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Gastro-Kolumne: Volksnah im neuen „Salon“

Svenja Schneider und Solomon Haile servieren Köstlichkeiten im neuen „Frankfurter Salon“ in der Braubachstraße. Foto: Holger Menzel Svenja Schneider und Solomon Haile servieren Köstlichkeiten im neuen „Frankfurter Salon“ in der Braubachstraße.
Frankfurt. 

Im „Frankfurter Salon“ können die Gäste keine silbernen, sondern goldene Löffel klauen. Was aber wirklich sehr schade wäre, weil das Besteck aufs Trefflichste mit dem leicht antiquierten Service harmoniert, das zur Ausstattung des neuen Lokals nahe der Paulskirche zählt. Von den Tellern mit Goldrand dürften schon jene illustren Persönlichkeiten gegessen haben, die einst bei Clotilde Koch ein und aus gegangen sind – die gebürtige Frankfurterin lebte im 19. Jahrhundert und hat am Vorabend der Deutschen Revolution einen sogenannten Salon unterhalten. Dort brachte sie freiheitlich denkende Politiker aus verschiedenen Lagern zusammen. Bei Speis und Trank diskutierten sie gemeinsam über die Zukunft von Stadt und Land.

Die Idee des Salons möchte der gastronomische Neuzugang wiederbeleben – allerdings mit einer entscheidenden Veränderung. „Salons hatten einen zwar liberalen, aber auch elitären Charakter“, weiß Peter Hovermann. „Wir dagegen wollen einen Ort bieten, an dem sich jeder willkommen fühlt.“

Andrea Möller Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Andrea Möller
Mit „wir“ meint er den Frankfurter Verein: Die im Bereich der Sozialarbeit tätige Organisation, zu deren Vorstand er gehört, fungiert als Betreiberin. Wobei er das gar nicht an die große Glocke hängen will. Das gilt auch für die Cafés „Basaglia“ (Westend) und „McNair“ (Höchst), die bereits zum Portfolio gehören. Der „Frankfurter Salon“ ist vergangenen Juli dazugekommen und steht allen offen. Alt- und Neubürgern genauso wie Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. „Wir möchten diese Leute zusammen- und miteinander ins Gespräch bringen“, betont Hovermann.

Der passende Standort dafür findet sich in der Braubachstraße. Eigentümerin ist die Stadt, die sich dafür eingesetzt hat, dass es in der dank der neuen Altstadt und schicker Galerien hochgerüsteten Meile neben dem Römerberg auch etwas mit sozialem Charakter gibt. Weshalb die Verwaltung dem Frankfurter Verein bei der Pacht entgegengekommen ist. „Im Prinzip handelt es sich um eine reine Kostenmiete, die wir aber erst einmal erwirtschaften müssen“, so Hovermann. Und zwar mit einer Mischung aus Kaffeehaus, Volksküche und Bühne.

Die früheren Räume des „Fotografie Forums Frankfurt“ bieten genug Platz dafür. Bilder, die auf aktuelle Ausstellungen des Vorgängers hinweisen, haben dort immer noch einen festen Platz. Ansonsten ist unter der hohen Decke wenig beim Alten geblieben. „Die Renovierung haben die Werkstätten für Behinderte und sozialwirtschaftliche Betriebe übernommen.“ Und sie leisteten gute Arbeit.

In dem blau gestrichenen Gastraum mit seinen Gemälden, die verschiedene Epochen der Salonmalerei zeigen, sowie den Tischen und Stühlen, Sesseln und Sofas, werden Frankfurter Klassiker und demnächst auch orientalische Spezialitäten serviert – „das alles zu volksnahen Preisen“, sagt Hovermann. Es gibt Tagesgerichte in kleinen Gläsern, darunter eine Grüne Soße, so frisch, sämig und aromatisch, dass sie ihrem Namen alle Ehre macht (mit Ei und knusprigem Brot für 3,50 Euro). Wechselnde Quiches, die etwa voller Lauch und Pilze stecken (3,50 Euro), finden sich gleichfalls auf der Speisekarte. Suppen und Eintöpfe wie appetitlich duftendes und schmeckendes Chili con Carne (5,20 Euro) und in Kürze auch Frühstück ergänzen das kulinarische Angebot.

Die Gerichte lassen ein Küchenteam erkennen, das mit viel Engagement bei der Sache ist. „Wir werden täglich von Behinderteneinrichtungen beliefert. Sie verfügen über professionelle Küchen und verarbeiten Produkte aus der Region, beispielsweise vom ,Bärengarten’ in Oberrad“, erklärt Melanie Haas, Projektleiterin des „Frankfurter Salons“. Mit Fruchtsäften und Apfelwein (herb und würzig, weil traditionell angebaut) beliefert sie die Bioland-Mosterei „Roter Hamm“.

Zu Kuchen und Torten lassen sich die Gäste lieber den Biokaffee der „Rösterei Basaglia“ schmecken. Dieser Betrieb gehört ebenfalls zum Frankfurter Verein. „Wer möchte, kann Gästen, die kein Geld haben, eine Tasse sponsern“, so Hovermann – der übrigens auch Veranstaltungen plant.

Lesungen mit jungen Lyrikern sollen genauso auf dem Programm stehen wie Konzerte. Auf dem Pianoforte hinter den Bogenfenstern hat bereits der Frankfurter Chansonier Harald Lange gespielt. „Für die Veranstaltungen, die wir durchführen, verlangen wir entweder keine oder sehr niedrige Eintrittspreise“, so Hovermann Das ist doch mal ein tolles und rundes Konzept.

Frankfurter Salon

Altstadt, Braubachstraße 32, Telefonnummer (0173) 707 95 56, www.frankfurtersalon.de, Mo–Fr 10–18 Uhr,
Sitzplätze: 65 innen / 16 außen

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