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Vorsicht - Einbrecher!

Von Die Polizei hat alles in die Schlacht geworfen und erstmals seit Jahren für sinkende Einbruchszahlen in Frankfurt gesorgt. Grund zum Aufatmen gibt‘s aber nicht. Die Stadt bleibt ein Eldorado für Banden aus Südosteuropa.
Von 2008 bis 2011 stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche in Frankfurt – 2012 ging sie erstmals wieder zurück. Grafik: FNP Von 2008 bis 2011 stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche in Frankfurt – 2012 ging sie erstmals wieder zurück. Grafik: FNP
Frankfurt. 

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Frankfurt ist 2012 zum ersten Mal seit drei Jahren gesunken, mit 2051 Fällen lag sie aber weiterhin auf relativ hohem Niveau. Im Jahr 2008 hatte die Polizei "nur" 1340 Einbrüche registriert. Bei der Vorstellung der Frankfurter Kriminalstatistik sprach Polizeipräsident Dr. Achim Thiel denn auch von einer "erfreulichen, aber nicht befriedigenden Zahl".

Der jüngste Rückgang der Wohnungseinbrüche lag bei 14 Prozent - ein Erfolg, den Thiel auf verstärkte Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen gegen reisende Straftäter (zum Beispiel aus Südosteuropa) zurückführte. Der Polizeipräsident zeigte sich erfreut, dass die Aufklärungsquote von 12,5 auf 19,5 Prozent "signifikant verbessert" werden konnte. Anteil daran habe auch die vor kurzem geschaffene Tatortgruppe, die nach Einbrüchen sofort ausrückt, um die Ermittlungen aufzunehmen und Spuren zu sichern.

Ein Quäntchen Glück

Der Leitende Polizeidirektor Michael Hallstein räumte ein, dass zum Sinken der Fallzahl mitunter auch "ein Quäntchen Glück" beigetragen habe: So sei es gelungen, zwei Serientäter festzunehmen, auf deren Konto insgesamt 94 Wohnungseinbrüche gingen. Vor der Festnahme habe es "eine wilde Verfolgungsjagd" gegeben. "Wenn unsere Polizisten weniger fit gewesen wären, hätten wir die Täter vielleicht nicht erwischt."

Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte in der vergangenen Woche vermeldet, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hessen leicht gesunken sei: um 2,8 Prozent auf 10570 Fälle. Danach kam es zu einem Schlagabtausch zwischen Rhein und Nancy Faeser. Die innenpolitische Sprecherin der Landtags-SPD warf Rhein vor, dass die Zahlen manipuliert worden seien. Sie verwies auf die steigende Tendenz in allen anderen Bundesländern. Rhein nannte die Vorwürfe "absurd".

Polizeigewerkschaftler verteidigten die Zahlen von Stadt und Land gestern: Gegen Wohnungseinbrüche sei zuletzt "tatsächlich viel gemacht" worden. "Da sind wir in Hessen personell relativ gut aufgestellt." Statistiken zu "schönen", sei zwar durchaus möglich- im Hinblick auf die Wohnungseinbrüche seien die Zahlen aber plausibel und glaubwürdig.

Und warum liegt die Aufklärungsquote trotz guter Personalsituation nur bei knapp 20Prozent? Kriminalhauptkommissar Eberhard Weber, stellvertretender Leite des zuständigen Kommissariats 21, nennt mehrere Gründe. "Es handelt sich in 99 Prozent der Fälle um völlig anonyme Taten." Eine Täter-Opfer-Beziehung wie bei den meisten Kapitaldelikten gebe es in aller Regel nicht. "Die Einbrecher laufen durch die Gegend, nehmen eine Wohnung wahr, an dem vielleicht ein Fenster gekippt ist - und nutzen die günstige Gelegenheit."

Auf der nächsten Seite: Hohe Mobilität

Weil sich Einbrecher und Opfer nicht kennen, stünden der Polizei nur die Spuren am Tatort zur Verfügung: Fingerabdrücke, DNA, Werkzeugspuren oder zurückgelassene Gegenstände. Ein weiteres Problem sei die hohe Mobilität von Einbrecherbanden: "Es gibt Gruppen, die in Frankfurt einfallen, dort zwei, drei Tage einbrechen und dann weiterreisen. Bis wir den Anstieg der Fallzahlen bemerken, sind die oft schon in Stuttgart oder sonst wo."

Dafür sind die Tatort-Ermittler so ausgebildet, dass sie selbst aus kleinen Spuren gewisse Rückschlüsse auf den Einbrecher ziehen können: "Bei Kindereinbrechern sind an der Tür manchmal 17, 18 Hebelansätze zu finden; ein kräftiger Mann bekommt eine Tür meistens mit drei, vier Versuchen auf." Die Höhe, in der das Werkzeug angesetzt wurde, lasse außerdem auf die Größe des Täters schließen.

Die Behauptung, dass in der dunklen Jahreszeit mehr eingebrochen wird als in der hellen, belegt Weber auf Nachfrage mit Zahlen aus dem Jahr 2011: In den hellen Monaten von April bis September sei insgesamt 959 Mal eingebrochen worden, in den finsteren Monaten insgesamt 1427 Mal- das entspricht einer Differenz von immerhin 468 Fällen.

Lesen Sie morgen: "Ein Einbrecher packt aus" - Wie ein junger Mann auf die schiefe Bahn geriet und in Wohnungen einstieg.

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