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Gespräch mit Kriminal-Forscher: Videoüberwachung in Frankfurt: "Kameras allein bringen nichts"

Von In Frankfurt geht die Diskussion über die Ausweitung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum in die heiße Phase. Die CDU will möglichst viele Standorte, die Grünen wollen möglichst wenige, und die SPD steht dazwischen. Was halten unabhängige Wissenschaftler von der Videoüberwachung? Polizeireporter Christian Scheh hat mit Dominic Kudlacek vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen gesprochen.
Dominic Kudlacek: "Videoüberwachung nutzt nur in Kombination mit Polizisten" Bilder > Foto: Arno Burgi/Symbol Dominic Kudlacek: "Videoüberwachung nutzt nur in Kombination mit Polizisten"
Frankfurt. 

Erhöht polizeiliche Videoüberwachung im öffentlichen Raum die Sicherheit? Sinkt die Kriminalität auf Plätzen mit Kameras? Dominic Kudlacek, stellvertretender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), müsste es eigentlich wissen, schließlich hat er seine Doktorarbeit und weitere Forschungstexte zum Thema „Videoüberwachung“ geschrieben.

Hoffnungen auf eine empirisch fundierte Antwort auf die Frage, ob Kameras sinnvoll sind oder nicht, zerstreut er aber sofort: „Die Datenlage ist unbefriedigend“, sagt der Soziologe. Kritiker der Videoüberwachung verwiesen in der Regel auf zwei Metastudien, die die Ergebnisse Dutzender Einzelstudien zusammenfassen. Die Meta- und Einzelstudien seien aber schon viele Jahre alt und stammten außerdem aus dem angelsächsischen Bereich. Als Grundlage für aktuelle sicherheitspolitische Diskussionen in Deutschland seien sie kaum geeignet, findet Kudlacek.

Die Position des Forschers

Die Position, zu der der Forscher nach jahrelanger Beschäftigung mit der Videoüberwachung gelangte, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Videoüberwachung kann einen Beitrag zur Reduzierung der Kriminalität leisten, wenn sie Teil eines Maßnahmenpakets ist.“ Kudlacek führt aus, „dass eine Kamera allein nichts mitbekommt, weil es sich nur um Technik handelt“. Wenn ein Polizist die Aufnahmen live beobachte und im Fall einer verdächtigen Beobachtung oder Straftat seine Kollegen an den Beobachtungsort schicke, habe das gleich eine höhere Qualität.

Den „Verdrängungseffekt“, den Kamerakritiker immer hervorheben, gebe es tatsächlich, sagt der Kriminologe. Allerdings komme es meist nicht zu einer vollständigen Verdrängung der Kriminalität an andere Orte. Grundsätzlich gelte: „Täter, die rational handeln – wie zum Beispiel Taschendiebe –, lassen sich durch eine Videoüberwachung abschrecken.“ Affekttaten wie eine Körperverletzung, die aus einem Streit resultiere, könnten Kameras dagegen nicht verhindern.

In einem Bereich sei die kriminalitätssenkende Wirkung der Videokameras so offenkundig, dass selbst Kritiker keine Zweifel mehr daran hegten, sagt Kudlacek: „Es handelt sich um die Parkhäuser, wo Kameras die Aufbrüche von Autos erheblich senken.“

Erfolge bei Fahndungen

Dass sich Terroristen von einer Videoanlage nicht von einem Anschlag abhalten lassen, sei wohl jedem klar, sagt Kudlacek. Allerdings seien die Chancen auf einen Fahndungserfolg mit Kameraaufnahmen deutlich höher als ohne. Im Falle einer flächendeckenden Überwachung, wie sie zum Beispiel an Flughäfen vorhanden sei, ließen sich fliehende Attentäter auch per Kameraüberwachung verfolgen, so dass Einsatzkräfte entsprechend dirigiert werden könnten.

Kudlacek findet, dass die Fahndungserfolge, die sich mit Kameraaufnahmen erzielen lassen, in der Diskussion über den Sicherheitsgewinn durch Videoüberwachung generell vernachlässigt werden. „Wenn die Polizei einen Straftäter festnimmt und dieser in Haft kommt, erhöht das natürlich auch die Sicherheit, weil der Täter keine Folgetaten begehen kann.“ Wissenschaftlich erfassen lasse sich dieser positive Effekt der Überwachung natürlich nicht.

Kudlacek und seine Kollegen vom KFN denken intensiv über Methoden nach, mit denen sich die Wirksamkeit der Videoüberwachung wissenschaftlich sauber evaluieren lässt. Fest steht für ihn, dass Kameras zum Beispiel auf der Domplatte in der Kölner Silvesternacht 2015/16 einen erheblichen Beitrag zur Verhinderung und Aufklärung von Straftaten hätten leisten können.

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