Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 8°C

Suizidprävention: Warum Suizide kein Tabuthema sein dürfen

Durch Suizide sterben in Deutschland mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten und Drogen. Dennoch wird das Thema weithin tabuisiert. Vor dem Welt-Suizid-Präventionstag am Samstag fordert die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention deshalb einen stärkeren Kampf gegen Selbsttötungen.
Eine junge Frau steht am Fenster eines Zimmers. Bei den Suizidversuchen sind junge Frauen besonders gefährdet. Foto: Peter Steffen (dpa) Eine junge Frau steht am Fenster eines Zimmers. Bei den Suizidversuchen sind junge Frauen besonders gefährdet.
Frankfurt. 

Jedes Jahr stirbt in Deutschland eine Kleinstadt durch Suizid: Rund 10 000 Menschen nehmen sich das Leben, 30 pro Tag. Das sind mehr als durch Verkehrsunfälle, Gewalt und Drogen sterben. Weltweit sind rund 800 000 Todesfälle durch Suizid zu verzeichnen. Die Zahl der Suizidversuche ist etwa 15 bis 20 Mal so hoch. Doch das Thema bleibt tabu. Das muss nicht sein. Um über verschiedene Dimensionen des Themas Suizid und Präventionsmöglichkeiten zu informieren, lädt das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (Frans) vom 9. bis 11. September zu drei Veranstaltungen ein.

Mehr Männer betroffen

„Ein Suizid betrifft viele Menschen. Von jedem Suizid sind durchschnittlich deutlich mehr als sechs Personen betroffen“, mahnt die Weltgesundheitsorganisation. Zwei von drei Suiziden werden dabei in Deutschland von Männern verübt, insbesondere ältere Männer haben ein erhöhtes Risiko. Bei den Suizidversuchen sind hingegen junge Frauen besonders gefährdet. Nach Angaben der Experten steigt die Suizidrate mit dem Lebensalter. Nur etwa 150 bis 250 Menschen pro Jahr, die sich das Leben nehmen, sind jünger als 18 Jahre.

In den westlichen Industrieländern hängt die große Mehrheit dieser Todesfälle mit einer psychischen Erkrankung zusammen, vor allem mit Depressionen. Besonders betroffen sind ältere Menschen. „Im Alter kommen viele Belastungen auf den Menschen zu“, sagt der Gerontologe Uwe Sperling. Auslöser könnten gesundheitliche Veränderungen, Einsamkeit und Ängste vor Armut sein. „Nicht selten erleben sich ältere Menschen als zunehmend einsam, wenn ihnen die Partner für vertraute Gespräche fehlen.“ Sperling empfiehlt, Lebensentwürfe zu entwickeln, mit denen Senioren weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Weil Jugendlichkeit so hoch gehandelt werde, hätten ältere Menschen oft das Gefühl, nicht mehr hinterherzukommen. „Wer sich dauerhaft minderwertig fühlt, sieht im schlimmsten Fall in der Selbsttötung den letzten Ausweg.“

Das Programm zum Welttag der Suizidprävention

Um auf die weitgehend verdrängte Problematik der Suizidalität aufmerksam zu machen, wird jedes Jahr der Welttag der Suizidprävention veranstaltet.

clearing

Einsamkeit, schwere Krankheiten, Beziehungskrisen und Depressionen – das sind auch die Dauerthemen, mit denen die Mitarbeiter der von den beiden großen Kirchen getragenen Telefonseelsorge täglich konfrontiert werden. 1,8 Millionen Anrufe nahmen die Helfer 2015 entgegen. In mindestens 56 000 Gesprächen berichteten Anrufer von Suizid, suizidalen Absichten oder Erfahrungen. „Wenn Menschen anrufen, gehen wir davon aus, dass es irgendetwas in ihnen gibt, das noch leben will“, sagt Frank Ertel, Leiter der Telefonseelsorge. Politiker und Kirchen in Deutschland sind sich einig, dass auch Verbesserungen in der Palliativmedizin und der Hospizversorgung Suizide verhindern können. Wer sich nicht fürchten müsse, als Sterbenskranker unnötig lange und fremdbestimmt an Schläuchen zu hängen, gerate nicht in die Versuchung zum Suizid, so die Argumentation für mehrere Gesetzesänderungen im Jahr 2015. Wichtig sei auch das offene, zuhörende Gespräch.

Der Werther-Effekt

Die Stiftung Depressionshilfe verweist zugleich darauf, dass noch erhebliche Versorgungsengpässe bei Menschen mit psychischen Erkrankungen und Depressionen bestünden. Auch fordert sie von den Medien mehr Verantwortung. Wenn Berichterstattung über Suizide sehr konkret erfolge, würden weitere Suizide gefördert. Im Gegensatz zu diesem sogenannten Werther-Effekt gilt aber auch: Wenn berichtet wird, wie ältere Menschen in einer schwierigen Situation wieder ins Leben finden, kann das andere ermutigen.

(red,kna)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse