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Polizei stellt klar: Keine Übergriffe: Vermeintlicher Sex-Mob in der Silvesternacht: "Fake News" auf der Freßgass

Von Für den Szenegastronom Jan Mai wird die Luft dünn: Die Silvesterübergriffe in seiner Bar „First In“, über die er zusammen mit seiner Kollegin Irina A. in der „Bild“-Zeitung wetterte, soll es nie gegeben haben. Nun droht dem Gaststättenbetreiber eine Anklage wegen Vortäuschens einer Straftat – und vielleicht auch der Entzug der Konzession.
Jan Mai soll die Silvesterübergriffe erfunden haben. Foto: Holger Menzel Jan Mai soll die Silvesterübergriffe erfunden haben.
Frankfurt. 

Der Begriff „Fake-News“ geistert seit Wochen durch die Debatten und Feuilletons. Wenn stimmt, was die Frankfurter Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten, dann zählen auch die angeblichen Silvesterübergriffe durch Araber in der Bar „First In“ zum Genre der bewusst verbreiteten, falschen Nachrichten. Die Polizei bestätigte gestern Mittag in einer Pressemitteilung, was schon am Morgen in dieser Zeitung stand: Dass die Strafverfolger wegen Vortäuschens einer Straftat gegen den „First-In“-Betreiber Jan Mai und seine Kollegin Irina A. ermitteln.

Das Strafgesetzbuch wird es schon richten.
Vermeintlicher Sex-Mob auf der Fressgass' Kommentar: Am Ende hilft das Strafgesetzbuch

Es ist gut, dass gegen die verdrehten Wahrheiten der Silvesternacht nun Ermittlungsergebnisse auf dem Tisch liegen, die keine Deutung zulassen. Ein Kommentar vom stellvertretenden Chefredakteur Lutz Bernhardt.

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Die beiden hatten in einem großen Artikel der „Bild“-Zeitung unter der Schlagzeile „Sex-Mob tobte in der Freßgass’“ über sexuelle Übergriffe, Körperverletzungen, Diebstähle und äußerst aggressives Verhalten von Nordafrikanern und Flüchtlingen berichtet. Mai sprach von „rund 40 Arabern“, die den Gästen ihre Getränke weggetrunken und Frauen „angegrapscht“ hätten. Mais Kollegin Irina A. sagte dem Blatt: „Sie fassten mir unter den Rock, zwischen die Beine, an meine Brüste, überall hin. Mir und meinen Freundinnen.“

Seltsamerweise ließen sich die Behauptungen trotz sehr intensiver Recherchen dieser Zeitung nicht verifizieren. „Fake-News gibt es wohl nicht nur im Internet“, kommentierte die Redaktion – und erntete mitunter Spott von der scharf-rechten Seite. Gestern stellte die Polizei klar: „In der Silvesternacht gab es in der Freßgass’ keine mobartigen Übergriffe durch Massen an Flüchtlingen. Die in den Raum gestellten Vorwürfe sind haltlos und entbehren jeder Grundlage.“ Dies hätten die intensiven und umfangreichen Ermittlungen des für Sexualdelikte zuständigen Kommissariats 23 ergeben.

Notrufe überprüft

Die Polizei führt aus, dass die Kriminalpolizisten nach Bekanntwerden der angeblichen Übergriffe von Amts wegen Ermittlungen eingeleitet hätten. Die Überprüfung sämtlicher Notrufe und Einsatzprotokolle der Nacht hätten aber „keine Hinweise auf die im Raum stehenden Straftaten und den angeblichen Mob in der Silvesternacht in der Freßgass’“ ergeben. Bis heute seien keine weiteren Straftaten aus der Straße angezeigt worden.

Die Vernehmungen von Zeugen, Gästen und Mitarbeitern aus dem „First In“ hätten allerdings „erhebliche Zweifel an den dargestellten Schilderungen ergeben“. Eine angeblich betroffene Person sei zum Tatzeitpunkt „nach derzeitigem Ermittlungsstand gar nicht in der Stadt“ gewesen. (Wie berichtet, soll Irina A. den Jahreswechsel in Belgrad verbracht haben.) Die Kripo ermittle weiter und prüfe auch, ob Polizeikosten geltend gemacht werden können, heißt es.

Zuverlässigkeit erwartet

Das ist aber nicht das einzige Ungemach, das Jan Mai droht: Wie Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) gestern sagte, wird das Ordnungsamt gegen den Gaststättenbetreiber konzessionsrechtliche Überprüfungen in die Wege leiten, die zum Entzug der Konzession führen können. Von Gastronomen mit Konzession erwarte die Stadt „eine besondere Zuverlässigkeit“, sagte Frank. Wer strafrechtlich relevante Lügengeschichten erzähle, die den Frieden in der Stadtgesellschaft gefährden, dem mangele es offenbar an solcher Zuverlässigkeit.

Im Internet bat die „Bild“-Redaktion gestern unter der Überschrift „Entschuldigung in eigener Sache“ ausdrücklich um Verzeihung wegen der nicht wahrheitsgemäßen Berichterstattung und den erhobenen Anschuldigungen gegen die Betroffenen. Die Berichterstattung entspreche „in keiner Weise“ den journalistischen Standards der „Bild“. Man werde „intern klären, wie es dazu kommen konnte“.

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