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Berger Straße: Verpackungsfreies Online-Einkaufen - jetzt auch in Frankfurt

Von Verpackungsfreies Einkaufen in Frankfurt ist jetzt auch online möglich. Das Team von „gramm.genau“, das mit Geschäftsinhaberin Carolin Munte im Januar 2017 den ersten unverpackten Einkauf in der Stadt im Laden „Main Gemüse“ auf der Berger Straße realisiert hat, startete nun seinen Shop im Internet.
Bloggerin Olivia Heider hat in den letzten zwei Wochen versucht, möglichst wenig Plastik- und Verpackungsmüll zu verursachen. Es war schwerer als gedacht. Bilder > Foto: Holger Menzel Bloggerin Olivia Heider hat in den letzten zwei Wochen versucht, möglichst wenig Plastik- und Verpackungsmüll zu verursachen. Es war schwerer als gedacht.
Bornheim. 

Olivia Heider trägt bereits seit mehreren Tagen ihren Verpackungsmüll mit sich herum, eingepackt in einen schwarzen Sack. Wenn sie das erzählt, klingt es im ersten Moment ein wenig verwunderlich. Schnell klärt sie auf, was es damit auf sich hat. Es ist ein Selbstversuch, den sich die Studentin für Online-Journalismus gestellt hat. Mit ihrer Handy-Kamera dokumentiert sie, wie viel Verpackungsmüll sie in einer Woche produziert.

Der Beutel ist zur Hälfte gefüllt. „Ich habe den Müllsack während des Selbstversuches überall mit hingenommen, beim Einkaufen, beim Kaffeetrinken oder in die Uni“, erzählt Heider, die in Darmstadt studiert. So sei sie mit anderen Menschen ins Gespräch gekommen und habe mit ihnen über den Selbstversuch und das Thema Verpackungsmüll geredet. Von ihren Erfahrungen berichtet sie in den sozialen Netzwerken auf Instagram und Facebook. Sie hat alles dokumentiert, möchte davon Filme schneiden und demnächst auf Youtube stellen.

Mittlerweile ist sie am Ende des Projektes angelangt, für das sie zwei Wochen angesetzt hat. „Während ich in der ersten Woche meinen Verpackungsmüll gesammelt habe, habe ich in der zweiten Woche versucht, keinen Müll zu produzieren“, schildert sie. Das sei ihr zwar nicht ganz gelungen, dennoch habe ihr der Selbstversuch gezeigt, dass es möglich ist, den Müll zu reduzieren.

Passanten lauschen

Heider erzählt ihre Geschichte auf Einladung von Franziska Geese, Jenny Fuhrmann, Christine Müller und Tamás Erdélyi auf der Berger Straße 26 vor dem Geschäft „Main Gemüse“. Etliche Passanten hören zu. Die Vier sind die Initiatoren von „gramm.genau“, einer Initiative, die ein Konzept erarbeitet hat, mit dem verpackungsfreies Einkaufen möglich ist. Bei der Umsetzung des Konzepts kooperieren sie mit der Inhaberin des Ladens „Main Gemüse“ von Carolin Munte, die die unverpackten Waren in ihrem Geschäft in der Berger Straße 26 anbietet.

Bereits im Januar startete das Projekt, es ist das erste dieser Art in Frankfurt. Und es kommt sehr gut an. So gut, dass die Vier von „gramm.genau“ jetzt die nächste Stufe gehen können und unverpacktes Einkaufen auch im Internet möglich machen. Zum offiziellen Beginn ihres Webshops präsentieren sie die im Internet bestellbaren Produkte und das Konzept bei einer kleinen Veranstaltung vor dem Laden.

Viele Fragen hat sich das Team bei der Entwicklung des Online-Konzeptes gestellt. Die wichtigste davon lautet: „Wie bestelle ich im Internet und vermeide Müll?“ Genau das scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Denn beim Onlinehandel entsteht der meiste Müll durch die Verpackungen, so das Ergebnis ihrer Recherchen.

Die klassischen Verpackungen ersetzen sie durch Weck- und Schraubgläser, auf die pro Stück ein Pfand von einem Euro erhoben wird. Das, was von seiner Form her nicht in ein solches Glas passt, wird in kleine Papiertüten oder Stoffsäckchen verpackt. Rund 90 Produkte haben sie in ihrem Sortiment. Dazu gehören unter anderem Nüsse, Nudeln, Müsli, Gewürze, getrocknete Früchte, loser Tee, aber auch Shampoo-Bits, Seifen, Zahnputztabletten oder Bambuszahnbürsten. Sie werden in Glas, Papier oder Stoff gepackt und dann in unterschiedlich große Jutebeutel gelegt. Ab dem Mindestbestellwert von 20 Euro werden die Produkte mit dem Lastenrad zum Kunden transportiert.

Lieferung per Fahrrad

„Hierfür arbeiten wir mit Klaus Grund und seinem nachhaltigen, klimafreundlichen Lieferservice ,Sachen auf Rädern’ zusammen“, schildert Franziska Geese. Die Lieferungen erfolgen daher auch nur ausschließlich regional innerhalb der Stadt, wobei die äußeren Stadtteile nicht in den Genuss des Lieferservices kommen. Welcher Stadtteil beliefert wird, kann auf einer Karte auf der Webseite von „gramm.genau“ nachgelesen werden. Als Alternative können die Waren online bestellt und die Bestellung direkt im Laden abgeholt werden. Auch das ist möglich und spart Zeit sowie die Lieferkosten von 5,95 Euro. Bevor der Online-Shop am Wochenende offiziell startete, hatte das Team erst einmal einen Testlauf mit 43 Testkunden absolviert.

Das Team möchte mit seinen Ideen nicht den Zeigefinger erheben, sondern zeigen, wie jeder Verpackungsmüll vermeiden und damit einen so wichtigen Beitrag für die Umwelt leisten kann. „Und das“, sagt Geese, „beginnt schon mit dem eigenen Einkaufsbeutel.“ Die Ideen von „gramm.genau“ kommen sehr gut an. Fast 3000 Leute folgen den Initiatoren bereits auf Facebook.

Weitere Infos gibt es unter shop.grammgenau.de im Internet.

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