Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

Mehr Fernverkehr - weniger Platz für Nahverkehr: Warum die Bahnstrecken um Frankfurt ausgebaut werden müssen

Von Die Fahrgastzahlen steigen, doch für zusätzliche Nahverkehrszüge ist kein Platz auf den Strecken. In den kommenden Jahren droht sich die Situation weiter zuzuspitzen. Dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) geht der Ausbau zu langsam voran.
Locomore Foto: Pieren Locomore
Frankfurt/Berlin. 

Der Zug weckt ein wenig nostalgische Gefühle. Die Türen an den Waggons sind von Hand zu öffnen, die Abteile mit Schiebetüren, und dick gepolsterten Sitzen erinnern an längst vergangene Zeiten. Aus diesen stammt der Wagen auch, der jetzt auf der Verkehrsmesse „Innotrans“ in Berlin zu sehen ist. Die Firma „Locomore“, ein kleines Start-up-Unternehmen aus Berlin, hat ihn nur neu angestrichen und zeitgemäß aufgehübscht.

Mehr Verbindungen

Ab 14. Dezember startet Locomore den ersten eigenen Fernzug, eine tägliche Verbindung von Stuttgart über Frankfurt und Hannover nach Berlin, und will mit günstigen Fahrpreisen der Bahn Konkurrenz machen. Aber auch der Schienen-Riese selbst weitet sein Angebot aus. Von Dezember 2019 an wird eine neue Intercity-Linie von Münster über Siegen nach Frankfurt führen. Im ICE-Netz soll es in einigen Jahren einen 30-Minuten-Takt geben. Diese Züge belasten das Schienennetz in der Rhein-Main-Region zusätzlich – und verdrängen mitunter Regionalzüge, denn der Fernverkehr hat Vorrang. Schon heute ist auf den meisten Strecken kaum noch Platz. Die Strecke durchs Kinzigtal nach Fulda gilt schon seit Jahren offiziell als überlastet.

Riedbahn überlastet

Im vergangenen Jahr ist auch die Riedbahn nach Mannheim in diese Kategorie gerutscht. Doch der Ausbau der Infrastruktur kommt nur schleppend voran – obwohl zwei Drittel des deutschen Fernverkehrs über das Rhein-Main-Gebiet führt, wie RMV-Geschäftsführer Knut Ringat bei einer Veranstaltung am Rande der „Innotrans“ in Berlin betonte. Zusätzliche Züge könne der Verkehrverbund nicht bestellen. Dabei gebe es Bedarf, da Prognosen zufolge bis 2020 das Fahrgastaufkommen in der Region um acht Prozent steigen wird. „Es würden noch mehr Menschen mit Bussen und Bahnen fahren, wenn wir ein besseres Angebot machen könnten“, ist Ringat überzeugt.

Immerhin: Die Aus- und Neubaustrecken nach Fulda und Mannheim sind im aktuellen Bundesverkehrswegeplan im „vordringlichen Bedarf“ eingestuft. Wenn sie fertig sind, gibt es wieder mehr Spielraum für den Nahverkehr. Die Projekte hätten aber „ruhig etwas früher kommen können“, findet RMV-Chefplaner Thomas Busch. Um die Dringlichkeit zu verdeutlichen, hat der RMV Politiker und Experten in die Hessische Landesvertretung nach Berlin eingeladen.

Neue Gleise für Hessen

Unterstützung fand der RMV bei Birgit Bohle, der Fernverkehrschefin der Deutschen Bahn. Auch sie ist an einem funktionierenden Nahverkehr interessiert, denn: 40 Prozent der Fahrgäste, die in Frankfurt in einen ICE einsteigen, sind mit dem Nahverkehr zum Bahnhof angereist. Aber auch aus anderen Gründen ist sie für den Ausbau der Regionalstrecken: „Wir wünschen uns eine Entlastung des Knotens Frankfurt durch die nordmainische S-Bahn und die Regionaltangente West.“ Aber: „Die nordmainische S-Bahn ist noch längst nicht gesichert“, sagte Thomas Schaffer, Vorstandsmitglied der DB Netz AG. Er kämpft mit ganz anderen Problemen, hat er doch genug damit zu tun, das größtenteils veraltete Schienennetz im heutigen Zustand zu erhalten. 1,2 Milliarden Euro stehen in den kommenden Jahren allein für Hessen an Investitionsmitteln zur Verfügung. Unter anderem sind 160 Millionen Euro für die Sanierung maroder Brücken vorgesehen. Das aber bringt auch Nachteile mit sich: „Wir werden mit Baustellen leben müssen“, betonte Schaffer.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse