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Bewährungsstrafe: Urteil: Automaten-Sprenger kommt frei

Von Vier Männer hatten vor einem Jahr versucht, im Griesheimer Bahnhof einen Geldautomaten zu sprengen. Gestern wurde der letzte verurteilt. Das Gefängnis darf er wieder verlassen.
Ein Fall vorm Oberlandesgericht Nürnberg zeigt: Nachlassgegenstände sind nicht Bestandteil eines europäischen Nachlasszeugnisses. Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild Ein Fall vorm Oberlandesgericht Nürnberg zeigt: Nachlassgegenstände sind nicht Bestandteil eines europäischen Nachlasszeugnisses.
Frankfurt. 

Es war ein – freilich erfolgloser – Versuch einer Geldbeschaffungsmaßnahme. Mit Schläuchen und einem Gasbehälter ausgestattet, hantierten vier Männer im Dezember vergangenen Jahres im Bahnhof des Stadtteils Griesheim an einem Geldautomaten herum. Doch bevor es zum großen Knall kam, griff die Polizei zu. Gestern wurde der Fall vor dem Amtsgericht juristisch abgeschlossen.

Rechtzeitig zugegriffen

Die vier Männer plagte ein weit verbreitetes Phänomen – die Geldknappheit. Deshalb sollte der Automat im Griesheimer Bahnhofsgebäude in die Luft gejagt werden. Im Baumarkt holte man sich die erforderlichen Utensilien, Schläuche, Leitungen, Lunten, auch einen Gasbehälter. Offenbar aber schöpfte das Verkaufspersonal Verdacht. Jedenfalls war in der Nacht darauf auch die Polizei anwesend, als die Männer mit ihrem Vorhaben begannen. Bevor die Sprengung jedoch erfolgreich zum Ende gebracht werden konnte, griffen die Beamten zu.

Während drei Mittäter direkt am Tatort oder aber kurze Zeit später festgenommen werden konnten, gelang dem vierten Mann zunächst die Flucht bis nach Italien. Dort wurde der heute 31-Jährige dann im April verhaftet – im Juni wurde er schließlich ausgeliefert. Im Verfahren gegen die drei übrigen Täter wollte die Staatsanwaltschaft indes nicht so lange warten, bis auch der vierte Mann im Bunde wieder im Lande war. Die Mittäter wurden in getrennten Prozessen bereits Mitte dieses Jahres zu Haftstrafen zwischen einem Jahr und zehn Monaten und zwei Jahren verurteilt.

Gestern nun wurde in dem Verfahren gegen den vierten Täter vor dem Amtsgericht der juristische Schlussstrich unter die außergewöhnliche Straftat gezogen. Der kleine, unscheinbare Mann, der bis zu seiner Verhaftung in Italien keinen festen Wohnsitz hatte, machte vor Gericht nicht viel Aufhebens. Er schilderte seine marode wirtschaftliche Situation und die seiner Familie, die noch auf seine kümmerlichen Einkünfte angewiesen sei. Deshalb habe er sich auf die Schnapsidee eingelassen, einen Geldautomaten in die Luft gehen zu lassen.

Besonders überzeugend wirkte diese „recht teilnahmslose Reue“ auf das Gericht nicht – man konstatierte dem Angeklagten allerdings, dass er es wohl nicht besser ausdrücken könne. Die immerhin knapp neun Monate in Untersuchungshaft aber wirkten sich am Ende gravierender auf das Urteil aus. Die Richterin sah in Anbetracht dieser verhältnismäßig langen Zeit die Voraussetzungen für eine Strafaussetzung zur Bewährung für gegeben an – obwohl die Staatsanwaltschaft zuvor die Haftstrafe von einem Jahr und elf Monaten ohne Bewährung gefordert hatte.

Auflagen einhalten

Insgeheim ging man beim Gericht davon aus, dass der in Deutschland so glücklos wirkende Angeklagte ohnehin die Heimreise zur Familie in Italien antreten werde. Sollte er jedoch wider Erwarten in Deutschland bleiben oder irgendwann einmal wieder hier einreisen, muss er sich sofort bei der Polizei melden, damit er die Bewährungsauflagen einhält und nicht wieder auf dumme Gedanken kommt. Von weiteren Auflagen sah das Gericht – mangels Masse – ab. Durch das rechtzeitige Eingreifen der Polizei war bei der Tat ja auch kein materieller Schaden entstanden.

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