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Von Kalabrien nach Bernem gezogen

Von Das Gemeinschaftsprojekt „Ciao Italia. Willkommen Frankfurt-Bornheim“ hat die Schüler der Klasse Granat der IGS Herderschule einander näher gebracht.
Ihr Buch stellten (v.l.) Yassin 14, Aleyna (14), Sigrid Schlesinger, Niklas (14) und Sara (14) vor.	Foto: Christes Ihr Buch stellten (v.l.) Yassin 14, Aleyna (14), Sigrid Schlesinger, Niklas (14) und Sara (14) vor. Foto: Christes
Ostend. 

Die Aula der IGS Herderschule füllt sich allmählich. Auf der Bühne steht eine Leinwand, auf die Fotografien projiziert werden. Hierauf zu sehen sind Mädchen und Jungen der Klasse Granat, die konzentriert schreiben oder miteinander diskutieren. Die Aufnahmen dokumentieren den Entstehungsprozess eines Gemeinschaftsprojekts, für das die Achtklässler sich in den vergangenen knapp sechs Monaten nicht nur im Unterricht, sondern auch in ihrer Freizeit sowie in den Herbst- und Weihnachtsferien engagiert haben: „Ciao Italia. Willkommen in Frankfurt-Bornheim“ lautet der Titel ihres ersten Buches, das sie beim Tag der offenen Tür der Integrierten Gesamtschule vorstellen.

Der Jugendroman erzählt vom 15-jährigen Francesco, der in den 1960er Jahren mit seiner Mutter und seinen Geschwistern vom Vater nach Frankfurt geholt wird. Die Familie lebt in einer kleinen Dachwohnung in Bornheim, dem Stadtteil, in dem Francesco auch zur Schule geht. Dort ist er auf sich alleine gestellt, erfährt Ablehnung, aber auch Unterstützung. Als er sich in Elisabeth verliebt und sein Vater arbeitslos wird, spitzt sich die Lage zu und sein Wunsch in seine Heimat Kalabrien zurückzukehren wird größer.

20 Kapitel

Um das Projekt zu realisieren, das von ihrer Klassenlehrerin Sigrid Schlesinger initiiert wurde, mussten die Mädchen und Jungen der Klasse Grant erst einmal recherchieren. Hierfür machten sie etwa eine Stadtteilführung, bei der sie Orte aufsuchten, die unter anderem für die Geschichte der Gastarbeiter in Bornheim relevant sind. Es sollten viele Infos eingeholt werden, die sie in die 20 Kapitel mit einfließen ließen, um die fiktive Handlung mit Fakten zu untermauern. Bei der Themenfindung und dem Aufbau der Kapitel wurden die Jugendlichen von der Autorin Carola Kupfer unterstützt, die mit ihnen in einem zweitägigen Workshop arbeitete und ihnen während des Schreibens per E-Mail Tipps gab.

Bei der Vorstellung des Buches sitzen die Schüler Yassin, Niklas, Sara und Aleyna (alle 14 Jahre) stellvertretend für die gesamte Klasse mit Sigrid Schlesinger, dem stellvertretenden Schulleiter Thomas Wierz, der Autorin Carola Kupfer und dem Verleger des Buches Wolfgang Schröck-Schmidt auf der Bühne. Die Schüler warten auf ihren Einsatz. Von Lampenfieber ist den Jugendlichen nichts anzumerken. Jeder von ihnen ist gut vorbereitet, hat einen kleinen Text zur Präsentation aufgeschrieben.

Schröck-Schmidt stellt Yassin die Frage, ob er sich denn vorstellen könnte, später einmal als Autor zu arbeiten? Der kontert selbstbewusst: „Wieso vorstellen, wir sind bereits Autoren.“ Yassin gibt zu, dass er zu Beginn gar nicht begeistert von der Idee gewesen sei, gemeinschaftlich ein Buch zu schreiben. „Das bedeutet nämlich viel zu schreiben und ich bin eigentlich kein Vielschreiber.“

Aber auch nur „eigentlich“, denn im Laufe des Projekts entdeckte er schließlich, wie viel Spaß es ihm macht. „Wir haben vorher geahnt, dass es nicht leicht wird. Jetzt planen wir sogar Lesungen an verschiedenen Orten wie Schulen oder Büchereien“, sagt Sara. Zwei Schulen hätten bereits angefragt. „Durch das Projekt ist unsere Klasse sehr zusammengewachsen. Schüler haben hierfür zusammengearbeitet, die davor nicht soviel miteinander zu tun hatten“, schildert Aleyna. Sie hätten gelernt, dass man für solch ein Projekt im Team arbeiten und sich miteinander absprechen müsse, damit es nicht zu Doppelungen in den Texten komme.

Viel Zeit investiert

„Wir sind fertig geworden. Das haben wir uns während des Schreibprozesses manchmal gar nicht vorstellen können“, erzählt die Klassenlehrerin und fügt hinzu: „Die Schüler haben sich sehr hierfür engagiert und viel Zeit investiert, auch in ihrer Freizeit. Das ist nicht selbstverständlich.“ Auch der stellvertretende Schulleiter ist begeistert und lobt: „Das ist ein ganz tolles Projekt.“

Das Buch „Ciao Italia. Willkommen Frankfurt-Bornheim“ hat 170 Seiten und ist als Taschenbuch in der Edition Schröck-Schmidt Kids erschienen. Es kann über den Buchhandel bezogen werden und kostet 11,95 Euro.

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