nicht daran, das vom Gericht zum Zwecke der Strafmilderung empfohlene Geständnis abzulegen.

Stattdessen erklärten ihre Verteidiger, die Angeklagten würden die Vorwürfe bestreiten. Und auch als der Nebenkläger-Anwalt für den Fall von Geständnissen und einer deshalb entbehrlich werdenden Zeugenaussage seiner psychisch stark belasteten Mandantin Bewährungsstrafen für möglich und vertretbar hielt, hatte dies nicht den erwünschten Erfolg.

So wird am 4. April, nachmittags, voraussichtlich die Frau in den Zeugenstand müssen – die Öffentlichkeit ist dann vermutlich ausgeschlossen. Zuvor wollen die Angeklagten ihre Sicht der Dinge darlegen. Dem Terminplan der Jugendstrafkammer zufolge soll der Prozess bis Juni dauern.

Die Polizei hielt ihre Ermittlungen anfangs unter der Decke, um die Aufklärung nicht zu gefährden, wie es vonseiten der Ermittler hieß. Doch eine Fernsehsendung im März 2015 beförderte den Vorfall ans Tageslicht. Einer der Angeklagten gehört angeblich zu jener Problemklientel, die 2017 den Schwalbacher Marktplatz verunsicherte. (ge)

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen