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Genauer Blick auf den Hirntumor: Uniklinik setzt im Kampf gegen Krebs auf neue Therapien

Von Auf eine neue Methode bei der Bestimmung von Hirntumoren setzt die Uniklinik. Dabei analysieren die Experten mit Hilfe einer neuen Technologie den genetischen Code der Krebszellen. Bislang kommt dieses Verfahren nur am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zum Einsatz. Auch bei Wach-Operationen setzt die Uniklinik Maßstäbe.
Operieren an der Schaltzentrale: Eingriffe am Gehirn sind für die Neurochirurgen Millimeterarbeit. Foto: Waltraud Grubitzsch (dpa-Zentralbild) Operieren an der Schaltzentrale: Eingriffe am Gehirn sind für die Neurochirurgen Millimeterarbeit.
Frankfurt. 

Zwei Pathologen, drei Meinungen: Wenn es darum geht zu bestimmen, mit welcher Art Hirntumor sie es zu tun haben, sind selbst Experten nicht immer einer Meinung. „Die Methode ist seit 100 Jahren dieselbe und relativ personenabhängig“, erklärt Prof. Dr. Karl-Heinz Plate, Direktor des neuropathologischen Edinger-Instituts am Universitätsklinikum. Unter dem Mikroskop analysieren Spezialisten das Gewebe und versuchen zu bestimmen, um welche der mehr als 100 verschiedenen Hirntumor-Arten es sich handelt. Kommen zwei Experten zu unterschiedlichen Ergebnissen, wird ein dritter Fachmann zurate gezogen.

850 000 Informationen

Am Uniklinikum ist nun eine neue Technologie im Einsatz, mit Hilfe derer die Spezialisten die Erbinformation (DNA) des Tumors untersuchen. Dabei werden 850 000 genetische Informationen verarbeitet und mit einer Datenbank des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg abgeglichen. Dort wurde die Technologie entwickelt. Meistens kommen Mediziner und Maschine zum gleichen Ergebnis. In zwölf Prozent der Fälle allerdings revidieren die Pathologen ihre Einschätzung auf Basis des DNA-Profils. Nur in einem Prozent der Fälle könne die Maschine kein Ergebnis liefern, erklärt Neuropathologe Plate. Für eine erfolgreiche Therapie ist die genaue Bestimmung der Tumorart von entscheidender Bedeutung. Denn nur wer den Feind kennt, kann ihn wirksam bekämpfen. Die Frankfurter Uniklinik ist laut Plate nach dem DKFZ das erste Zentrum in Deutschland, das die neue Technologie einsetzt.

Tests bei Bewusstsein

Wegweisend ist das Hirntumorzentrum auch bei Wach-Operationen. Dieses Verfahren kommt zum Einsatz, wenn der Tumor an einer problematischen Stelle, etwa unmittelbar am Sprachzentrum, sitzt. Um dieses nicht zu beschädigen, eröffnen die Ärzte zunächst unter Vollnarkose die Schädeldecke, um den Patienten dann zu wecken. Anschließend legen sie Stück für Stück einzelne Partien des Gehirns lahm und testen gleichzeitig, ob dadurch das Sprachvermögen des Patienten beeinträchtigt ist. Kann er ganz normal sprechen, können die Mediziner diesen Teil des Gehirns entfernen. Gelingt dies nicht, müssen sie das betroffene Areal erhalten und können es gegebenenfalls ein Jahr später bei einem zweiten Eingriff entfernen, wenn andere Hirnregionen die Funktion übernommen haben. „Früher hätte man bei diesen Patienten lediglich eine Biopsie durchgeführt“, weiß Privatdozentin Dr. Marie-Thérèse Forster.

Ein weiteres Pfund, mit dem das Hirntumorzentrum der Uniklinik wuchern kann, ist die schiere Zahl der Fälle, die dort in interdisziplinären Expertengremien (Tumorkonferenzen) besprochen werden. Gaben die Experten 2010 noch 882 Therapieempfehlungen ab, so waren es 2016 mit 1900 weit mehr als doppelt so viele. „Das ist mit Abstand die größte Tumorkonferenz im Universitären Tumorzentrum“, erläutert Prof. Dr. Joachim Steinbach, Direktor des Dr. Senckenbergischen Instituts für Neuroonkologie. Längst sind es nicht nur die eigenen Patienten, deren Fall in der Tumorkonferenz besprochen wird. Auch manch andere Klinik ziehen die Frankfurter Spezialisten bei komplizierten Fällen zurate.

Stolz ist man am Hirntumorzentrum, dass man den Patienten die Teilnahme an klinischen Studien ermöglichen kann. „Wir haben immer ein gewisses Extra“, sagt Prof. Dr. Christian Senft, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie.

Mehr als 7000 Neuerkrankungen pro Jahr

Hirntumore sind vergleichsweise selten. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2012 in Deutschland 7180 Menschen neu an Tumoren des Zentralen Nervensystems.

clearing
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