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Öffentlicher Nahverkehr: VGF verlängert U-Bahnen

Immer mehr Menschen fahren unterirdisch durch Frankfurt. Um sie unterzubringen, sollen die Züge verlängert werden. Die simple Maßnahme ist nur ein Teil einer größeren Initiative.
Jeden Morgen drängen sich Massen in die U-Bahnen. Mit dem Kauf von sogenannten Mittelwagen soll sich das vom Jahr 2020 an ändern. Foto; Rüffer Foto: Rainer Rüffer Jeden Morgen drängen sich Massen in die U-Bahnen. Mit dem Kauf von sogenannten Mittelwagen soll sich das vom Jahr 2020 an ändern. Foto; Rüffer
Frankfurt. 

Mit einem Kniff reagiert die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) auf steigende Fahrgastzahlen: Sie macht die Züge einfach länger. Dafür hat sie 22 neue Mittelteile für U-Bahnen bestellt, wie die VGF gestern vorstellte. Die neuen Wagen haben keine eigenen Fahrerstände; stattdessen werden sie kurzerhand zwischen die alten gespannt. So entstehen 75 bis 100 Meter lange Züge, die entsprechend mehr Menschen befördern können. Die Frankfurter Bahnsteige seien dafür bereits lang genug, erklärt die VGF.

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Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft hat 22 Mittelteile für U-Bahnen bestellt. So entstehen am Ende 75 oder 100 Meter lange Züge, in die deutlich mehr Fahrgäste passen.

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„Wir können mit diesen Fahrzeugteilen die Kapazität unserer Züge wesentlich erhöhen, ohne zusätzliche Fahrzeug-Verbände einsetzen zu müssen“, sagte Geschäftsführer Matthias Rüffer. Auch die Abfertigung am Bahnsteig werde dank eines eingebauten Durchgangs zwischen den Wagen schneller gehen.

An der Kapazitätsgrenze

Die U-Bahn-Erweiterung ist Teil einer größeren Beschaffungsinitiative im Frankfurter Nahverkehr. Damit reagiert die VGF auf steigende Fahrgastzahlen. „Der Frankfurter Nahverkehr ist an der Kapazitätsgrenze“, sagte der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Allein auf der A-Strecke – der meistbefahrenen U-Bahn-Strecke in der Stadt – seien die Fahrgastzahlen von der Hauptwache bis zum Eschenheimer Tor zwischen 2010 und 2017 von 77 000 auf 110 000 Fahrgäste täglich gestiegen. Bereits im Juni hatte die Gesellschaft bekanntgegeben, 43 neue Straßenbahnen anzuschaffen. Kostenpunkt für die Initiative: rund 170 Millionen Euro.

Wie viel davon auf die U-Bahn-Mittelteile entfällt, wolle man „aus Wettbewerbsgründen“ nicht bekanntgeben, sagte Oesterling. Dem Vernehmen nach kosten die Wagen vom Typ „U5“ rund 57 Millionen Euro, also etwa 2,6 Millionen Euro pro Stück.

Ein Teil des Geldes wird aber in jedem Fall an den Fahrzeughersteller „Bombardier Transportation“ (BT) gehen, der auch schon die bestehenden U-Bahnwagen gefertigt hatte. Bleibe man beim selben Hersteller, sei rechtlich keine neue Ausschreibung des Auftrags nötig, erläutert Oesterling. „Dieses Vorgehen spart uns über ein Jahr Zeit“. Die neuen Mittelteile sollen nun ab März 2020 bis ins Frühjahr 2021 geliefert werden. Dass das auf diese Weise vergleichsweise schnell gehen werde, sei auch notwendig, sagte Oesterling weiter. In den letzten 20 Jahren seien die Fahrgastzahlen um 48 Prozent gestiegen. „Mit der Beschaffung der Mittelteile haben wir eine weitere wichtige Entscheidung für die Zukunft und die zukünftige Leistungsstärke des öffentlichen Verkehrs in Frankfurt getroffen.“

Ohne Ausschreibung

Mit dem Kauf der U-Bahnen und Straßenbahnen habe die Stadt „ausreichend Fahrzeuge bis in die Mitte des nächsten Jahrzehnts“, sagte Oesterling. Weitere Fahrzeuge müssten angeschafft werden, wenn die Ringstraßenbahn und die U-Bahn-Verbindung von Bockenheim nach Ginnheim gebaut werde. Für den Kauf der U-Bahn-Wagen habe die VGF auf eine Ausschreibung verzichten können. Der Auftrag sei direkt an den kanadischen Hersteller Bombardier vergeben worden. „Das hat uns ein Jahr Zeit erspart.“

Gekauft worden seien Mittelwagen auch deshalb, weil eine neue EU-Norm den Kauf von U-Bahnen mit Führerstand erschwert habe. Die Norm sehe vor, dass U-Bahnen besser gegen Unfälle gesichert werden sollen, in dem etwa Front und Heck verstärkt werden müssten. Das habe den Kauf der gängigen U5-Wagen unmöglich gemacht. Die Mittelwagen seien zwar ohne Führerhaus, aber voll funktionsfähig, sagte Rüffer. Falls es zur Havarie komme, lasse sich im Zug ein Tisch mit Bedienelementen ausklappen, aus einem Schrank, der sich nahe des Faltenbalgs, also des Ziehharmonikadurchgangs, befinde. „Dann fährt die Bahn in gedrosseltem Tempo zur nächsten Werkstatt.“

„Nicht gerüstet sind wir für plötzliches Wachstum im Nahverkehr, zum Beispiel durch das Dieselfahrverbot“, sagte Oesterling weiter. Daher begrüße er den Einspruch, den die Landesregierung gegen das neue Gesetz eingelegt hat. „Wir sind natürlich nicht gegen saubere Luft, aber in den Übergangsfristen, die der Entwurf vorgibt, ist das nicht zu machen.“ Kritik am Umweltbewusstsein des Frankfurter Nahverkehrs wies der Verkehrsdezernent mit Verweis auf andere Städte zurück. „Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember sind wir die erste und einzige Stadt in Hessen, die E-Busse im Linienverkehr einsetzt. Dafür möge man uns gern kritisieren.“

(fl,lhe)

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