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Warum es bei der Inklusion hapert

Von Die Einschulung von körperlich oder geistig beeinträchtigten Kindern wirft für Eltern viele Fragen auf, doch ist die Informationslage rund um die Inklusion unübersichtlich. Der Verein „Gemeinsam Leben Frankfurt“ versuchte am Samstag einen Überblick zu geben.
Frankfurt. 

Wie erhalte ich einen Kita-Platz? Auf welche Schule soll mein Kind gehen? Regelschule oder Förderschule? Wie beantrage ich sonderpädagogische Unterstützung? Was ist bei all dem zu beachten? Wo erhalte ich welche Information? Fragen wie diese treiben viele Eltern um, wenn es an die Planung des Bildungswegs körperlich oder geistig beeinträchtigter Kinder geht. Denn gerade weil die Inklusion, der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen an Regelschulen, von Politik, Verwaltung und Bildungseinrichtungen vorangetrieben wird, entsteht eine große Informationsflut über Möglichkeiten, Anforderungen und Restriktionen.

Alphabet der Inklusion

„Die Ängste der Eltern sind größer geworden. Es gibt viele Neuerungen, neue Gesetze, ständig neue Infos und die Eltern müssen sich diese oft mühsam zusammensuchen“, berichtete Theresa Hildebrand am Samstag in der Ernst-Reuter-Schule (ERS) II. Die Sozialpädagogin des Vereins „Gemeinsam Leben Frankfurt“ beschäftigt sich mit den Eltern-Fragen täglich und organisierte deswegen eine Info-Veranstaltung in der ERS, um einen Überblick zu geben. In Vorträgen erklärte sie dort etwa die rechtlichen Grundlagen der Inklusion: Das Recht auf inklusive Bildung nach der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen sowie Vor- und Nachteile des neuen Hessischen Schulgesetzes und der „Verordnung über Unterricht, Erziehung und sonderpädagogische Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen“ (VOSB). Zusätzlich erläuterte Hildebrand eine Art Alphabet der Inklusion und deren Möglichkeiten: „Von A wie Antragstellung bis Z wie Zuweisung“.

Oftmals käme es nämlich vor, so Hildebrand, dass Eltern erst auf sie zukämen, wenn das Kind bereits einer Förderschule zugewiesen wurde, obwohl der Besuch einer Regelschule möglich gewesen wäre. Zwar seien manche Eltern auch gut über die Inklusion informiert, doch besäßen andere nicht ausreichende Deutschkenntnisse oder hätten „einfach nicht die Kraft und Energie, sich ausreichend zu wehren“. „Diese entscheiden sich dann, ihr Kind auf die Förderschule zu schicken“, sagte Hildebrand, betonte allerdings weiterhin: „Dort wird wichtige Arbeit verrichtet. Eltern sollten bei der Schulwahl beide Schulformen angucken“.

Dennoch wünsche sie sich, dass die sonderpädagogische Expertise der Förderschulen ins Regelschulsystem überführt und dort gesichert werde. Der Sinn der Inklusion an Regelschulen, so Hildebrand weiter, bestehe schließlich in der gleichberechtigten Teilhabe aller Kinder an der Gesellschaft, und zwar dort, wo sie wohnten und lebten. Darüber hinaus werde ein beeinträchtigtes Kind von Kindern ohne Beeinträchtigung in der Entwicklung mitgezogen und lerne an der Regelschule, „Grenzen zu überschreiten“, die später ermöglichten, sprichwörtlich „auf eigenen Füßen zu stehen“: „Dem Kind wird das Gefühl genommen, besonders zu sein“, betonte Hildebrand: „Wir wollen 100 Prozent Inklusion erreichen.“

Schlechte Quote

Auf dem Weg dorthin, meint die Sozialpädagogin, sei mit den vielen Veränderungen, einem Schulentwicklungsplan oder der Bildung von Modellregionen bislang schon „viel erreicht“ worden, doch sei es „noch nicht so weit, dass Inklusion flächendeckend gut angeboten“ werde.

Dass tatsächlich noch viel Arbeit wartet, zeigen die nackten Zahlen: Im Schuljahr 2012/2013 lag die Quote aller Frankfurter Kinder mit Beeinträchtigung, die eine Regelschule besuchten, bei 16 Prozent. Der hessische Wert erreicht mit 16,4 Prozent kaum mehr, in ganz Deutschland war es ein Viertel.

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