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Ohne Stiche zum Honig: Unterricht in der Natur: Kinder entdecken den neuen Bienenlehrpfad zweier Imker

Durcheinander krabbeln und fliegen 28 Bienenvölker auf wenigen Quadratmetern: Die Honigbiene steht im Mittelpunkt des Lehrpfads in Ginnheim. Kinder und Erwachsene können hier ihren Lebensraum entdecken. Fragt sich: Geht das ohne Stiche?
Der zehnjährige Karim hält eine Wabe voller Honigbienen hoch. Bilder > Foto: Holger Menzel Der zehnjährige Karim hält eine Wabe voller Honigbienen hoch.
Ginnheim. 

Neugierig steht ein halbes Dutzend Kinder auf einer Wiese vor einem Bienenstock. Zwischen ihnen fliegen abwechselnd Honigbienen und Wildbienen umher. Die Kinder tragen die Schutzkleidung für Imker: einen stichfesten Hut, eine stichfeste Jacke, stichfeste Handschuhe. Schließlich sollen die Kinder nichts abbekommen. „Ich habe keine Angst“, sagt der zehnjährige Karim lächelnd und gibt zu: „Ich mag weder Bienen noch Honig.“

Der Bienenlehrpfad in Ginnheim ist gestern offiziell eröffnet worden – mit Kindern vom Abenteuerspielplatz Riederwald. Das Projekt soll Mensch und Biene zusammenbringen – und dabei einen Blick ins Leben der Insekten ermöglichen. Das Angebot richtet sich an Kinder und Erwachsene. Initiatoren sind die Imker Heinz-Werner Hirschhäuser und Andreas Glienke. Sie engagieren sich ehrenamtlich. „Viele junge Menschen, vor allem in der Stadt, begeistern sich für die Imkerei“, sagt Glienke.

Die Königin suchen

An diesem Tag sind die Bienen friedlich, „weil das Wetter gut ist“, erklärt Glienke. Die Behausungen – „Magazinbeute“ lautet das Fachwort – stehen schattig unter großen Bäumen. Gemeinsam mit Glienke suchen die Kinder gleich mal die Königin eines Volkes. Hierfür entfernt der Imker die Holzverkleidung eines Bienenhauses, darunter kommt eine Glasscheibe hervor, die Kinder und Waben trennen. Doch von der Königin keine Spur.

Enttäuscht ist Jazzmann deshalb nicht. „Ich fand toll, dass wir die Bienen aus der Nähe gesehen haben“, sagt die Neunjährige und nestelt an ihrer Schutzkleidung. „Warm ist mir.“ Glienke lobt seine Gäste: Die Kinder wüssten bereits viel über die Natur und besonders über Bienen. Einen Tipp, was sie bei Bienenstichen machen sollten, hat er noch parat: Den Stachel entfernen und mit kaltem Wasser abspülen.

Die Führung dauert 90 Minuten, in denen die Kinder auch vier Honigsorten probieren. „Die unterscheiden sich geschmacklich“, sagt Maria Röhrscheed, eine der Erwachsenen an diesem Tag. Sie bevorzugt einen würzigen Honig, der geschmacklich an Blüten erinnert. Seit Jahren kauft sie ihn bei Imker Glienke ein.

Der Lehrpfad ist eine Erweiterung des Bienenwalds in Ginnheim, wo sich vier Imker um 28 Völker kümmern. Im Sommer erreicht ein Volk eine Größe von bis zu 50 000 oder mehr Bienen. „Wir hatten vergangenes Jahr größere Völker“, sagt Glienke, „aber im Winter war ein großes Bienensterben.“ 30 Prozent gingen ein. Andernorts in Deutschland starben ganze Völker.

Gefährliche Milben

Eine Ursache für das Bienensterben ist eine Milbe, eingeschleppt aus Westasien. Dort arbeiten Biene und Milbe zusammen. Unseren heimischen Bienen ist das unmöglich, weil die Milbe sticht und Erreger überträgt, gegen die unsere Bienen nicht immun sind.

Das Bienensterben ist ein Problem für unsere Ernährung. Und nicht nur an Parasiten und Krankheiten leiden die Tiere, sondern auch an fehlender Nahrung. „In einer Stadt wie Frankfurt finden die Bienen ausreichend Pollen“, erklärt Glienke. „Allerdings bedrohen Pestizide die Bienen. Dünger greifen das Nervensystem der Bienen an. Daraufhin können die Bienen ihren Bienenstock nicht mehr finden.“

Der Bienenlehrpfad ist Partner der Initiative „Bauernhof als Klassenzimmer“ des hessischen Umweltministeriums. Das Projekt fördern die FES Frankfurt und das Grünflächenamt der Stadt. „Unser Ziel ist, ein Bewusstsein für den Nutzen zu schaffen“, sagt Monika Dorn von der FES, „ohne Bienen werden Blüten nicht bestäubt – und es gibt keinen Honig.“

Karim, der eigentlich Bienen nicht mag, hat es am Ende doch gut gefallen. Als er ohne Handschuhe eine Wabe anfasst, tropft der Honig an den Seiten herunter. Der Junge lächelt. Gestochen wird er nicht.

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