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Vor zwei Jahren begann der Frust

Von Zwei Jahre gibt es nun schon die Nordwest-Landebahn am Flughafen. Doch der Atem der Fluglärmgegner lässt längst nicht nach. Montag für Montag stehen sie im Terminal 1 und tun ihren Unmut mit Pfiffen und Parolen kund.
In den Ferien finden keine Montagsdemos statt, sondern lediglich Mahnwachen so wie gestern beim zweiten Jahrestag der Landebahn-Eröffnung. Foto: Rüffer In den Ferien finden keine Montagsdemos statt, sondern lediglich Mahnwachen so wie gestern beim zweiten Jahrestag der Landebahn-Eröffnung. Foto: Rüffer
Frankfurt. 

Es war gestern vor zwei Jahren, am 21. Oktober 2011. Damals, um Punkt 14.31 Uhr, landete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwar nicht auf dem Mond, aber ihre Regierungsmaschine setzte als erstes Flugzeug überhaupt auf der neuen Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens auf. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Bahn damals eröffnet. Seitdem kommt dort alle drei Minuten eine Maschine runter, rund 350 Maschinen am Tag.

Bilderstrecke Fluglärm: zwei Jahre Montagsdemos
Zwei Jahre gibt es die Nordwest-Landebahn am Flughafen Frankfurt. Doch der Protzest der Fluglärmgegner lässt nicht nach. Montag für Montag stehen sie im Terminal 1 und bekunden ihren Unmut mit Pfiffen und Parolen, so auch am 21.10.2013. Fotos: RüfferMahnwache am Terminal 1

229 206 Flugzeuge landeten dort in den vergangenen zwei Jahren. Zwei Drittel davon kamen über Oberrad, Sachsenhausen, Niederrad herein. Soll heißen: Für die Bewohner des Frankfurter Südens, über deren Häuser die Jets hinweg donnern, ist das ein Graus.

 

75 Demos

 

Montag für Montag stehen die Fluglärmgegner nun im Terminal 1 des Airports und demonstrieren. 75 Montagsdemos und 19 Mahnwachen haben sie bestritten - mit bis zu 2000 Teilnehmern. Nur in den Ferien sind es weniger. Wie gestern. Mit Trillerpfeifen, Tröten und Trommeln versammelten sich laut Polizei 155 Lärmgegner am Airport, fuhren zum ersten Mal mit der SkyLine-Hochbahn zum Terminal 2, um sich davon zu überzeugen, wie wenig ausgelastet es ist, liefen durch die Passagier-Abfertigungshalle, riefen lautstark im Chor ihre Parolen „Lärm und Dreck, die Landebahn muss weg“ und „Wir sind hier, wir sind laut, weil Fraport uns die Ruhe klaut“. Reisende blieben stehen, schauten die Demonstranten erstaunt an, machten Fotos.

Info: So groß wie 314 Fußballfelder

Die vor zwei Jahren in Betrieb genommene neue Landebahn ist das wichtigste Bauwerk bei der Erweiterung des Frankfurter Flughafens.

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„Wir müssen weiter Druck ausüben“, sagte Volker Hartmann von der Bürgerinitiative „Wohnen ohne Fluglärm und Absturzbedrohung“, kurz: WOFA, aus Oberrad. „Ohne unsere Montagsdemos würde es keinen Schritt vorangehen.“ Seinen Garten könne er nicht mehr nutzen. Die Fenster müssen geschlossen bleiben. „Die Lebensqualität im Frankfurter Süden liegt darnieder.“ Und Silke Alves-Christe, Pfarrerin der evangelischen Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen, sagte: „Wir können so nicht weiterleben. Die neue Bahn war ein Fehler, der die Menschen quält. Es ist unverantwortlich, dass sie sich dem Rhythmus der Flugzeuge anpassen müssen.“

 

„Nicht aufgeben“

 

Monika Plottnik von der Bürgerinitiative (BI) Sachsenhausen will weiterhin Montag für Montag zum Flughafen ziehen, auf den Lärm aufmerksam machen. „Wir dürfen nicht aufgeben“, sagte sie. „Der Flughafen darf nicht weiter wie ein Krebsgeschwür an die Stadt heranwachsen.“ Sie selbst besitzt ein kleines Reihenhaus südlich der Darmstädter Landstraße, müsse nachts mit Oropax schlafen. „Die Landebahn muss geschlossen werden“, so Plottnik. Alle Maßnahmen, die der Flughafenbetreiber Fraport nun in Sachen aktivem Schallschutz versuche umzusetzen, würden direkt in der Einflugschneise nichts bringen.

Das sieht Fraport anders. Man habe einiges dafür getan, dass es am Boden leiser wird. Die Anflugwinkel wurden vergrößert, Flughöhen angehoben. „Außerdem versuchen wir mit den erhobenen Lärmentgelten, die Airlines zu motivieren, mit leiseren Maschinen zu landen“, so ein Sprecher. Die nicht enden wollenden Proteste kommentiert man so: „Es gibt das Recht der freien Meinungsäußerung“.

Doch die Ausbaugegner halten nicht nur die Nordwest-Landebahn sondern auch das geplante dritte Terminal, das 2021 in Betrieb gehen soll, für überflüssig. Zwar steigen die Passagierzahlen leicht, die Flugbewegungen aber gehen zurück. Wurden 2011 noch 487 162 Starts und Landungen gezählt, waren es 2012 nur noch 482 242. Doch Fraport geht weiterhin von einem Wachstum des Luftverkehrs aus, will ab 2015 bauen. Die Fluglärmgegner wollen das verhindern. „Das ist unser zunächst realistisches Nahziel“, sagte Ausbaugegnerin Ursula Fechter von der BI Sachsenhausen. Jetzt hoffe man auf die Koalitionsverhandlungen im Land, denn neben den Grünen und der Linke sehe nun auch die SPD ein weiteres Terminal kritisch. „Ich bin weiter hoffnungsvoll, dass wir etwas erreichen können.“ Die Demos seien bis Mitte Januar angemeldet, bis sich eine neue Landesregierung konstituiert.

Kommentar: Vergeudete Zeit

Anflugwinkel wurden vergrößert, Flughöhen angehoben, die Maschinen fädeln sich in größerer Entfernung in den Endanflug an.

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