Vielflieger als Airport-Gegner

Als Provokation empfanden Flughafen-Gegner die Werbung für die Initiative "Ja zu FRA!", die die Lufthansa gestern an Kunden verschickt hat. Dabei gingen die E-Mails nur an besonders treue Kunden.
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Frankfurt. 

"Mit etwas Sensibilität hätten Ihre Mitarbeiter über meine Postadresse erkennen können, dass mich Ihr Schreiben eher provoziert als überzeugt", schrieb ein Flörsheimer gleich gestern Morgen empört an die Lufthansa. Dass die Airline ausgerechnet ihm, der seit der Eröffnung der neuen Landebahn vom Lärm der Flugzeuge geplagt ist, eine Werbe-E-Mail für ihre Kampagne "Ja zu FRA!" schickt, fand der Familienvater mehr als unangebracht.

Adressen missbraucht?

Auch andere brachte das Anschreiben, das vom Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Christoph Franz unterzeichnet ist und unter anderem für die Teilnahme an der Pro-Flughafendemonstration am 1. März auf dem Römerberg wirbt, auf die Palme. Lufthansa verwende illegal Kundendaten, wenigstens aber missbrauche das Unternehmen die Adressen für sein Krisenmanagement, lautete der Vorwurf. Schon wer nur einmal online gebucht habe, werde nun mit Werbe-Mails zugunsten des umstrittenen Flughafens belästigt. Nicht nur der Flörsheimer Familienvater schickte postwendend eine gepfefferte Antwort an die Fluglinie.

Für treue Kunden

Die hingegen versichert, die Empfänger ihres Schreibens durchaus sorgsam ausgesucht zu haben. Bei weitem nicht jeder, sondern nur besonders treue Kunden seien angeschrieben worden: "Diese E-Mail wurde nur an unsere Vielflieger verschickt, also Leute, die regelmäßig mit uns fliegen", erklärte Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. Auch der Flörsheimer Familienvater ist nach eigenen Angaben "Miles & More"-Kunde, was auf mehr als einen Urlaubsflug im Jahr schließen lässt. Zusätzlich, so ergänzt Bärwalde, hätten alle Empfänger einmal eingewilligt, "dass wir sie zu und rund um Lufthansa informieren dürfen".

Unter ihren Vielfliegern dürfte die Lufthansa weniger Flughafen-Gegner vermutet haben. Obwohl man weiß, dass unter den Kunden sehr wohl Anwohner aus der Region sind, denen der Krach am Himmel wie allen anderen zu schaffen macht, sowie sie zu Hause und nicht im Flieger sitzen. "Wir sind aber nach wie vor überzeugt, dass es eine große schweigende Mehrheit gibt, die den Flughafen und auch den Ausbau befürwortet", so Bärwalde.

Diese wollen Lufthansa und Fraport mit der Kampagne "Ja zu Fra!" mobilisieren, zur Pro-Flughafen-Demo zu kommen. "Wir rechnen mit mehreren tausend Teilnehmern", so Bärwalde.ing

(Inga Janovic)
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