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Cargo-City-Prozess: Von Diven, Mobbing und Schmiergeld

Von Im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ ist gestern eine Juristin befragt worden, die bei der Fraport eng mit dem nunmehr angeklagten Abteilungsleiter Volker A. zusammenarbeitete. Am Ende des Verhandlungstages stand eine Überraschung.
Bei der Entwicklung der »Cargo City Süd« ging offenbar nicht alles mit rechten Dingen zu. Bilder > Foto: Fraport (Fraport) Bei der Entwicklung der »Cargo City Süd« ging offenbar nicht alles mit rechten Dingen zu.
Frankfurt. 

Dass sie in geschäftlichen Dingen eine knallharte Verhandlungspartnerin sein kann, deutete Gitta M. gestern zwar an, die 48 Jahre alte Juristin hätte aber auch ganz von selbst diesen Eindruck erweckt. Als Zeugin im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ geriet die ehemalige Fraport-Bereichsleiterin im Laufe des Verhandlungstages kein einziges Mal ins Stottern. Klar und geradeheraus antwortete sie auf die Fragen des Landgerichts, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Dabei scheute sie auch nicht davor zurück, zwischenmenschliche Schwierigkeiten zu thematisieren.

So gab sie offen zu, dass sie sich als Geschäftsführerin einer Fraport-Enkelgesellschaft in „schwierigen Verhandlungen“ mit dem prominenten Projektentwickler Jürgen Harder die Hilfe des nunmehr angeklagten Fraport-Abteilungsleiters Volker A. holte. In den Verhandlungen, die sich um ein Grundstück auf dem sogenannten Mönchhof-Gelände (Raunheim/Kelsterbach) drehten, habe sie sich mit Harder „oft auch ziemlich gestritten“. A., der einen guten Draht zu dem Investor hatte, habe „beschwichtigt“ und als Vermittler zwischen den Verhandlungspartnern gewirkt.

 

Hoher Quadratmeterpreis

 

„Wir waren beide ein bisschen divenhaft“, sagte Gitta M. rückblickend über sich und Harder. Hauptgrund für die Meinungsverschiedenheiten war offenbar der Quadratmeterpreis für das Mönchhof-Grundstück, den die Geschäftsführerin mit genau 200 Euro und somit aus Harders Sicht zu hoch ansetzte. Der Projektentwickler und sein Geschäftspartner Kai B. zahlten letztlich 195 Euro pro Quadratmeter für das Grundstück.

Wie beim Cargoport-Geschäft mit der gleichnamigen Firma Ardi Goldmans (wir berichteten) sollen der Fraport-Angestellte Volker A. und der Makler Uwe S. auch beim Mönchhof-Deal Schmiergeld eingestrichen haben. Im Gegenzug soll sich A. Fraport-intern dafür eingesetzt haben, dass Harder und sein Kompagnon den Zuschlag für das gewünschte Grundstück erhielten.

Gitta M. gab gestern zu Protokoll, zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses im Jahr 2008 nichts von dem Volker A. zugedachten Schmiergeld gewusst zu haben. Erst zwei Jahre später habe sie davon erfahren. „Ich war sehr entsetzt, dass er mich da so hintergangen hat“, sagte Gitta M., die mit A. nicht nur jahrelang zusammenarbeitete, sondern auch befreundet war. A. habe sie bei einer Aussprache um Verständnis gebeten und gesagt, „dass er auch Geld verdienen müsse“.

Gitta M. hatte nach strukturellen Veränderungen bei der Fraport den Eindruck, dass Volker A. „rausgemobbt“ werden sollte. Die neuen Vorgesetzten hätten ihn trotz seiner Expertise in Sache „Cargo City Süd“ nicht mehr gefragt und eingebunden, außerdem seien A. Tantiemen zusammengestrichen worden. Nach außen habe er immer stark getan, bei ihr als Freundin habe er aber „schon mal das Herz ausgeschüttet“. Insgesamt habe A. unter der Situation ziemlich gelitten.

 

Juristischer Hinweis

 

Der gestrige Verhandlungstag endete mit einer Überraschung: Der Vorsitzende Richter Christopher Erhard gab Ardi Goldman, Uwe S., Volker A. und Kai B. einen Hinweis gemäß Paragraf 265 der Strafprozessordnung (StPO). Dies geschieht in der Regel, um Angeklagte auf eine „Veränderung des rechtlichen Gesichtpunktes“ hinzuweisen. Sie dürften ansonsten nämlich nur wegen des in der Anklage angeführten Strafgesetzes verurteilt werden.

Was die vier genannten Angeklagten angeht, sieht der Richter nach den bisherigen Prozesstagen offenbar neue, relevante Aspekte und womöglich auch andere Urteilsvarianten. Konkrete Paragrafen des Strafgesetzbuchs werden in dem Hinweis zwar nicht genannt. Allerdings wird in dem Papier deutlich, dass der Richter die für Ardi Goldman belastende Einlassung des Maklers Uwe S. für relativ glaubwürdig hält. Der Einlassung zufolge hat Goldman die Schmiergeldzahlungen billigend in Kauf genommen.

Außer konkretisierten Vorwürfen gegen Goldman enthält der Hinweis auch solche gegen die drei anderen Angeklagten, zum Beispiel zum Vorwurf der Beihilfe. Der Korruptionsprozess wird am Dienstag im Landgericht fortgesetzt.

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