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Institut für Stadtgeschichte: Vom Messeort zur Metropole

Von Flughafen, Frankfurter Kreuz, Berliner Straße: Am Tag der Archive ging es im Institut für Stadtgeschichte für 300 Besucher um den Wandel Frankfurts zum modernen Verkehrsknotenpunkt.
Kurator Tobias Picard zeigte und erläuterte den Fluchtlinienplan rund um die Berliner Straße in den 1950er Jahren. Foto: Leonhard Hamerski Kurator Tobias Picard zeigte und erläuterte den Fluchtlinienplan rund um die Berliner Straße in den 1950er Jahren.
Innenstadt. 

Helga und Siegfried Paul staunen nicht schlecht: Eine freundliche Stewardess winkt am Eingang ihrer Maschine, junge Badefrauen laden verführerisch zum Flug in die Seebäder ein. Die bunt bemalten Werbeplakate der Lufthansa stammen bereits aus den späten 1920er Jahren, als der Flugplatz noch am Rebstock war. „Interessant, wie sich Frankfurt seitdem zur überschaubaren Metropole entwickelt hat“, findet Helga Paul.

„Mobilität im Wandel“ hieß das bundesweite Thema zum Tag der Archive. Im Lesesaal des Instituts für Stadtgeschichte reihten sich Faksimiles mittelalterlicher Urkunden, Verkehrspläne, Plakate zur Flugwerbung und Rettung der Straßenbahn sowie Archivmappen zur Geschichte des Flughafens aneinander. Eine kleine Auswahl von über 300 000 Fotografien und 25 Regalkilometern Akten, die das Archiv trotz Kriegszerstörungen heute umfasst.

„Wir, Ludovich von Gottes Gnaden, tun oeffenleich chunt…“, versuchte Renate Ullrich einen mittelhochdeutschen Text zu entziffern: König Ludwig der Bayer tut 1330 öffentlich kund, dass er Frankfurt eine Frühjahrsmesse gewährt – das zweite Messeprivileg nach dem Schutzbrief Friedrichs II. für Messekaufleute aus dem Jahr 1240. „Solche Dokumente sind spannend, das mit der Sprache nehme ich eher sportlich“, schmunzelte Ullrich.

Frühe Verkehrsprobleme

Nebenan zeigte die Archivarin Claudia Schüßler mehrere Imagefilme aus den vergangenen Jahrzehnten, die die Mainmetropole als Verkehrsknotenpunkt bewerben. Ein kritischer Beitrag aus den 1960er Jahren dokumentiert Blumen und Springbrunnen, die es damals noch am Hauptbahnhof gab. Picard erklärte in der Ausstellung „Schauplätze. Frankfurt in den 50er Jahren“ die Verkehrsprobleme der Nachkriegszeit. „Schon in den 1930er Jahren sprengte der Verkehr die Straßen der Altstadt.“ Schließlich habe die Stadt, die aus dem frühmittelalterlichen Königshof „Franconofurd“ entstand, immer von ihrer zentralen Position in Mitteleuropa profitiert. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg sollten für den Individualverkehr neue Verkehrsachsen erschlossen werden.

Auf eine Vorlage von 1948 geht schließlich der Fluchtlinienplan von 1952 zurück, der neue Bebauungen und Straßenverläufe auf einem noch historischen Stadtplan erkennen lässt. „Man hat die Skizze einfach über die alte Karte gelegt“, sagte Picard. Es war die Geburtsstunde der Berliner Straße, die mit ihrem vierspurigen Ausbau endlich die neuen Verkehrsströme bewältigen sollte und derzeit mit ihrer Reduzierung der Fahrspuren Teil des Frankfurter Innenstadtkonzepts ist.

Historisches geopfert

„Wobei man allerdings in der Innenstadt lieber auf Ampeln und Linksabbieger als auf Kreisverkehr setzte“, erläuterte Picard. Und verwies auf Verkehrssendungen wie „Der siebte Sinn“, die den Autofahrern das Reißverschlussverfahren erklären sollten.

Doch der Berliner Straße wurden zahlreiche Altstadthäuser, die alte Weißfrauenkirche und die Französisch-Reformierte Kirche geopfert. Orte, die bei der Aufnahme französischer Glaubensflüchtlinge durchaus eine Rolle spielten, wie ein handgeschriebenes Distributionsbuch von 1687 bis 1694 im benachbarten Lesesaal zeigte.

Parallel zum Ausbau des Stadtverkehrs wuchs der Flughafen, der 1935 auf dem heutigen Gelände eröffnet und schon bald von den ersten Düsenflugzeugen angeflogen wurde. „Wenngleich ein Flug von Frankfurt nach New York damals das Jahresgehalt eines Arbeiters kostete“, wie Picard betonte. Das 1956 eröffnete Frankfurter Kreuz wird heute von durchschnittlich 335 000 Fahrzeugen pro Tag passiert. Siegfried Paul zog Vergleiche zum Berliner Ring, den der gebürtige Brandenburger noch zu DDR-Zeiten erlebte. Picard erinnerte auch an die Automobile der Frankfurter Adlerwerke und die Vespa, die als erster Motorroller auch von Frauen in Röcken bequem bestiegen werden konnte.

Thomas Bauer ging in seinem Vortrag „Die beste Schifffahrtsstraße der Welt“ schließlich auf die Bedeutung der Mainschifffahrt ein und erklärte Christian Georg Schütz’ bekanntes Bild „Frankfurter Weinmarkt von Osten“, das den historischen Innenstadthafen um 1760 zeigt: „Damals war der Main wichtig, seit Jahrhunderten verkehrte täglich ein Marktschiff zwischen Frankfurt und Mainz.“ Durch die Konkurrenz der Eisenbahn und die Kanalisierung des Rheins, die zu einem stetigen Sinken des Mainpegels führte, verlor der Schiffsverkehr im 19. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung – bis der Westhafen 1886 eröffnet wurde.

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