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Verein für Historische Eisenbahnen: Volle Fahrt voraus: Jetzt dampfen sie wieder in den Taunus

Von „Mit Volldampf in den Taunus“ startet der Verein Historische Eisenbahn an Pfingsten zwischen Höchst und Königstein in die diesjährige Saison.
Wenn Gerhard Schneider den Hebel umlegt, setzt sich die Dampflok in Bewegung. Wenn Gerhard Schneider den Hebel umlegt, setzt sich die Dampflok in Bewegung.
Ostend. 

Schutzbrille, -anzug und Plackerei bei Feuer und Schweiß gehören für Christian Ohler zum Berufsalltag. Und doch ist der Feuerwehrmann als Heizer der Historischen Eisenbahn strenggenommen der richtige Mann am falschen Ort. „Denn mein Job ist es ja, Feuer zu bekämpfen, nicht zu legen“, sagt er.

Auf 1300 Grad

Doch lange bevor das Feuer für die Dampflokomotive geschürt werden kann, ist zunächst eine andere mühevolle Arbeit angesagt: „Zunächst muss ich die Schlacke aus der Feuerbüchse im Verbrennungsraum herauskratzen.“ Denn erst einen Tag vor Fahrtbeginn am Pfingstsonntag werden die beiden Dampflokomotiven von 1934 und 1943 in der Werkstatt des Vereins in der Intzestraße auf bis zu 1300 Grad hochgeheizt, um am Pfingstsonntag, 20. Mai, und Pfingstmontag, 21. Mai, von 10.25 Uhr bis 18.27 Uhr knapp 35 Minuten zwischen Frankfurt-Höchst und Königstein zum dortigen Bahnhofsfest zu verkehren und von 9.42 Uhr bis 17.39 Uhr von Königstein in die Gegenrichtung. Für die vollständige Fahrt mit Personenwaggons der Nachkriegszeit mit insgesamt 450 Sitzplätzen sind 10 Euro zu bezahlen (ermäßigt 5 Euro), nach Kelkheim oder Hornau kostet es jeweils 6 Euro (ermäßigt 3 Euro, Hotline 0180/60 50 400).

„Unsere beiden Diesellokomotiven von 1950 starten bereits um 10 Uhr am Eisernen Steg und um 10.59 Uhr in Griesheim, abends fahren wir um 17.19 in Höchst und 17.31 Uhr in Griesheim zurück zum Eisernen Steg“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Florian Faust. Um dieses Programm zu stemmen, sind bis zu 30 aktive Mitglieder der Historischen Eisenbahngesellschaft bei den Sonderfahrten und schon viele Tage zuvor bei den Vorbereitungen eingespannt. Allein um die beiden Dampflokomotiven auf die nötige Betriebstemperatur zu bringen, müssen etliche Paletten zu Brennholz kleingehackt werden. „Wartungen, Reparaturen, alles erledigen wir selber, dazu die Koordinierung mit den übrigen Bahngesellschaften und Behörden, um die Fahrpläne zu erstellen“, sagt Faust.

Doch die Faszination Dampf- und Dieselbahn zieht sie alle in den Bann. Manche der Mitglieder stammen aus traditionellen Eisenbahnerfamilien, andere haben über die Modelleisenbahn oder wie Ohler über die Feuerwehr ihre Leidenschaft für Feuer und Dampf entdeckt. Oder über eine romantische Fahrt wie Jan Dorau: „Ich habe an einem Fahrtag die imposanten Loks auf den Strecken erlebt und viele nette Mitglieder des Vereins kennengelernt, die mich schnell zum Beitritt überreden konnten.“

Genug zu tun gibt es, denn die Eisenbahner erwarten an Pfingsten 8000 bis 10 000 Fahrgäste, die auch dringend benötigt werden. Denn wie teuer dieses Hobby ist, weiß Kassiererin Tanja Bumann: „An den Pfingsttagen benötigen wir 20 Tonnen Kohle für die Dampfloks, zusammen mit dem Diesel ergeben sich Betriebskosten von rund 40 000 Euro.“ Die jährliche Pacht an die städtische Hafenbahngesellschaft liegt im mittleren Fünfstelligen, die städtische Unterstützung für den Verein liegt darunter. Und die alle sechs Jahre fällige Hauptuntersuchung einer Lok schlägt mit rund 500 000 Euro zu Buche.

Eigene Lokführer

Dafür geht es um das Erbe der Deutschen Bundesbahn, die 1977 den Dampfverkehr einstellte. Ein Jahr später wurde der Verein gegründet, der Bundesbahn- ebenso wie Reichsbahnloks ankaufte und seitdem pflegt und erhält. „Dafür unterhalten wir die Werkstatt und bilden auch eigene Lokführer und Heizer aus, um die Fahrzeuge zu betreiben“, sagt der Vorsitzende Björn Bohländer. Klar, dass den aktiven Eisenbahnern dann nicht mehr sehr viel Zeit für andere Hobbys bleibt – doch ihre Leidenschaft ist ihnen Schweiß und Mühe wert.

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