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Selbstorganisiertes Kicken: Warum die Bolzplatzliga in Frankfurt eine runde Sache ist

Vor der Commerzbank-Arena in Sachsenhausen stieg am Samstag das Finale der Bolzplatzliga F 43+. Im Lauf der vergangenen Jahre hat die Liga manchen zusammengewürfelten Haufen zu einer disziplinierten Mannschaft geformt. Der Veranstalter hofft daher, dass sich künftig auch mehr junge Kicker vor allem aus dem Frankfurter Norden blicken lassen.
Seit drei Jahren spielen die Vatos Locos aus Nied in der Bolzplatzliga. Aus einem wilden Haufen ist in dieser Zeit eine geschlossene Mannschaft geworden. Bilder > Seit drei Jahren spielen die Vatos Locos aus Nied in der Bolzplatzliga. Aus einem wilden Haufen ist in dieser Zeit eine geschlossene Mannschaft geworden.
Sachsenhausen. 

Im Finale im Schatten der Commerzbank-Arena zeigt die Mannschaft Vatos Locos aus Nied kurz ihr altes Gesicht: Vier Gegentore hat es zur Halbzeit gesetzt. Das bis zum Endspiel so gute Mannschaftsgefüge scheint sich aufzulösen. Doch Kapitän Bilal (17) mahnt dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: „Seid ruhig und spielt Fußball“, ruft er seinen Mitspielern zu. Zwei weitere Gegentore fangen sich die Vatos Locos, Spanisch für „verrückte Jungs“, bis zum Abpfiff. Doch trotzdem die Kicker aus dem Nieder Jugendhaus im vergangenen Jahr das Finale der Frankfurter Bolzplatzliga gewannen, können sie sich diesmal auch über den zweiten Platz freuen.

Vor drei Jahren, als in Frankfurt zum dritten Mal die Bolzplatzliga veranstaltet wurde, zeigten sich die Vatos Locos Nied noch so manches Mal als schlechte Verlierer. „Unsere Ergebnisse in der Bolzplatzliga waren schlecht. Spieler kamen mal zu einem Turnier, mal nicht. Am Anfang waren wir noch keine wirkliche Mannschaft“, sagt Bilal. Christian Flint, Sozialarbeiter aus dem Jugendhaus Nied, der das aktuelle Team der Vatos Locos und seinen Vorgänger seit seinem ersten Turnierauftritt betreut, erinnert sich daran, wie schwer es war, seine Schützlinge für die ersten Spiele in der Bolzplatzliga zu motivieren. „Mit den ersten Erfolgen aber änderte sich dies. Und die regelmäßige Teilnahme tat allen Jungs gut. Gemeinschaftssinn und Selbstbewusstsein schärften sich“, sagt Christian Flint.

Der Mitarbeiter des Nieder Jugendhauses übernimmt aber nicht die Aufgaben eines Trainers oder dient als das Mädchen für alles für die Vatos Locos Nied. Die jungen Fußballer stellen ihren Kader selbst zusammen, müssen Training und die Teilnahme an Turnieren selbstständig organisieren – ganz so wie es sich der Sportkreis Frankfurt als Veranstalter der Bolzplatzliga vorstellt.

Stetig gewachsen

Gegründet wurde die Frankfurter Bolzplatzliga F 43+ vor fünf Jahren. Alles begann mit 16 Mannschaften, die auf den Bolzplätzen im Stadtgebiet einen Bezirkssieger und schließlich bei einem Abschlussturnier den Stadtmeister ermittelten. 43 Teams aus 15 Stadtteilen spielen inzwischen in der Liga. Im nächsten Jahr soll sie auf 50 Mannschaften anwachsen. Bei rund 100 Bolzplätzen in ganz Frankfurt finden sich gewiss noch Spieler und Teams, die ihr Talent am Ball bislang nur in den Stadtteilen zeigen.

Das Konzept geht allerdings schon lange auf: Kinder und Jugendliche bis zum 18. Geburtstag, die oft nur ihren eigenen Stadtteil kennen, kommen durch die Teilnahme an der Bolzplatzliga auch in andere Frankfurter Gegenden. Und die jungen Menschen wachsen am Fußball, weil sie für den Aufbau und Zusammenhalt ihrer Teams selbst verantwortlich sind und als Ligarat und Schiedsrichter auch die Regeln und den Spielbetrieb organisieren müssen. Auch fördert die Bolzplatzliga die Toleranz. Es gibt gemischte Teams, in denen Mädchen spielen sowie Kinder und Jugendliche mit Handicaps. Zudem treten Mannschaften mit Geflüchteten an, denen die Turnierteilnahme das Ankommen und Einleben in Frankfurt erleichtert.

Denis Bambusek vom Sportkreis Frankfurt hat die Bolzplatzliga mit aufgebaut und ist stolz auf ihre bisherigen Erfolge. Vom Kicken könnten allerdings noch weit mehr Jugendliche profitieren: Weil die Liga einst im Gallus begann und dort größtenteils junge Menschen aus dem Frankfurter Westen kickten, liegt dort bislang auch der Schwerpunkt der Liga. Aus dem Frankfurter Norden und der Innenstadt aber nahmen bis heute nur wenige Teams teil. „Dort soll nun noch stärker in Horten und Jugendeinrichtungen für die Bolzplatzliga geworben werden“, kündigt Bambusek an. Vor allem in jenen Einrichtungen, die die Selbstorganisation der Kinder und Jugendlichen und deren Engagement für den Stadtteil fördern.

Vereine profitieren

Die Liga wirkt sich zudem positiv auf Vereine aus. Während die Vatos Locos es vorziehen, weiterhin nur auf Bolzplätzen zu kicken, kommen andere Kicker auf den Geschmack des Vereinsfußballs. „60 Prozent der Teilnehmer spielen in Vereinen. Nach unseren Turnieren melden sich in Clubs oft ganze Teams an, die zuvor hier gespielt haben“, berichtet Bambusek.

Bilal und die übrigen Vatos Locos aus Nied möchten auch im nächsten Jahr wieder mitkicken, auch wenn sie sich im diesjährigen Finale der U 18-Bolzplatzkicker nach einer 3:6-Niederlage den Galluspark-Nike Kickers geschlagen geben mussten. Dafür wurden die Nieder aber in diesem Jahr als beste Gastgeber ausgezeichnet. Das Finale der U 15 gewannen ebenfalls die Galluspark-Nike Kickers, hier mit 8:4 gegen die Samba Kickers. Bei den Jüngeren gewann bei der U 13 der Galluspark FC und bei U 11 die Kita Wartburg aus Unterliederbach.

Wer mehr wissen möchte

Weitere Informationen über die Bolzplatzliga finden sich im Internet unter www.gallus-sportkreis-frankfurt.de.

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