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Wangenheim unter Beschuss

Antisemitische Äußerungen im Stadtparlament? Der betroffene FDP-Politiker Stefan von Wangenheim weist das weit von sich – das Internet allerdings reagiert anders.
Stefan von Wangenheim Stefan von Wangenheim
Frankfurt. 

Stefan von Wangenheim ist krank. "Verschnupft", sagt er. Der FDP-Stadtverordnete hat keine schöne Woche hinter sich. Abgesehen vielleicht von dem traditionellen Gänseessen seiner Partei in einem Restaurant in Sachsenhausen.

"Verschnupft" ist von Wangenheim ganz sicher nicht nur wegen seines leichten grippalen Infekts, den er seit Tagen mit sich herumträgt. Schwerer wird ihm eine von ihm getane Äußerung in der Sitzung des Stadtparlaments zusetzen. Dort hatte er in der letzten Woche in der Diskussion um den möglichen Erwerb eines Hauses aus ehemaligem jüdischen Besitz die absolut falschen Worte gewählt.

Von Wangenheim sprach in der Debatte über die Geschichte des Hauses. Er sagte, das Haus habe früher einem Juden gehört, der dann "die Gunst der Stunde genutzt" und das Haus verkauft habe, um seine Flucht aus Deutschland zu bezahlen.

Der Zigarettenfabrikant Adam Becker war Eigentümer des Hauses Gutleutstraße 8–12. Er verkaufte sein Haus 1933 an die NSDAP Gauleitung Hessen-Nassau (das Haus hieß fortan Adolf-Hitler-Haus).

Wohlwollend betrachtet meinte von Wangenheim mit seinem Einwurf wohl, dass das Haus sich auch heute nicht in städtischem Besitz befindet und nun wohl für einen hohen Preis erworben werden müsse. Wohlwollend betrachtet.

Das Internet geht nicht so wohlwollend mit den Aussagen des FDP-Mannes um. Die Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) hatte das Thema in jüdischen Foren wie www.hagalil.com lanciert – hier wird von Wangenheim in den Kommentaren krasser Antisemitismus unterstellt. Er sei wohl "einer, der die deutsche Vergangenheit am liebsten ausblenden würde", oder er "werfe damit noch achtzig Jahre später den Verfolgten vor, verfolgt gewesen zu sein". Schlimmer noch: "in Deutschland ist Antisemitismus wieder möglich und von der Politik gewollt und gefördert". Von Wangenheim ist entsetzt über diese Reaktionen und weist jeden Anflug von Antisemitismus weit von sich. Gleichwohl ist er intelligent genug, um einzusehen, dass er die falschen Worte gewählt hat. "Das mit der ,Gunst der Stunde‘ war definitiv der falsche Ausdruck", sagt er in der Nachbetrachtung.

Die Debatte im Stadtparlament drehte sich um die Kunstinitiative "basis Frankfurt e.V.", die ihr Domizil in besagtem Haus hat. Sie wurde als hessische Initiative beim Wettbewerb Bewegungsmelder der Kultur- und Kreativwirtschaft ausgezeichnet. "Ich wünsche mir, dass die Auszeichnung auch einen Anstoß für die Stadt Frankfurt und das Land bedeuten, die laufenden Verhandlungen über die Zukunft des Vereins und den eventuellen Erwerb der Immobilie zügig abzuschließen", hatte der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Otto (FDP) erklärt. b.to

(b.to)
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