E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 18°C

Illegaler Wohnraum: Warum Frankfurt Udo Pfeiffers Mieter rausschmeißt

Zwei Jahrzehnte lang vermietete Udo Pfeiffer Wohnräume in seinem Haus, obwohl dort nur Büros erlaubt waren. Beim Versuch, eine Änderung des Bebauungsplans zu erreichen, scheiterte er. Pfeiffer kann nicht nachvollziehen, dass die Stadt ihm trotz großem Wohnraummangel einen Strich durch die Rechnung macht.
Als Udo Pfeiffer das Dachgeschoss seines Hauses ausbauen will, bekommt er Ärger mit der Bauaufsicht. Und die stellt fest: Die seit zwei Jahrzehnten vermieteten Wohnungen darunter sind nur als Büros genehmigt. Jetzt müssen die Mieter raus, notfalls ins Wohnheim. Als Udo Pfeiffer das Dachgeschoss seines Hauses ausbauen will, bekommt er Ärger mit der Bauaufsicht. Und die stellt fest: Die seit zwei Jahrzehnten vermieteten Wohnungen darunter sind nur als Büros genehmigt. Jetzt müssen die Mieter raus, notfalls ins Wohnheim.
Griesheim. 

Udo Pfeiffer versteht die Welt nicht mehr. Fast täglich hört oder liest er vom eklatanten Mangel an Wohnraum in Frankfurt. Drei Sozialhilfeempfänger leben bereits in seinem Wohnhaus in der Hartmannsweilerstraße in Griesheim. Alle hätten es wohl sehr schwer, andernorts in der Stadt eine Wohnung zu finden. Um weiteren günstigen Wohnraum zu schaffen, lässt er derzeit ein Dachgeschoss ausbauen. Doch er hat die Rechnung ohne die Stadt gemacht.

Denn mit dem Gesetz lassen sich Pfeiffers noch so gute Absichten nicht vereinbaren. Jüngst erhielt er ein Schreiben der Bauaufsicht. Die fordert darin nicht nur den Rückbau des Dachgeschosses, sondern auch, dass Pfeiffers Mieter bald aus ihren Wohnungen ausziehen. Erst mit diesem Schreiben der Frankfurter Bauaufsicht hat der Vermieter davon erfahren, dass er den Großteil seiner Räumlichkeiten nie hätte vermieten dürfen. „Die sind nämlich bis auf den ersten Stock als Büroräume deklariert. Aber das war mir nicht bewusst“, sagt Pfeiffer.

Mieter sollen ausziehen

Er hatte das Gebäude in der Hartmannsweilerstraße vor 20 Jahren erworben. Die darin befindlichen Räume ließ er während der Sanierung als Wohnungen einrichten, mit Küchen und Bädern.

Die Stadt hätte von all dem vielleicht nie erfahren, wären sich Pfeiffer und sein mittlerweile verstorbener Nachbar nicht voriges Jahr in die Quere gekommen. Dieser zeigte den Hausbesitzer an, weil ihm dessen Geschosserweiterung missfiel. Ein klärendes Gespräch habe der Nachbar abgelehnt, sagt Pfeiffer. Doch die Stadt war ohnehin längst auf den Plan gerufen. Mitarbeiter der Bauaufsicht besichtigen Pfeiffers kleine Baustelle. Dabei stellten sie fest, dass die Dacherweiterung nicht genehmigt war – und der Wohnungsvermieter eigentlich gar keiner hätte sein dürfen. Denn der Bau von Wohnungen war laut Bebauungsplan bloß im ersten Stock der Hartmannsweilerstraße gestattet, nicht aber in den Geschossen darüber.

Unter jenem Fauxpas leiden nun in erster Linie Pfeiffers Mieter: Im April kündigte die Stadt den ohne eigenes Zutun illegal im Haus lebenden Menschen. Im Schreiben verweist die Stadt die Mieter bei deren erzwungener Suche nach einem neuen Zuhause auf das Amt für Wohnungswesen. Obdachlos solle keiner werden, verspricht die Stadt – und nennt als letzte Alternative eine Unterbringung in einer städtischen Notunterkunft.

So weit will es Pfeiffer nicht kommen lassen. Er möchte durchsetzen, dass die als Büros deklarierten Räume in seinem Haus offiziell in Wohnungen umgewandelt werden. „Das muss sich doch legalisieren lassen. Überall wird über den Mangel an Wohnraum gejammert. Hier ließe sich Abhilfe schaffen, doch die Stadt zeigt kein Interesse daran“, klagt der Hausbesitzer.

Bauaufsicht widerspricht

„Völliger Quatsch“, sagt Simone Zapke, Leiterin der Frankfurter Bauaufsicht, und verweist auf Dutzende Konversionsprojekte in Frankfurt, in deren Rahmen Büros in Wohnungen umgewandelt werden. Im Fall von Udo Pfeiffers Liegenschaft sei dies jedoch nicht möglich. „Die von ihm eigenmächtig umgewandelten Wohnungen erfüllen nicht die Anforderungen für gesunde Wohnverhältnisse wie einen ausreichenden Schall- und Wärmeschutz. Auch der erhöhte Stellplatzbedarf wird nicht erfüllt“, macht Zapke klar. Daher könnten Pfeiffers illegal gebaute Wohnungen nachträglich nicht „legalisiert werden“.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen