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Viel Herzblut für die Senioren im Stadtteil

Wenn man an einem Ort nicht mehr durch die Straßen gehen kann, ohne alle paar Meter einen Bekannten zu treffen, ist das für viele ein Zeichen dafür, dass man zu Hause ist. Ein Zuhause hat Elke Winckler in Oberrad zweifelsfrei gefunden. Am Samstag wurde sie als Oberräderin des Jahres ausgezeichnet.
Im Herzen Oberrads ein Zuhause gefunden: Elke Winckler (73) ist die Oberräderin des Jahres. 	Foto: Holger Menzel Im Herzen Oberrads ein Zuhause gefunden: Elke Winckler (73) ist die Oberräderin des Jahres. Foto: Holger Menzel
Oberrad. 

Mit viel sozialem, politischem und gesellschaftlichen Engagement heben sich Jahr für Jahr viele Bürger aus der Masse ab. Der Bürgerverein Oberrad zeichnet darum jährlich eine Person, die sich besonders für den Stadtteil verdient gemacht hat, als „Oberräder des Jahres“ aus. In diesem Jahr ist es eine Frau: Elke Winckler.

Sie ist in Oberrad inzwischen altbekannt, obwohl die gebürtige Magdeburgerin erst 1976 mit ihrem Mann und vier Kindern in den südlichen Stadtteil der Mainmetropole gezogen war. „Aus beruflichen Gründen meines Mannes kamen wir damals nach Frankfurt und sind seither im Stadtteil geblieben, mit dem wir uns noch immer sehr verbunden fühlen“, erinnert sich die heute 73-Jährige.

Ihr soziales und politisches Engagement begann mit der Geburt ihres ersten Kindes. „Ich wollte einfach, dass es noch etwas anderes in meinem Leben gibt, als Windeln wechseln und die Kinder zur Schule bringen“, sagt Winckler, die selbst als Rentnerin immer noch aktives SPD- und Arbeiterwohlfahrt-Mitglied geblieben ist. Sie begann sich zunächst politisch zu engagieren.

Nachdem die Stellen für Lehrer in den Siebzigerjahren selten waren, machte die vierfache Mutter eine Ausbildung zur Altenbetreuerin und arbeitete bis 1988 hauptsächlich in der Hauspflege. 1989 wurde sie von der Erlösergemeinde in Oberrad zur Gemeindepädagogin ernannt, ein Beruf, in dem sie bis zum Ruhestand mit viel Leidenschaft arbeitete.

Kein Grund zur Scham

Ehrenamtlich war sie schon vor der Einschulung ihres jüngsten Sohnes als Sozialpflegerin im Auftrag der Stadt Frankfurt tätig, wo sie die nötigen Erfahrungen für ihr Amt als Gemeindepädagogin sammelte. Auch für die Senioren in ihrer Kirchengemeinde setzte sie sich schon früh ein und rief mehrere Gruppen ins Leben: die „Evergreens 55 Plus“, „Alter Nativ“, eine Kartenspiel-Runde und einen Lesetreff.

Dass sie aufgrund ihres Engagements jemals eine Auszeichnung bekommen würde, damit hat die bescheidene Rentnerin nicht gerechnet. „Als mich Eugen Müller vom Bürgerverein anrief, wollte ich die Auszeichnung erst gar nicht annehmen“, erinnert sie sich an den Moment, in dem sie von ihrer Ehrung zur „Oberräderin des Jahres“ erfahren hatte. Zu groß waren die Zweifel, ob sie das tatsächlich verdient hatte. Die Scham nahm ihr letztendlich ein Telefonat mit ihrer Tochter, die ihr sagte: „Du musst dich nicht schämen.“ Für sie entschieden habe man sich, wie Eugen Müller ihr sagte, aufgrund ihrer Vorbildfunktion, die sie im Stadtteil einnehme. Sie willigte schließlich ein.

Bis heute sind Winckler und ihre Kinder in Oberrad zu Hause. Die Kinder, die inzwischen eigene Familien haben, sind dem Stadtteil treu geblieben. Winckler freut, dass ihre Familie weiterhin in der Nähe ist, nachdem ihr Mann und einer der Söhne 2004 und 2006 verstorben waren. Ihr Studium in Literatur und Geschichte an der „Universität des Dritten Lebensalters“ hat die Geschichts- und Deutschlehrerin inzwischen wegen der Enkel aufgegeben: „Die hören es gar nicht gern, wenn die Oma sagt, dass sie zur Uni muss und keine Zeit für sie hat.“

Für die nächste Generation

Vor allem mit ihrer Vierjährigen Enkeltochter verbringt sie nun als Rentnerin viel Zeit auf dem Spielplatz im Herzen Oberrads. Viele der Spielgeräte wurden in ihrer Zeit als Ortsvorsteherin des Ortsbeirats 5 für die Stadtteile Niederrad, Oberrad und Sachsenhausen erneuert, woran sie sich immer wieder erinnert. „Allein aus diesem Grund bin ich froh, dass ich mich immer wieder mit vollem Einsatz für Oberrad engagiert habe“, sagt Winckler.

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