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Bauwerk unter Denkmalschutz: Verkauf des Bunkers an der Heerstraße: Viele Bands verlieren ihren Proberaum

Von Immer wieder werden Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg verkauft – an die Stadt oder private Investoren. Langjährige Mieter verlieren deswegen ihre Räume, die Bauten werden abgerissen oder umgenutzt. Jüngstes Beispiel ist der Bunker an der Heerstraße. Die Besonderheit dort: Das Bauwerk aus dem Jahr 1942 steht unter Denkmalschutz.
Die letzte Übungsstunde: Fünf Jahre lang probte die Band „Backtrip“ im Bunker an der Heerstraße. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Die letzte Übungsstunde: Fünf Jahre lang probte die Band „Backtrip“ im Bunker an der Heerstraße.

Durch die Gänge des im Jahr 1942 erbauten Bunkers zieht kalte Luft, in manchen Ecken riecht es ein wenig muffig, die Schritte hallen durch das große Treppenhaus. Die Gänge sind schmal, rechts und links reiht sich eine Tür an die nächste, alle sehen sie gleich aus, wer sich hier nicht auskennt geht schnell verloren.

Hintergrund: Frankfurt und seine Bunker

50 bombensichere Hochbunker im Frankfurter Stadtgebiet wurden im Luftschutz-Führerprogramm aufgelistet. Gebaut werden sollten sie zwischen 1941 und 1944.

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Diese Sorge hatten die Musiker der Frankfurter Band „Backtrip“ nie, viel zu lange waren sie schon Dauergast im Bunker. Fünf Jahre lang probten sie im Untergeschoss, mit der Praunheimer Band „Fullstop“ teilten sie sich einen der Räume. Doch damit ist mittlerweile Schluss, der bisherige Eigentümer des Bunkers, die Bundesanstalt für Immobilien (BIMA) hat ihn verkauft, an einen privaten Investor. Den Mietern wurde gekündigt, fast alle haben ihre Räume mittlerweile geräumt – wie auch „Backtrip“ und „Fullstop“, die neue Probenräume gefunden haben.

Mehr als 70 Jahre steht der Bunker schon in Praunheim, längst ist die Fassade von Kletterpflanzen bedeckt. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Mehr als 70 Jahre steht der Bunker schon in Praunheim, längst ist die Fassade von Kletterpflanzen bedeckt.

„Wir haben noch keine Planungen gemacht, die Idee ist aber den Bunker umzuwandeln und Loft ähnliche Wohnungen darin zu bauen. Inwieweit das möglich ist, wissen wir noch nicht. Denn wir stehen noch ganz am Anfang“, äußert sich Mehmet Assin, Gesellschafter des neuen Eigentümers PAS Immobilien, sehr vage. Angaben zum Kaufpreis will er nicht machen.

Charakter erhalten

Diese Zurückhaltung ist nicht ganz unberechtigt, schließlich steht der Bunker seit 2012 unter Denkmalschutz. Soll heißen: Die Kubatur, also die Form und Masse des Bunkers, müssten ebenso erhalten bleiben wie der Charakter des Gebäudes, erklärt Dr. Stefan Timpe, stellvertretender Leiter des Denkmalamtes und bestens vertraut mit dem verkauften Bunker an der Heerstraße. „Die Unsicherheit, vor allem die der direkten Nachbarn, ist groß, was künftig dort passiert. Es liegt uns aber noch kein Projekt vor, das dort geplant ist. Deswegen können wir nichts Konkretes sagen“, betont er.

Welche Umbaumaßnahmen genehmigt würden, sei zudem immer eine Einzelfallentscheidung, erklärt Timpe. Letztlich sei aber klar: Es werde eine Umnutzung geben. Denkmalschutz bei Bunkern in Frankfurt sei übrigens nicht unüblich. So treffe er auch auf die Bauten in Schwanheim und in Fechenheim-Süd zu, nennt er zwei Beispiele. „In Schwanheim ist die Umnutzung gerade ein ganz aktuelles Thema“ so der Experte.

Auf der Rückseite des Bunkers verläuft ein Grünstreifen, den ein Anwohner gepachtet und gepflegt hat. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Auf der Rückseite des Bunkers verläuft ein Grünstreifen, den ein Anwohner gepachtet und gepflegt hat.

Was mit ihrem Bunker passiert, das interessiert auch die bisherigen Mieter. Hauptmieter war Alexander Herr, 94 Räume vermietet er an Bands, Künstler und Firmen. „Es gibt nicht den typischen Bunker-Mieter, allerdings ist das Gebäude wegen seiner dicken Wände vor allem bei Musikern beliebt“, sagt er. Längst hat er noch nicht alle Mieter erreicht, viele stellen seit Jahrzehnten ihre Sachen in den dunklen Kammern unter. „Sie haben neue Adressen oder Telefonnummern. Es ist noch nicht alles geräumt, zudem sitzt mir der neue Eigentümer im Nacken und macht Druck“, ist Alexander Herr froh, wenn alles erledigt ist.

Risse im Bunker

Dass hinter den dicken Wänden einmal gewohnt statt musiziert werden könnte, daran glaubt er nicht. „In zehn Jahren steht hier ein anderes Gebäude. Es gibt einen großen durchs ganze Gebäude verlaufenden Riss, der stets wächst. Vielleicht eine Möglichkeit, den Denkmalschutz zu umgehen“, will er nicht weiter spekulieren, sondern vielmehr endlich „mit dem Thema Praunheimer Bunker abschließen“.

Beim Auszug fällt Müll an – abtransportiert wurde er im Container. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Beim Auszug fällt Müll an – abtransportiert wurde er im Container.

Mit dem Bunker abschließen, das würde Thomas Fröhlich, Mieter der obersten Etage am liebsten nie. Seit über 30 Jahren nutzt der Musiker die Räume, die für seine Zwecke ideal sind. „Es dringt kaum etwas nach draußen, wenngleich der Bunker nicht schalldicht ist. Durch die Lüftungsdeckel hört man die Musik auch draußen“, hat Fröhlich deswegen immer um 23 Uhr die Instrumente zur Seite gelegt, um die Nachbarn nicht zu stören. Beschwerden gab es nie und wird es auch künftig nicht geben. „Die Musik im Bunker ist leider aus“, so Fröhlich.

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