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Vorfahrt für spielende Kinder

Von Die Richard-Breitenfeld-Straße ist ein Verkehrsberuhigter Bereich und schlecht einsehbar. Trotzdem geben die Autofahrer gerne Gas, immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen für die dort spielenden Kinder. Mit baulichen Maßnahmen soll die Stadt die Situation nun entschärfen – das fordern Anwohner und Ortsbeirat.
Durch die über zwei Meter hohe Mauer ist die Richard-Breitfeld-Straße für die Kinder schlecht einsehbar. Immer wieder kommt es zwischen ihnen und den Autos im Verkehrsberuhigten Bereich zu brenzligen Situationen.	Fotos: Rainer Rüffer Bilder > Durch die über zwei Meter hohe Mauer ist die Richard-Breitfeld-Straße für die Kinder schlecht einsehbar. Immer wieder kommt es zwischen ihnen und den Autos im Verkehrsberuhigten Bereich zu brenzligen Situationen. Fotos: Rainer Rüffer
Riedberg. 

Vorsichtig tritt Maximilian in die Pedale, Zentimeter für Zentimeter wagt er sich mit seinem kleinen grünen Traktor an den Straßenrand. Vorsichtig lugt der Fünfjährige hinter der grauen, zwei Meter hohen Mauer hervor, blickt schnell nach links und rechts, um schließlich Gas zu geben und seinen fahrbaren Untersatz im Schritttempo auf die Richard-Breitenfeld-Straße zu lenken. Plötzlich tritt er auf die Bremse, schnell kommt er zum Stehen. In sprichwörtlich letzter Sekunde – die gelbe Schaufel seines Baggers ist nur wenige Millimeter entfernt von der Motorhaube des anthrazitfarbenen Autos, das ihm in die Quere gekommen ist.

Für Manuela Roll, Kinderbeauftragte auf dem Riedberg und selbst Anwohnerin der Richard-Breitenfeld-Straße ist solch eine brenzlige Situation nicht neu. Immer wieder kommt es zu plötzlichen Begegnungen zwischen den Kindern, die an der 200 Meter langen u-förmigen Straße spielen oder auf dem Weg zu einer der beiden Kitas sind, und den vorbeifahrenden Autos. Erst kürzlich wurde ein Kind der Kindertagesstätte Königsblick am Ende der Straße angefahren. Glücklicherweise ging der Unfall glimpflich aus. „Das wäre sicher nicht passiert, wenn die Spielstraße nicht nur durch zwei Schilder an Anfang und Ende, sondern außerdem durch farbige Piktogramme, Verkehrsinseln oder Poller gekennzeichnet wäre“, fordert Roll, dass die Stadt entsprechende Maßnahmen ergreift, damit es nicht erneut zu einem Unfall kommt.

Keine Spielstraße

Solche Maßnahmen seien durchaus denkbar, sagt Ulrich Schöttler, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Aber er betont zunächst auch, dass die Richard-Breitenfeld-Straße „sicher keine Spielstraße“ sei. „Eine Spielstraße gehört den Kindern und ist für den Verkehr gesperrt. Die Richard-Breitenfeld-Straße ist ein Verkehrsberuhigter Bereich, in dem Fußgänger und Kraftfahrer gleichberechtigt sind“, erklärt der Experte zunächst die Begrifflichkeiten.

Ob, wie und welche baulichen Veränderungen möglich seien, müsse ein entsprechender Ortstermin zeigen. „Vom Schreibtisch aus kann man so etwas nicht entscheiden und beurteilen“, wartet er nun, dass der Antrag der Grünen, der in der Oktober-Sitzung des Ortsbeirates 12 (Kalbach, Riedberg) verabschiedet wurde, bei ihm landet. Der fordert nämlich eine zusätzliche Kennzeichnung wie Pflasterung der Fahrbahn, Piktogramme oder versetzte Fahrspuren. „Liegt dem Amt der Antrag vor, reagieren wir automatisch“, verspricht er.

Einen Ortstermin habe es bereits vor zwei Jahren gegeben, betont Manuela Roll. Verbesserungen habe es seitdem allerdings keine gegeben. Im Gegenteil – mit der Fertigstellung des Baufeldes Ost seien jetzt auch die Einmündungen der Altenhöferallee schlecht einsehbar, die Lage dadurch noch brenzliger. Bis zu 2,20 Meter hoch sind dort die Mauern, die Autofahrern und Kindern den Blick versperren. „Höhe und Material sind in einem städtebaulichen Vertrag festgelegt. Es handelt sich also nicht um private Entwürfe oder Ideen, sondern um städtische. Deswegen sollte auch die Stadt dafür sorgen, dass die Kinder auf der Straße trotzdem sicher sind“, betont Roll.

Fahrer geben Gas

Es ist aber nicht nur die schlechte Sicht, die das Spielen auf und an der Straße so gefährlich macht. Kaum ein Autofahrer hält sich an die Schrittgeschwindigkeit von maximal sieben Kilometern pro Stunde, die die Straßenverkehrsordnung in einem Verkehrsberuhigten Bereich vorschreibt. Auch an diesem Nachmittag geben die Autofahrer gerne Gas. „Nach unseren Erfahrungen halten sich nur Anwohner an das Tempolimit. Oft genug gibt es aber Autos, die die Straße zum Wenden nutzen. Sie fahren an einem Ende rein und am anderen wieder raus. Zwischendurch geben sie mächtig Gas“, sagt Roll und zeigt auf einen schwarzen Wagen, der an der Gruppe aus Erwachsenen und Kindern vorbeifährt. „Der war mindestens zehn Stundenkilometer zu schnell“, schätzt sie.

Gerade weil der Ortstermin bereits zwei Jahre zurückliegt, aber auch weil es den entsprechenden Antrag des Ortsbeirates gibt, geht Ulrich Schöttler davon aus, dass die Sachlage neu geprüft wird. „Zwei Jahre – da muss ich die alte Akte gar nicht öffnen, in dieser Zeit kann sich immer etwas ändern“, sagt er. Dass sich zu ihren Gunsten etwas ändert, darüber würden sich auch die Kinder der Richard-Breitenfeld-Straße freuen. Bei schönem Wetter treffen sie sich jeden Nachmittag auf der Straße und sind wie ihre Eltern genervt von den zu schnell fahrenden Autos. „Da macht Spielen irgendwann keinen Spaß mehr“, sind die Knirpse einstimmig frustriert.

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