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"Unser Image ist angestaubt"

Seit fast 120 Jahren hält sich der Männergesangverein (MGV) Sängerlust 1892 Frankfurt/ Nieder-Eschbach trotz schrumpfender Mitgliederzahl wacker; kürzlich wurde sogar ein zweiter, gemischter Chor ins Leben gerufen. Wie geht der Verein mit dem angestaubten Image vom gemeinsamen Singen um? Welches Konzept hat er? Wie sieht die Zukunft aus? Darüber sprach FNP-Mitarbeiterin Julia Rösch mit dem Vorsitzenden Michael Betz und dem Chorleiter Dirk Nawrocki.
Sind alles andere an angestaubt: Michael Betz, Vorsitzender des MGV Sängerlust 1892, und Chorleiter Dirk Nawrocki schauen positiv in die Zukunft der Nieder-Eschbacher Vereins und kämpfen darum, den Männergesangverein von seinem Image zu befreien. Foto: Rainer Rüffer Sind alles andere an angestaubt: Michael Betz, Vorsitzender des MGV Sängerlust 1892, und Chorleiter Dirk Nawrocki schauen positiv in die Zukunft der Nieder-Eschbacher Vereins und kämpfen darum, den Männergesangverein von seinem Image zu befreien. Foto: Rainer Rüffer

MICHAEL BETZ: Männerchöre haben ein sehr schönes Klangbild – und es ist einfach ein geselliges Hobby: Man singt und sitzt zusammen, meistert Auftritte. Allerdings scheint das immer weniger Menschen anzuziehen. Vor 20 Jahren trafen sich rund 70 Männer, jetzt sind wir nur noch 26. Und wir werden nicht jünger: Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 60 Jahren.

Warum findet sich kaum Nachwuchs?

BETZ: Männerchöre allgemein haben ein angestaubtes Image. Viele junge Menschen singen zwar gern, aber wollen sich nicht an Vereine mit festen Übungsterminen binden, sondern ihre Freizeit selbst gestalten. Zudem ist ihnen das Repertoire oft zu altmodisch. Wir proben vor allem Stücke aus Opern und Operetten, Volksweisen, aber auch Medleys. Über 500 Lieder schlummern in unserem Notenschrank, aber manche können wir gar nicht einstudieren – wir sind zu wenige.

Wie können Sie als Chorleiter dieser Entwicklung entgegensteuern, Herr Nawrocki?

DIRK NAWROCKI: Man muss das musikalische Konzept und die Arbeit am Vereinsimage vielleicht überdenken. Ein Punkt ist eben das Liedrepertoire, mit dem man quasi dauerhaft im Vorgestern lebt: In den vergangenen Jahrzehnten waren immer genügend Sänger da, was praktisch keine Sängerwerbung nötig machte. Man sang, was den vielen damals jungen Chorsängern gefiel, trug es in die Gegenwart und hatte bis vor noch nicht allzu langer Zeit kaum Veranlassung, neue Tendenzen mit einzubinden. In einem stärker verbundenen und weiter zusammenwachsenden Europa wünschen sich Nachwuchssänger aber auch mal Stücke in Englisch, Französisch oder Griechisch, was viele Senioren nicht verstehen. Da muss man Kompromisse finden. Aber es ist auch ein anderer Umgang mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Medien angesagt: Ohne eine gewisse Corporate Identity – zum Beispiel ein Logo mit Wiedererkennungswert, knackigen Slogans bei Vereinspräsentationen oder einer hervorragenden Internetpräsenz, kommt man im Medienzeitalter nicht mehr dazu, jungen Menschen glaubhaft zu vermitteln, dass die Gruppe mit der Zeit geht.

Vergraulen solche Neuerungen nicht eher die Alteingesessenen?

NAWROCKI: Eines ist wichtig: Man darf nicht versuchen, den traditionellen Männerchor radikal umzukrempeln. Wir versuchen stattdessen, ihn im neuen Gewand zu präsentieren. Etwas frischer. Zum Beispiel haben wir für den Liederabend im Darmstädter Hof am 3.Oktober eine Videoshow geplant, die das Gesungene medial unterstützen wird. Für unseren Auftritt im Bürgerhospital ließ sich das leider nicht mehr einrichten, aber dafür erlebt der neu aufgebaute gemischte Chor dort tatsächlich sein Debüt. Er wird als zweites Standbein des Vereins auch demnächst einen eigenen Namen bekommen.

Wie sieht das Konzept des gemischten Chors aus?

BETZ: Zurzeit machen fünf Männer und sieben Frauen mit, die allesamt jünger sind als die Herren der Sängerlust. Zwei Sänger aus dem Hauptchor sind dabei, ansonsten konnten wir neue Mitglieder von außerhalb gewinnen. Der gemischte Chor öffnet sich richtig anderen Kulturen: Wir haben zum Beispiel zwei Französinnen und eine Italienerin dabei und auch das Repertoire ist international. Zurzeit proben wir Stücke in Schwedisch, Englisch, Deutsch, Polnisch und Spanisch. Ein französisches wird folgen.

NAWROCKI: Es ist immer eine Gratwanderung für den Chorleiter, einerseits die Freude am Singen zu fördern, andererseits ein gewisses Niveau zu erreichen. Ich fordere meine Sänger schon – die fremdsprachigen Lieder sind nicht einfach.

Ist der gemischte Chor als eine Art Rettungsring gedacht, falls der Männerchor sich auflöst?

BETZ: Dem Männerchor wurde in seiner fast 120-jährigen Geschichte schon mehrmals in den vergangenen Jahren ein baldiges Ende vorhergesagt; bisher konnten wir uns dagegen wehren. Mit dem gemischten Chor reagieren wir auf eine gewisse Nachfrage. Dennoch ist der Männerchor immer noch unser Hauptchor.

Beide Chöre singen heute um 18.30 Uhr in der Kapelle des Bürgerhospitals, Nibelungenallee 37–41, der Eintritt ist frei. Ein weiterer Auftritt ist am Montag, 3.Oktober, um 18 Uhr im Darmstädter Hof, An der Walkmühle 1. Der Eintritt kostet zehn Euro.

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