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Prozess in Frankfurt: Vater und Sohn gehen in den Knast

Von Haftstrafen von bis zu sechs Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung: Mit diesem Urteil ist vor dem Landgericht der Prozess gegen einen Vater und seine beiden Söhne zu Ende gegangen. Ein Sohn kam mit einer Geldstrafe davon. Die Männer hatten den neuen Freund der Tochter und Schwester bei einer Familienfeier übel zugerichtet.
Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Archiv Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert/Archiv
Frankfurt. 

Die Tat spielte sich Ende Juni vergangenen Jahres in der Nähe der Rosa-Luxemburg-Straße in Ginnheim ab, wo die Ehefrau und Mutter der jetzt Verurteilten in einem Vereinshaus ihren Geburtstag feierte.

Zuvor schon hatte ihr 24 Jahre alter Sohn zu erkennen gegeben, dass er mit dem 17-jährigen Freund der Schwester nicht einverstanden sei. Der Versuch des jungen Mannes, um Gutwetter zu bitten, schlug fehl. Am Tatabend gab es für ihn schließlich eine böse Abreibung mit Tritten und Schlägen, vor allem ins Gesicht. Am Ende fiel das Opfer eine Böschung hinunter und blieb stöhnend und keuchend liegen, bis Polizei und Rettungskräfte vor Ort waren. Vor allem der 43 Jahre alte Vater und der 24 Jahre alte Sohn waren an der Tat beteiligt, der zwei Jahre ältere Bruder spielte nur eine Nebenrolle in dem blutigen Szenario.

Der Lüge überführt

Dass die Schläger schließlich von selber von dem schwerverletzten Jugendlichen abließen und stattdessen die Polizei alarmierten, bewahrte sie vor einer Verurteilung wegen eines Tötungsdelikts – bereits die Schwurgerichtskammer hatte einen strafbefreienden „Rücktritt vom Totschlagsversuch“ gesehen und die Sache zu einer regulären Strafkammer verwiesen.

Mit ihrem Anruf im Polizeirevier versuchten die Männer allerdings auch, ihre Köpfe aus den Schlingen zu ziehen. Sie tischten den Beamten das Märchen vom Mann auf, der ohne fremdes Zutun die Böschung hinuntergefallen sei und sich dadurch schwer verletzt habe. Spätestens der medizinische Gutachter, den die Staatsanwaltschaft einschaltete, belehrte alle Beteiligten eines Besseren.

Besonders die erheblichen Verletzungen im Gesicht – zahlreiche Zähne waren ausgeschlagen und der Kiefer musste aufwendig saniert werden – seien mit einem bloßen Sturz ohne Fremdeinwirkung nicht zu vereinen, hieß es in der Expertise. Ein stürzender Mensch macht stets Schutzbewegungen, versucht sich etwa mit den Armen abzustützen oder die Hände vors Gesicht zu halten. Im konkreten Fall also, so der Sachverständige, müsse vor dem Sturz von den Tätern wohl kräftig „nachgeholfen“ worden sein.

Dauerhafte Schäden?

Die Angeklagten hatten beim Prozessauftakt Ende Juli zu den Tatvorwürfen geschwiegen, so dass ihre Version vom Sturz zu diesem Zeitpunkt noch immer in der Welt war. Der Gutachter aber musste noch zu einer zweiten Frage Stellung nehmen: Vorsitzender Richter Werner Gröschel hatte zu Beginn des Verfahrens den rechtlichen Hinweis erteilt, wonach neben der angeklagten gefährlichen Körperverletzung auch eine schwere Körperverletzung infrage kommen könne, wenn möglicherweise wichtige Körperteile dauerhaft entstellt oder gebrauchsunfähig geworden wären. Weil laut Gutachten davon nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausgegangen werden kann, ist „nur“ der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung übrig blieb.

Die Strafen blieben gleichwohl in deutlicher Höhe. Der Vater muss sechs Jahre ins Gefängnis, der jüngere Sohn fünf Jahre und vier Monate. Nur dessen zwei Jahre älterer Bruder kam mit einer leichten Strafe davon. Er muss 300 Euro Geldstrafe zahlen (60 Tagessätze) und wurde von allen schwereren Vorwürfen freigesprochen.

Ob die Urteile beim Bundesgerichtshof angefochten werden, steht noch nicht fest.

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