E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 22°C

Zoo: VIDEO: Wie man die Patientin auf die Waage lockt

Von Das Thema „medizinisches Tiertraining“ hat der neue Zoodirektor Miguel Casares für seinen ersten öffentlichen Termin bewusst gewählt. Schließlich sollte nicht er im Vordergrund stehen, sondern die Tiere.
Vorsichtig hält Tierpfleger Martin Rödl Tamandua-Dame Evita den Napf mit dem Naturjoghurt hin. Unter ihr befindet sich die Waage, auf die sie klettern soll. Foto: Arne Dedert (dpa) Vorsichtig hält Tierpfleger Martin Rödl Tamandua-Dame Evita den Napf mit dem Naturjoghurt hin. Unter ihr befindet sich die Waage, auf die sie klettern soll.
Frankfurt. 

Zögerlich läuft Tamandua-Dame Evita auf ihren Pfleger zu. Der lockt die kleine Ameisenbärin mit einem Napf voll Joghurt. Evita folgt dem Napf – und steigt auf die Waage, die ihr Pfleger im Gehege postiert hat. Der Pfleger schaut auf die Gewichtsanzeige, während Evita den Joghurt schleckt: rund sechs Kilo. Evita entwickelt sich prächtig.

Das freut auch Miguel Casares. Der 51-Jährige hat sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Direktor des Zoos für das Thema „medizinisches Tiertraining“ entschieden: „Das Tiertraining, aber auch eine artgerechte Tierbeschäftigung sind wichtige Säulen der modernen Zootierhaltung“, sagt Casares am Dienstagmittag im Grzimekhaus. Im vergangenen Jahr hat der Zoo deshalb Regina Brinkmann zur Koordinatorin für medizinisches Tiertraining und Tierbeschäftigung ernannt. Eine bislang einzigartige Stelle in Deutschland. Die Tierpflegerin ist seit 1989 im Zoo tätig, kennt die Reviere deshalb gut.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt wirkt Casares souverän, aber zurückhaltend. Für ihn stehen die Tiere im Vordergrund: „Ich hoffe, dass ich in den kommenden Jahren den Arten- sowie den Naturschutz weiter vorantreiben kann. Zoos können heutzutage einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Tieren leisten.“

Dazu gehört auch eine intensive medizinische Versorgung der Tiere. Zwei Tierärztinnen untersuchen regelmäßig Blut und Urin der Tiere, kontrollieren Herzschlag und Gewicht, machen Ultraschalluntersuchungen und behandeln Erkrankungen. Damit das Tier die Prozeduren ohne Betäubung über sich ergehen lässt, wurden die Tiertrainings entwickelt. Am Beispiel der Tamanduas – einer kleinen Art der Ameisenbären – erklären Brinkmann und Tierpfleger Martin Rödl, wieso die Tiertrainings so wichtig sind – und wie sie funktionieren.

Stress vermeiden

„Sinn und Zweck des Trainings ist es, die Tiere ordentlich wiegen zu können“, sagt Rödl. Die Gewichtskontrolle sei so wichtig, da die Tiere im Zoo keine Termiten und Ameisen als Nahrung erhalten würden, wie es in der freien Wildbahn der Fall ist. „Wir kontrollieren mit dem Gewicht der Tiere beispielsweise, ob sie die Ersatznahrung – ein speziell angemischter Brei – gut annehmen“, erklärt Rödl. Bei den Weibchen könne man so auch feststellen, ob sie trächtig sind.

Frankfurts neuer ZoodirektorMiguel Casares Bild-Zoom
Frankfurts neuer ZoodirektorMiguel Casares

Damit das Wiegen der Tamanduas ohne Stress abläuft, gibt es im Frankfurter Zoo ein „gezieltes Training über ein Belohnungssystem“, erklärt Casares. „Früher hat man die Tiere wild gelassen. Musste ein Tier ärztlich behandelt werden, wurde es einfach eingefangen. Davon ist man mittlerweile abgekommen“, erzählt Rödl. Brinkmann hat das Training mit Rödl entwickelt, da Tamandua-Dame Evita nicht sehr umgänglich war. „Es hat drei Monate gedauert, bis sie gezielt aus ihrer Höhle kam, wenn ich den Käfig betrete“, sagt Rödl.

Das Training ist laut Brinkmann einfach, erfülle aber seinen Zweck. Rödl geht mit der Waage und einem Napf mit Naturjoghurt in das Gehege der aus Südamerika stammenden Tiere. Kommt Tamandua-Dame Evita auf ihn zu, hält er ihr den Napf hin. Mit ihrer rund 30 Zentimeter langen Zunge schleckt sie den Joghurt auf. Rödl zieht dabei den Napf immer weiter in seine Richtung, bis Evita mit ihrem ganzen Körper auf der Waage sitzt. Dann kann gewogen werden. Jedes Training wird individuell gestaltet. Und so individuell wie die Trainings sind auch die Belohnungen: „Bei einigen Tieren wird Futter als Belohnung eingesetzt, bei anderen reichen schon Streicheleinheiten“, sagt Brinkmann.

Dinge freiwillig tun

Die Trainings finden zwei- bis dreimal in der Woche statt. „Sie sind wichtig, weil Tiere auf diese Weise lernen, Dinge freiwillig zu tun“, erklärt Brinkmann . Die Menschenaffen lernen beispielsweise, ihren Arm hinzuhalten, damit die Tierärzte ihnen Blut abnehmen können. „Das müssen sie nicht tun, aber sie tun es freiwillig und das ist eine gute Basis“, sagt Brinkmann.

Neben den Tiertrainings entwickelt Brinkmann weitere Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere. „Ich schaue mir dazu jeweils an, wie sich die Tiere in freier Wildbahn beschäftigen“, erklärt die Tierpflegerin. Tamanduas beispielsweise brechen in freier Wildbahn Termiten- und Ameisenhügel auf. „Im Zoo legen wir ihnen morsche Stämme hin, die sie aufbrechen müssen, um an ihr Futter zu kommen“, sagt Brinkmann.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen