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Studie mit neuem Trend: Warum die Bornheimer teilen

Fahrräder, Autos, Werkzeug, Wissen: Alles kann man kaufen – oder in der Gemeinschaft teilen. Ob das wirtschaftliche Teilen in Bornheim eine Rolle spielt, wollen Sozialwissenschaftler der Frankfurt University of Applied Sciences (Fachhochschule) per Studie herausfinden.
Bornheim / Nordend. 

In der nächsten Woche flattert 3000 Bornheimer Haushalten ein spezielles Anschreiben ins Haus. Vereinfacht gesagt, dreht sich darin alles um eine zentrale Frage: Kaufst du noch oder teilst du schon? Am Forschungszentrum Demografischer Wandel (FZDW) der Fachhochschule fragt man sich nämlich, ob es Bewohner Bornheims gibt, die das gemeinschaftliche Teilen von Gebrauchs- und Konsumgütern oder Wissen dem Erwerb auf eigene Kosten vorziehen – und wenn ja, warum.

Geteilt wird in Bornheim schon am öffentlichen Bücherschrank. Was die Bornheimer sonst noch austauschen, wollen Christine Leyhe und Dr. Sven Stadtmüller in einer Studie herausfinden. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Geteilt wird in Bornheim schon am öffentlichen Bücherschrank. Was die Bornheimer sonst noch austauschen, wollen Christine Leyhe und Dr. Sven Stadtmüller in einer Studie herausfinden.

Mit acht Studenten des Masterstudiengangs „Forschung in der Sozialen Arbeit“ haben die Projektleiter Prof. Dr. Andreas Klocke und Dr. Sven Stadtmüller daher 30 Fragen rund um Kauf- und Teilverhalten, Freizeitgewohnheiten, Wertorientierung und mehr entwickelt, die bis Ende Oktober anonym im Internet zu beantworten sind. Das Anschreiben enthält Link und Passwort für den Fragenkatalog.

Die Studie, deren Ergebnisse im Dezember der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen, greift dabei einen Trend auf, der im sozialen Miteinander – besonders in Großstädten – und daher in der Wirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Fachausdruck dafür lautet „Share Economy“, zu Deutsch: Ökonomie des Teilens. „Führende Wissenschaftler erwarten, dass sich die ,Share Economy‘ künftig weiter verbreitet. Sie wird sich vom Nischendasein fortentwickeln und wirtschaftlich eine größere Rolle spielen“, berichtet Stadtmüller.

 

Manches lohnt nicht

 

Der Hintergrund dieser Entwicklung ist einfach: „Die Anschaffung mancher Güter lohnt sich nicht“, erklärt Studentin Christine Leyhe und verweist auf hohe Kosten von Autos, Fahrrädern oder anderen Maschinen, die durch Geschäftsmodelle wie Car-Sharing oder „Call-a-Bike“ umgangen werden können. Über das Teilen von übrigem Essen, Werkzeugen, Sportausrüstung, Kinderspielzeug oder Babysachen würden aber auch in kleinerem Maßstab die eigenen Finanzen geschont. „Man kann auf diese Weise gute gebrauchte Sachen bekommen oder loswerden, ohne sie verkaufen oder wegschaffen zu müssen“, so Leyhe. Im Internet setze sich die Idee des Teilens auch auf Wikipedia, Youtube oder Facebook fort: Durch das Teilen von Wissen.

Stadtmüller erklärt den erwarteten Siegeszug der „Share Economy“ über verschiedene Faktoren. „Unsere Studie wird hoffentlich zeigen, dass das Teilen eine Generationenfrage ist“, sagt er, schließlich nehme er an, dass der private Besitz von Statussymbolen wie Autos in jüngeren Generationen an Bedeutung verliere. Für diese wären eher der Zugang zu sozialen Netzwerken, die Teilhabe an Gemeinschaft und politische Partizipation wichtig. „Das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle als Plattform, wo Angebot und Nachfrage zusammengebracht werden.“

Die Generationenfrage beschreibt zudem den Ausgangspunkt für die Überlegungen am FZDW: „Die erwerbstätige Gesellschaft wird zurückgehen, weshalb die Wirtschaft schon heute Mangel an Fachkräften und Wohlstandssicherung beklagt“, erläutert Stadtmüller. Das Teilen werde daher als Konzept zum Schonen von Ressourcen in vielerlei Hinsicht immer wichtiger: Personal, Finanzen, Know-how oder auch natürliche Rohstoffe.

 

Ein Stadtteil reicht

 

Bornheim wurde vor allem wegen der geografischen Nähe zur Fachhochschule, die dichte Besiedelung und gute Begehbarkeit ausgewählt. „Es ist einfacher, einen Stadtteil als eine ganze Stadt zu erforschen“, sagt Leyhe. Zwar seien die Ergebnisse hinterher nicht repräsentativ, für Frankfurt doch gebe es bisher ohnehin kaum Forschung zum Thema, sagt Stadtmüller. „Wir wollen vor allem herausfinden, warum die Leute teilen.“

(peh)
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