E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 26°C

Campus-Übergriffe: Uni-Triebtäter tappt in die Falle

Von Verdeckte Ermittlungen haben zum Erfolg geführt: In der Nacht auf Sonntag nahm die Frankfurter Polizei einen Tatverdächtigen fest, der am Uni-Campus mindestens drei Frauen sexuell genötigt haben soll. Ein zweiter Täter wird allerdings noch gesucht. Kritik an der späten öffentlichen Information über die Vorfälle weist Polizeivizepräsident Walter Seubert zurück.
Frauen können sich auf dem Campus der Goethe-Universität wieder etwas sicherer fühlen, denn ein mutmaßlicher Serientäter wurde auf frischer Tat geschnappt.  Foto: Leonhard Hamerski Foto: Leonhard Hamerski Frauen können sich auf dem Campus der Goethe-Universität wieder etwas sicherer fühlen, denn ein mutmaßlicher Serientäter wurde auf frischer Tat geschnappt. Foto: Leonhard Hamerski
Frankfurt. 

Eine Polizistin in Zivil hat am Wochenende den mutmaßlichen Triebtäter überführt, der seit Oktober in der Nähe des Campus Westend mindestens drei Frauen massiv bedrängt haben soll. Der 28-jährige Inder sprach die Beamtin in der Nacht auf Sonntag in der Miquelanlage an. Er setzte sich neben sie auf eine Parkbank und machte bereits im Gespräch sexuelle Andeutungen. Als er schließlich seine Hose öffnete und die Polizistin aufforderte, ihn zu befriedigen, nahm sie ihn fest.

Der Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass er für die drei bisher bekanntgewordenen sexuellen Übergriffe in der Siolistraße und Miquelallee verantwortlich ist, auch wenn er dies bisher bestreitet. Denn Experten des Landeskriminalamts haben seine Speichelprobe mit einer Spermaspur auf der Jacke des ersten Opfers verglichen und genetische Übereinstimmung festgestellt. „Das ist ein sehr sicherer Nachweis der Täterschaft“, sagte Staatsanwältin Nadja Niesen. Das Vorgehen des Täters habe sich in allen drei Fällen sehr geähnelt.

Er soll seine Opfer, zwei Studentinnen und eine Anwohnerin, jeweils gegen Mitternacht nach dem Straßennamen gefragt haben. Anschließend habe er versucht, sie in ein Gebüsch zu zerren. Im ersten Fall, Anfang Oktober, gab eine 23-Jährige aus Angst seinen Drohungen nach und befriedigte ihn mit der Hand. Dies werten die Ermittler strafrechtlich als vollendete sexuelle Nötigung. In zwei weiteren Fällen, Ende Dezember und Anfang Januar, blieb es beim ebenfalls strafbaren Versuch sexueller Nötigung. Die Opfer konnten sich wehren und fliehen.

Aufenthaltsstatus ungeklärt

Der Festgenommene befinde sich eigenen Angaben zufolge seit zweieinhalb Jahren in Deutschland und arbeite in einem Café in der Frankfurter Innenstadt, teilte Staatsanwältin Niesen auf Nachfrage mit. Er habe sich zuvor in Italien aufgehalten und verfüge nun über eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, sein endgültiger Aufenthaltsstatus sei noch nicht geklärt. Über persönliche Verbindungen zur Goethe-Universität ist bisher nichts bekannt. Auch polizeilich trat der 28-Jährige zuvor nicht in Erscheinung.

Polizeivizepräsident Walter Seubert freute sich über den Ermittlungserfolg seiner Beamten. „Das Vorgehen der Polizei, insbesondere die verdeckten Maßnahmen haben sich bewährt“, sagte er. „Wichtig ist, dass sich mögliche weitere Opfer melden, damit wir auch den zweiten Täter schnappen.“

Denn ein vierter Fall, bei dem eine Studentin Ende Januar auf dem Gelände der Goethe-Universität sexuell belästigt wurde, ist noch nicht aufgeklärt. Als Täter wird ein 40- bis 50-jähriger, dicklicher Osteuropäer gesucht. Hinweise auf ein Zusammenhang zu den anderen drei Taten, etwa dass sich die beiden Männer kannten, gibt es bisher keine.

Kritik an der späten öffentlichen Information über die Vorfälle wies Seubert zurück. „Es war eine bewusste Abwägung: Zu welchem Zeitpunkt gehen wir nach draußen?“. Die Polizei veröffentlichte ihren Zeugenaufruf erst vier Monate nach dem ersten Vorfall und nachdem Medien darüber berichtet hatten. Auslöser für diese Berichte war ein Schreiben der Goethe-Universität an alle Hochschulangehörigen, in dem vor weiteren Übergriffen gewarnt wurde. Abgesprochen war dies mit der Polizei offenbar nicht.

Gemeinden informiert

Erst im Nachhinein veröffentlichten die Goethe-Universität und die Polizei eine gemeinsame Presseerklärung. „Um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden und Täterwissen frühzeitig preiszugeben, erfolgte zunächst keine öffentliche Information auf dem UniCampus Westend“, hieß es darin.

Eine Polizeisprecherin teilte gestern noch ergänzend mit, dass in den Räumen der evangelischen und der katholischen Hochschulgemeinde per Aushang auf die Taten hingewiesen worden sei. Sie liegen direkt an der Siolistraße in unmittelbarer Nähe des Tatortes.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen