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Teufelsaustreibung im Interconti-Hotel: Viele offene Fragen im Exorzismus-Prozess

Schneller als zunächst angenommen könnte der Prozess um die spektakuläre Teufelsaustreibung im Interconti-Hotel im Bahnhofsviertel zu Ende gehen. Verläuft alles nach Plan, wird das Urteil gegen die fünf Mitglieder einer koreanischen Familie bereits Ende Februar verkündet.
Rechtsanwalt Torsten Fuchs führt seinen Mandanten in den Gerichtssaal. Foto: Boris Roessler (dpa) Rechtsanwalt Torsten Fuchs führt seinen Mandanten in den Gerichtssaal.
Frankfurt. 

Der Zeitpunkt des Urteils ist absehbar; was drinstehen wird, das ist allerdings nach wie vor offen. Nach 14 Verhandlungstagen seit Mitte Oktober steht eigentlich nur fest, dass es sich bei den geheimnisvollen Vorgängen im Zimmer 433 des Interconti-Hotels tatsächlich um eine Teufelsaustreibung nach „koreanischem Ritus“ gehandelt hatte. Staatsanwältin Sandra Dittmann hat jedenfalls keinerlei Zweifel an der Wahrheit der Aussagen, die zunächst einer der beiden jugendlichen Mitangeklagten und wenige Tage später seine ebenfalls auf der Anklagebank sitzende Mutter gemacht hatte.

Qualvoller Tod

Beide ließen über ihre Verteidiger erklären, dass das spätere Opfer massiv vom Teufel besessen gewesen und deshalb mit Schlägen und Tritten, aber auch mit Würgen und Festhalten bearbeitet worden sei. Die 41-Jährige starb bei dem Exorzismus im Dezember 2015 qualvoll den Erstickungstod. Aufgrund dieses Umstandes könne noch immer eine Verurteilung der fünf Angeklagten wegen gemeinschaftlichen Mordes in Frage kommen, sagt Staatsanwältin Dittmann. Als Mordmerkmal komme dann die „besondere Grausamkeit“ in Betracht.

Dass es aber nicht so einfach sein wird, den Angeklagten auch subjektiv die Tat nachzuweisen, also einen wie auch immer gearteten Tötungsvorsatz abzuleiten, sieht auch die Anklagevertreterin. Prozessbeobachter stellen sich spätestens nach den Einlassungen von vier Mitangeklagten – der fünfte will dem Vernehmen nach noch in dieser Woche aussagen – die Frage nach der Motivlage. Warum sollte die Verwandte eigentlich getötet werden. Gab es Streit? Oder stand sie anderweitigen Beziehungen im Weg? Warum sollte dann der eigene, gerade 15 Jahre alte Sohn mit dabei sein, wenn die Tötung der Frau von langer Hand geplant wurde? Und: Warum zog man von dem zuvor angemieteten geräumigen Haus in Sulzbach ausgerechnet in das kleine und besonders hellhörige Hotelzimmer im Bahnhofsviertel? Die Mitangeklagten bestreiten jeden Tötungsvorsatz bei dem Exorzismus entschieden.

Der Spuk, der schon in Sulzbach mit klopfenden Heizungsrohren begonnen hatte, sei außer Kontrolle geraten. Man habe der Frau den Satan austreiben wollen, ohne aber zu wissen, wie dies eigentlich geht. Deshalb sei geschlagen und getreten worden. Die Knebelung mit einem Tuch und einem Kleiderbügel sei nur deshalb vorgenommen worden, um die Frau vor Eigenverletzungen zu bewahren. Bis zuletzt sei man davon ausgegangen, dass sie nicht tot sei, sondern nur schlafe.

Gutachten abwarten

Rechtlich könnte dies in einer Verurteilung wegen Körperverletzung (vorsätzlich) mit Todesfolge (fahrlässig) enden, die immerhin auch mit drei bis 15 Jahren strafbewehrt ist. Darüber hinaus kommen auch Totschlag oder einfache Körperverletzungen (für weniger aktiv gewesene Mitangeklagte) in Frage. „Wir wollen erst noch die noch ausstehenden Einlassungen sowie das psychiatrische Gutachten abwarten, bis wir uns eine abschließende Meinung bilden“, sagt Dittmann, die mit einer Kollegin die Anklage vertritt. Fest steht bislang nur, dass es einer der ungewöhnlichsten Kriminalfälle in Frankfurt war, mit dessen juristischer Aufarbeitung der Vorsitzende Richter Ulrich Erlbruch seine Laufbahn am Dienstag, 28. Februar, beenden wird.

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