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150 Jahre Polizeipräsidium: Von Huren und anderen Skandalen

Von Der Einmarsch der Preußen am 16. Juli 1866 war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Frankfurts, bedeutete er doch das Ende der Freien Stadt. Otto von Bismarck, Ministerpräsident des Königreichs Preußen, zeigte dem „Demokratennest“ sogleich, was unter preußischer Zucht und Ordnung zu verstehen war: Zu seinen Maßnahmen gehörte die straffe Organisation der Frankfurter Polizei. Der damaligen Umstrukturierung ist auch zu verdanken, dass es seit nunmehr 150 Jahren in Frankfurt ein Polizeipräsidium gibt.
Das neue Domizil an der Adickesallee wurde 2002 bezogen. 3700 Polizeibeamte arbeiten mittlerweile hier. Bilder > Das neue Domizil an der Adickesallee wurde 2002 bezogen. 3700 Polizeibeamte arbeiten mittlerweile hier.
Frankfurt. 

Am frühen Morgen des 24. Juli 1866, acht Tage nach der Besetzung der Stadt durch die Preußen, ging der Frankfurter Bürgermeister Victor Fellner in seinen Garten in der Seilerstraße. Es war sein 59. Geburtstag. Und es wurde auch sein Todestag. Die Preußen hatten von Fellner eine Liste mit den Namen aller Senatsmitglieder verlangt, um diese zur Rechenschaft zu ziehen. Weil der Bürgermeister nicht zum Verräter werden wollte, erhängte er sich an jenem Morgen. Wie beliebt Fellner in der rund 80 000 Einwohner zählenden Stadt war, wurde bei seiner Beerdigung deutlich. Obwohl diese von den Preußen frühmorgens um 4.30 Uhr angeordnet worden war, gaben etwa 6000 Frankfurter ihrem Bürgermeister das letzte Geleit.

Durch seinen Freitod musste Fellner nicht miterleben, wie die Preußen ausgerechnet neben dem Römer das neue Polizeipräsidium schufen. Am 29. September 1867 wurde die Einrichtung der obersten Dienststelle mit einer „Allerhöchsten Verordnung“ rechtskräftig. Sitz des Präsidiums war der sogenannte Clesernhof in der Karpfengasse. Ein Jahr nach der Umstrukturierung wurde erstmals ein Polizei-Etat aufgestellt. Er listet 114 Mitarbeiter auf – vom Polizeipräsidenten bis hin zu 74 Schutzleuten. Heute ist das Frankfurter Polizeipräsidium an der Adickesallee mit mehr als 3700 Mitarbeitern das größte der sieben hessischen Präsidien.

Erster Umzug

1888 zog das Frankfurter Polizeipräsidium erstmals um. In zweijähriger Bauzeit war an der Zeil/Ecke Klingerstraße ein prächtiges Gebäude entstanden. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Stadt schnell, hatte 1910 bereits über 410 000 Einwohner. Die Polizei brauchte daher mehr Personal und ein größeres Präsidium. Dieses wurde an der Hohenzollernstraße (heute Friedrich-Ebert-Anlage) gebaut und 1914 bezogen. Hier war das Präsidium bis zum Umzug an die Adickesallee im Jahr 2002 zu finden. Das alte Gebäude steht seitdem leer, das Land Hessen als Eigentümer sucht nach wie vor einen Käufer.

Bürger können einen Blick hinter die Fassade werfen

Mit einem Tag der Offenen Tür feiert das Polizeipräsidium 150-jähriges Bestehen. Am Samstag, 24. Juni, sind von 13 bis 19 Uhr Polizisten für die Bürger Frankfurts da, beantworten Fragen, sorgen aber auch für Sicherheit.

clearing

Der erste Frankfurter Polizeipräsident Guido von Madai (1810-1892) wurde am 1. Oktober 1867 in sein Amt eingeführt. Der heutige Polizeichef Gerhard Bereswill ist inzwischen der 24. Präsident. Einer von ihnen musste sogar ins Gefängnis: Willy Klapproth (1892-1967), der von 1946 bis 1951 Polizeipräsident Nummer 15 war. Er konnte den Verlockungen der Asservatenkammer nicht widerstehen, wo sich Riesenmengen sichergestellter Waren vom Schwarzmarkt stapelten. „Vier bis sechs Päckchen“ beschlagnahmter Zigaretten habe er sich von den Beamten „ausgeliehen“ und wieder zurückgegeben, wie Klapproth vor Gericht aussagte. Im Prozess stellte sich jedoch heraus, dass der Polizeipräsident in Wahrheit drei Jahre lang Zigaretten „ausgeliehen“ hatte. Wegen Meineids wurde er im Juni 1951 zu zehn Monaten Haft verurteilt, von denen er nur vier Monate verbüßen musste. Nach der Haftentlassung tingelte Klapproth als Kaffeevertreter durch die Stadt.

Sexskandal

Vor 60 Jahren sorgte die Ermordung der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt für den ersten großen Sexskandal im Wirtschaftswunder-Deutschland. Als „Mannequin“ stand die junge blonde Frau, die sich „Rebecca“ nannte, im Frankfurter Telefonbuch, für ihre Liebesdienste war sie stadtbekannt. Am 1. November 1957 lag die Luxus-Hure erwürgt in ihrem Appartement in der Stiftstraße am Eschenheimer Turm. Sie wurde nur 24 Jahre alt. Ihr Markenzeichen war ein schwarzer Mercedes 190 SL mit roten Ledersitzen und Weißwandreifen, mit dem „die Nitribitt“ auf Freiersuche durch Frankfurt fuhr. Brisant war das Notizbuch des Callgirls mit Code- und Kosenamen ihrer Liebhaber. Viele Prominente – Politiker, Stars, Wirtschaftsbosse – sollen darunter gewesen sein. Der Mord an Rosemarie Nitribitt wurde nie aufgeklärt, doch ihr Tod hat sie unsterblich gemacht.

Zu den schockierendsten Kapiteln in der jüngeren Frankfurter Kriminalgeschichte zählen die Gewaltverbrechen an Tristan Brübach und Jakob von Metzler.

Am Nachmittag des 26. März 1998 wurde die verstümmelte Leiche des 13-Jährigen Tristan aus Frankfurt in einer Unterführung des Liederbachs westlich des Höchster Bahnhofs gefunden. Der Junge starb durch einen Schnitt in den Hals. Der Mörder hatte Körperstücke des Toten herausgeschnitten und mitgenommen. Die Polizei ist vielen tausend Hinweisen nachgegangen, hat mit Flugblättern und in Fernsehsendungen gefahndet, Reihenuntersuchungen von Fingerabdrücken vorgenommen – alles ohne Erfolg. Tristans Mörder wurde bis heute nicht gefasst.

Entführung

Die ganze Stadt bangte viereinhalb Jahre später um das Leben des entführten Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler – vergebens. Der Elfjährige wurde am 27. September 2002 von dem Jurastudenten Magnus Gäfgen ermordet. Der 27-Jährige lockte Jakob in seine Wohnung in Sachsenhausen und erstickte das Kind dort. Nach der Tat täuschte der Student vor, dass der Junge noch lebe, forderte eine Million Euro Lösegeld und die Eltern zahlten. Bei der Geldübergabe wurde Gäfgen von der Polizei observiert. Nachdem es danach jedoch keinerlei Anhaltspunkte gab, den Jungen noch lebend zu finden, wurde Gäfgen festgenommen. Der Mörder führte die Beamten schließlich zur Leiche Jakobs – sie lag in einem Weiher bei Birstein. Gäfgen wurde 2003 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

In der „Kriminaltechnischen Lehrmittelsammlung“ des Frankfurter Polizeipräsidiums, besser bekannt als Kriminalmuseum, sind zahlreiche Verbrechen in Frankfurt dokumentiert. Am Tag der offenen Tür am Samstag, 24. Juni, (siehe nebenstehenden) Text können die Besucher auch hier hinter die Kulissen schauen.

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