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Unterführung glitzert golden

Viele kleine Reißnägel glitzern im Halbdunkel der Unterführung am Nidda-Radweg. Mit kleinen Kunstwerken will die Stadt den Blick für Besonderheiten, aber auch Problemstellen im Grüngürtel öffnen.
Petra Eichler (l.) und Susanne Kessler haben die goldene Verzierung angebracht.	Foto: Kammerer Petra Eichler (l.) und Susanne Kessler haben die goldene Verzierung angebracht. Foto: Kammerer
Frankfurter Berg. 

Genau 30 000 Reißnägel haben die Künstlerinnen Petra Eichler und Susanne Kessler zu einem Kunstwerk zusammen gefügt, doch in der langen Autobahnunterführung am Nidda-Radweg gehen die kleinen, spitzen Messingköpfe trotz ihrer großen Zahl fast verloren. Dunkel ist es, die Graffiti an den Wänden sind kaum zu erkennen. "Glitzermoos" haben sie ihr Kunstwerk genannt. Wie Flechten ziehen sich die Reißzwecken als helles, unregelmäßiges Band durch die Unterführung und über den beiden Portalen rechts und links der A 661.

"Wir wollten soviel Restlicht einsammeln wie irgendwie möglich", erläutert Petra Eichler die Idee. Das Material sollte etwas sein, dass jeder – wenn auch völlig anders als hier – im Alltag benutzt. Zum Schutz sind die Reißnägel in Acrylglas gefasst, nur die Spitzen sind der Witterung ausgesetzt. "Die Form haben wir Flechten nachempfunden", sagt Susanne Eichler. Um die umgebende Vegetation künstlerisch aufzunehmen und fortzuführen.

Hintergrund der Kunstaktion am Nidda-Uferweg zwischen Eschersheim und Frankfurter Berg sei, dass die Stadt nach 20 Jahren Grüngürtel einen neuen kulturellen Ansatz suchte, erklärt Umweltamtsleiter Klaus Hoppe. "Dabei fiel uns auf, dass es viele Stellen gibt, an denen Straßen oder Eisenbahntrassen den Grüngürtel zerschneiden." Für Fußgänger und Radfahrer würden diese Stellen oft zum Problem. "Wir haben 202 Unter- und Überführungen gezählt." Meist seien sie hässlich, und für die erste Kunstaktion hätten sie sich extra die Häßlichste darunter ausgesucht.

Aber gehen die kleinen Reißnägel nicht zwischen der Graffiti verloren? Stören die Schmierereien nicht? "Die Graffiti ist ja auch ein Kommentar zu diesem Ort, von Jugendlichen. Die stören nicht, sie sind ein zusätzliches künstlerisches Element", so Hoppe.

Einige Teelichte erleuchten zur Vernissage die Unterführung. "Die Radler und Fußgänger sollen inspiriert werden, auch nach rechts und links zu blicken, sie sollen sich ruhig wundern, was das soll", sagt Hoppe. Und über das Kunstwerk nachdenken, über die Unterführung, einen anderen Blick für den Grüngürtel bekommen. hau

(Andreas Haupt)
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