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Alternativen zum Sondermüll am Haus: Wärmedämmung mit Brandgefahr: Experten raten zu Verzicht auf Styropor

Von Nach dem Brand eines Hochhauses in London ist das als Dämmstoff weit verbreitete Styropor erneut in die Kritik geraten. Hauseigentümer suchen nach Alternativen – doch die sind teuer.
Wenn Wohnhäuser saniert werden, stapeln sich auf der Baustelle meist große Mengen an Dämmplatten aus Polystyrol. Foto: WYGODA,FFM Wenn Wohnhäuser saniert werden, stapeln sich auf der Baustelle meist große Mengen an Dämmplatten aus Polystyrol.
Frankfurt. 

Für Wolfgang Stegemann ist die Sachlage ganz klar: „Ich mache an meinem Haus doch keine Außendämmung, die brennt.“ Bei der Modernisierung eines Mietshauses an der Spohrstraße im Nordend ist er einen anderen Weg gegangen. Der Hauseigentümer verzichtete auf die heute weit verbreitete dicke Schicht aus Polystyrol, dem aus Erdöl hergestellten Dämmstoff, der unter dem Markennamen Styropor bekannt ist. Damit wollte er auch den Charakter der Gründerzeitfassade erhalten.

Klimaputz ohne Lobby

Stattdessen entschied er sich für eine Innendämmung mit einer wenige Zentimeter dicken Schicht des Mineralputzes Klimasan. „Damit erfüllen wir die Norm“, betont der Hauseigentümer, der mehr als 100 Wohnungen in der Rhein-Main-Region besitzt. „Und das Raumklima ist ganz hervorragend“, hebt Stegemann die Vorteile des Dämmputzes hervor. „Aber leider hat die Herstellerfirma im Gegensatz zur Dämmstoffindustrie keine Lobby.“

Info: Ein umstrittener Baustoff

Nicht erst seit dem verheerenden Hochhausbrand in London mit mindestens 80 Toten gibt es Kritik an Wärmedämmsystemen auf Mineralölbasis.

clearing

Nachteile gibt es aber auch: Es geht ein bisschen Wohnfläche verloren, die Wände dürfen nicht tapeziert werden. Und der Mineralputz ist etwas teurer als das übliche Wärmedämmverbundsystem. Statt 780 Euro wie bisher wird die rund 80 Quadratmeter große Wohnung künftig etwa 980 Euro kosten – bei sinkenden Heizkosten. „Wir bewegen uns im Rahmen des Mietspiegels“, betont Stegemann. Das ist im Nordend bei Neuvermietungen nach Modernisierung längst nicht selbstverständlich.

Stegemann saniert seine Wohnungen immer erst dann, wenn ein Mieter auszieht. „Wir wollen niemanden vertreiben.“ Für die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen, die sich das Projekt auf Einladung des Eigentümerverbands Haus & Grund ansah, gehört Stegemann deshalb zu den „Guten“ unter den Vermietern – anders etwa als die Eigentümer des Hauses Wingertstraße 21 im Ostend, die die Mieter schikanierten und hinausekeln wollten.

Nissen arbeitet selbst als Hausverwalterin, kennt die Perspektive der Vermieter. In Sachen Wärmedämmung hat sie eine klare Haltung: „Ich klebe keinen Sondermüll an die Fassade.“ Andere Maßnahmen wie die Erneuerung von Heizung und Fenstern sowie die Dämmung von Dach und Kellerdecke seien viel sinnvoller. Sie schlägt vor, auf Polystyrol zu verzichten und alternative Dämmstoffe zu erforschen.

Industrie beteiligen

Damit liegt sie auf einer Linie mit Haus & Grund. Der Bundesvorsitzende des Verbands, Kai Warnecke, sagte, dass mittlerweile die ersten Wärmedämmverbundsysteme als Sondermüll entsorgt werden müssten. Er forderte, dass sich die Dämmstoffindustrie, die Milliarden verdient habe, an den Kosten beteiligt. Die Fassadendämmung sei „übermäßig teuer“, betonte der Frankfurter Vorsitzende von Haus & Grund, Jürgen Conzelmann. „Es sollte den Eigentümern überlassen bleiben, ob sie das machen.“ Auch ohne Fassadendämmung könne ein Haus in einen zeitgemäßen Zustand versetzt werden.

Ein Beispiel dafür ist das 1902 errichtete Gebäude in der Karlsruher Straße 2 am Hauptbahnhof. Dort habe der Denkmalschutz die Außendämmung untersagt, erläutert Peter Thienel, der die Modernisierung für die Eigentümer koordiniert hat. Durch die Reparatur der maroden Mauern, neue Fenster und ein kleines Blockheizkraftwerk im Keller, das den Mietern Wärme und Strom liefert, sei der Energieverbrauch dennoch niedriger als vorher. Thienel betont auch, dass der Umfang der Maßnahmen in den acht Wohnungen und zwei Läden mit den jeweiligen Mietern abgesprochen worden seien. Sein Erfolgsrezept: „Man muss auf die Mieter zugehen. Das ist nicht schwierig, aber sehr anstrengend.“ Am Ende sind alle geblieben – auch wenn sie statt durchschnittlich sieben bis acht Euro pro Quadratmeter jetzt bis zu 12 Euro zahlen müssen.

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